Stephan Günzel

Philosophische Archäologie bei Kant und Husserl

 

Trotz der Hundert Jahre Abstand zueinander verbindet Kant und Husserl der exklusive Versuch, lange vor Foucault, die Archäologie als Vorgehensweise in das Zentrum der Philosophie zu stellen: Kant, indem er die Möglichkeit einer philosophischen Geschichtsschreibung apriori nur im archäologischen Modus gewährleistet sieht; Husserl, indem er die phänomenologische Arbeit an den Phänomenen, die Objektivitätsgewinnung zum Ziel hat, als eine bergende Reduktion vorstellt, die ausdrücklich als archäologische Vorgehensweise bestimmt wird.

Neben dem Vergleich der beiden Modelle beleuchtet die Präsentation die spezifischen Kontexte der beiden Äußerungen: Kant gewinnt seinen Begriff von Archäologie in der Verhandlung der (Un)Möglichkeit einer Naturgeschichte. Mit Hilfe der Archäologie kann sodann die in der Kritik der reinen Vernunft zurückgelassene Leerstelle einer »Geschichte der reinen Vernunft« ausgefüllt werden. Husserl hingegen changiert zwischen einer (interpretierenden) Archäologie im Sinne der philosophia perennis, worin im kontinuierlichen Bemühen der Philosophie eine Gleichartigkeit diesseits der Systemunterschiede zum Vorschein kommt, und der (arbeitenden) Archäologie zur Freilegung der durch die im historischen Apriori der Galileischen Mathematisierung des Raumes verschütteten Lebenswelt.


MoMo-Vortrag am 02.02.2003



Home