Helmut Fallschessel

Marktkampf und Marktversagen.
Wettbewerbstheorie und die Zukunft des Kapitalismus

 

Die Institution »Markt« steht im Zentrum unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Dabei ist sie aber zutiefst umstritten: Ist sie der wahre Hort von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, wie die Marktliberalen glauben, oder verursacht sie inhumanen Konkurrenzkampf, Ausbeutung und Entfremdung, wie insbesondere Teile der radikalen Linken immer noch behaupten?

Eine angemessene Einschätzung der Institution »Markt«, ihrer verschiedenen Formen und Terrains sowie ihrer Leistungen und Probleme, scheint mir deshalb zentral für die längst überfällige politische Debatte nach der künftigen politischen Orientierung der Linken. Sie wurde aber bisher weitgehend vernachlässigt oder - etwa im Globalisierungsstreit - in ihren Konturen verwischt, weil sie viel zu eng mit anderen Fragen und Entwicklungen vermengt wurde.

Ausgehend von einer kurzen Darstellung und Kritik der wichtigsten Ansätze einer Markt- und Wettbewerbstheorie möchte ich zuerst eine an Weber und Simmel angelehnte, der heutigen wirtschaftswissenschaftlichen Orthodoxie deutlich entgegen gesetzte konflikttheoretische Auffassung des Marktes skizzieren.

Danach werde ich versuchen, die überlegenen Allokations- und Koordinationsleistungen von Märkten, aber auch ihre in manchen Fällen systematisch unbeherrschbare Tendenz zu Irrationalität und einer katastrophischen Übertreibung von Zyklen ausgewogen zu würdigen. So wenig, wie alle sozialen Übel »dem Markt« angelastet werden können, so sehr erweist er sich doch als eine zugleich geniale, aber eben auch prekäre und stark regulierungsbedürftige Institution.

Abschließend ist nach den aus der vorgelegten Analyse zu folgernden Erwartungen an die Zukunft des Kapitalismus sowie nach den entsprechenden Konsequenzen für politische Ziele und Strategien zu fragen.


MoMo-Vortrag am 09.05.2004



Home