Andreas Kaminski

Die Technisierung der Zeit.
Technik als Erwartungsstruktur

 

Nachdem Technik lange entweder in Opposition zu (und Fortführung von) Natur bestimmt oder als Perfektionierung des Menschen verstanden wurde, hat die neuere Techniktheorie andere Eingänge in die Diskussion versucht. Einen neuen Ausgangspunkt testet auch der vorliegende Beitrag, der Technik vom Problembezug Zeit her zu analysieren sucht. Dazu wird Technik als Erwartungsstruktur bestimmt. Damit sind weniger die phantasmatischen Aspekte, welche Entwicklung und Einführung von neuen Techniken begleiten, gemeint: die Heilsversprechen und Untergangsvisionen. Vielmehr soll entlang von Technik als Erwartungsstruktur gerade die alltägliche Technik und ihre Praxis entschlüsselt werden.

Hierzu wird bei einer Differenz angesetzt, die Heinz von Foerster formulierte. Dieser hatte triviale Maschinen von nichttrivialen unterschieden und Technik entsprechend als Trivialisierung begriffen: Technik sei ein Zusammenhang zwischen zwei Ereignissen (Ursache - Wirkung, Input - Output, Information und verarbeitete Information) - das heißt eine synthetische Determination; dieser Zusammenhang sei erkennbar - das heißt analytisch determinierbar; der Zusammenhang sei ferner in gewisser Hinsicht vergangenheitsunabhängig und damit voraussagbar. Die Palette der Gegenstände, für die das zutrifft, ist nach Foerster reich und reicht vom Auto über Naturgesetze, Organisationen bis zum Charakter.

Aber gleichzeitig behauptet Foerster, daß es keine einzige triviale Maschine gibt. Alles Genannte sei (weit über den Zahn der Zeit hinaus) vergangenheitsabhängig, damit zukunftsoffen und damit - zwar prinzipiell synthetisch bestimmt - aber analytisch nicht bestimmbar.

Foerster hinterlässt so ein interessantes Problem. Denn mag Technik zwar prinzipiell nichttrivial sein, man trivialisiert Dinge und Menschen dennoch alltäglich und äußerst erfolgreich, geht von Trivialität aus. Technik erscheint so paradox als trivial und nichttrivial. Man kann diese Paradoxie entfalten, wenn man Technik als Erwartungsstruktur versteht: Technik ist erwartete Trivialität, die als Erwartung ausdrücklich Enttäuschung, Nichttrivialität, als Möglichkeit vorsieht. In der Regel liegt der Handlungsanschluss jedoch auf Seiten der Trivialität: Man hebt seine Hand am Geldautomaten noch bevor Geld und Karte erscheinen und erwartet damit an die Operationen der Maschine anzuschließen.

Von da aus kann die Erwartungsbildung gegenüber Technik in verschiedenen Hinsichten verfolgt werden. Technik bildet dabei ein Geflecht von Erwartungstypen, die mit dieser Figur einer Erwartung, die Enttäuschung ermöglicht, zusammenhängt:

Technik ist also eine Erwartungsstruktur, und Funktionierbarkeit, Vertrauen und Versprechen sind unterschiedliche Komplexe dieser Erwartungsstruktur. Dies soll im Vortrag näher diskutiert werden.




Das oben Dargestellte ist Teil meines Promotionsprojektes, das den Zusammenhang von Technik - Zeit - Leib untersucht.


MoMo-Vortrag am 18.04.2004



Home