Susanne Klengel

Exzentrische Dialoge?
Zur interkulturellen Intellektuellengeschichte nach 1945

 

Ziel des Forschungsprojekts ist die Erkundung und Erschließung eines bisher von der Forschung kaum zur Kenntnis genommenen Feldes in der Geschichte der intellektuellen Beziehungen zwischen Lateinamerika und Frankreich / Europa: Der Zeitraum zwischen 1945 und 1952 wird als eine Epoche beschrieben und analysiert, in der lateinamerikanische Intellektuelle erstmals als Intellektuelle aus der Peripherie bei universellen Institutionen und internationalen Diskussionen ein gleichberechtigtes Mitspracherecht hatten.

Diese Diskurse waren nach den Katastrophen des Kriegs und des Völkermords deutlich von einem universalistischen Humanismus geprägt. Gleichzeitig zeigen die Quellen jedoch, dass damit ein weiterer Diskurs einhergeht, der von einem zunehmenden Bewusstsein über die eigene »periphere« Herkunft und die Problematik der kulturellen Partikularität zeugt. Es galt, diese ambivalenten Orte der Intellektuellen im Spannungsfeld zwischen universalistischem Humanismus und kultureller Partikularität zu belegen und zu beschreiben, um intellektuelle Konstellationen jener Epoche sichtbar zu machen, die in dieser Form bisher nicht wahrgenommen wurden.



Jaime Torres Bodet, Mexiko,
Generalsekretär der UNESCO 1948-1952

Auf diese Weise soll nicht nur ein Beitrag zur Erschließung der neuen Bedeutung lateinamerikanischer Intellektueller im internationalen kulturellen und kulturpolitischen Diskurs geleistet, sondern auch ein »Blick von außen« auf die Nachkriegsjahre in Frankreich und Europa als einem in seinen Fundamenten erschütterten kulturellen Zentrum beschrieben werden.

Die Arbeit versteht sich durch ihre spezifische Perspektivierung und ihre Reflexion über das reale und symbolische Verhältnis von »Zentrum und Peripherie« auch als ein Beitrag zu einer Geschichte der interkulturellen Transferleistungen, die einer herkömmlichen Geschichte kultureller »Einflüsse«, die oftmals implizit einen eurozentrischen Blickwinkel einnimmt, entgegensteht.


MoMo-Vortrag am 04.02.2001



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