Helmut Fallschessel

Entwurf einer agonalen Philosophie

 

Vorgestellt werden Teilergebnisse eines langjährigen work in progress.

Nach einer kurzen begriffs- und theoriegeschichtlichen Skizze zum Agon möchte ich meine Konzeption des Agonalen darstellen: Verstanden als Begriff für ein Ensemble von Formen der rekursiven Verknüpfung von Konflikt bzw. Konkurrenz und Kooperation, soll damit ein ganzes Feld von Phänomenen des begrenzten oder geregelten Konflikts und der antagonistischen Kooperation bezeichnet und theoretisch neu zugänglich gemacht werden.

Agonale Philosophie behauptet die Zentralität des Agonalen für Gesellschaftlichkeit überhaupt und die Moderne im besonderen. In konflikttheoretischer Tradition soll damit eine Gegenposition zur gegenwärtigen Dominanz idealistischer Philosopheme in der Sozialphilosophie formuliert werden. Ausgangspunkt ist dabei die Ubiquität eines ressourcenabhängigen, interpretativen und auf Verfügungsmacht oder soziale Positionalität gerichteten strategischen Handelns im Rahmen soziokultureller Praktiken. Orientiert unter anderem an Simmel, Weber, Foucault und Bourdieu soll aber auch die Abhängigkeit der Formen und Ziele strategischen Handelns von spezifischen Habitualisierungen und soziokulturellen Normierungen betont und so eine Alternative zu Rational-Choice-Modellen aufgezeigt werden.

Abschließend möchte ich dann die Leistungsfähigkeit dieses Ansatzes am Beispiel des ökonomischen Wettbewerbs bzw. des Marktes aufzeigen. Dabei ist gegen die marktfeindliche Linke die Effizienz von Wettbewerbsmärkten nicht nur für Güterallokation und rationale Preisbildung, sondern allgemeiner für die dezentrale Wissens- und Handlungskoordination zu betonen. Gegen die marktgläubigen Neoliberalen und die herrschende neoklassische Ökonomik sind wiederum der institutionelle und regulierungsbedürftige Charakter von Märkten sowie die in der Marktkonkurrenz systematisch enthaltenen Momente des Kampfes, der Machtbildung, der potentiell selbstzerstörerischen Irrationalität und der Gewalt gegen inkompatible Lebensformen heraus zu arbeiten.


MoMo-Vortrag am 09.06.2002



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