Wenn man vom Glück der logischen Analyse spricht, kann man philosophisch zweierlei meinen: erstens die glückliche Fügung, sich mit einem Gegenstand nicht anders als logisch auseinandersetzen zu müssen, oder aber das für den logisch-philosophischen Analytiker befriedigende und zuweilen berauschende Gefühl, das sich dann einzustellen vermag, wenn er die Dinge logisch klar gegliedert vor sich sieht. Beide Glücksmomente des Philosophen sind dem Reich der Theoria, dem Bereich der Beschau zugehörig.
Dem steht die Not der pragmatisch-praktischen Synthese gegenüber: Solange der Philosoph beim Analysieren bleibt, scheint sein Glück, nur weil ungestört, ungetrübt; soll er aber etwas für die Praxis Verwertbares beisteuern, verwandelt sich das Glück der Analyse unausweichlich in eine Not, gleichsam in die Wehen der Praxis: Die Praxis selbst ist nämlich das andere der philosophischen Analyse; dort kennt der Philosoph sich einfach nicht aus. Dennoch begreifen es viele Philosophen als eine Notwendigkeit, einen Beitrag zur Praxis zu leisten. Es steht zu vermuten, dass das hieraus resultierende Dilemma innerhalb der Philosophie nicht lösbar ist. Es bleibt allerdings die Frage, ob es, analytisch betrachtet, überhaupt eine Notwendigkeit gibt, dieses Dilemma zu lösen.
Wie dieses Dilemma praktisch (auf)zu lösen wäre, lässt sich wiederum analytisch nicht präjudizieren, sondern nur am Beispiel erläutern. Ich werde sowohl das Glück der logischen Analyse wie die Not der pragmatischen Synthese am Beispiel Wittgensteins erläutern, indem ich versuche, die Wittgenstein'sche »Kehre« von der frühen Logisch-Philosophischen Abhandlung über das Big Typescript zu den späten Philosophischen Untersuchungen nachzuvollziehen. Als meta dieser Kehre werde ich Wittgensteins Analogisierung der »unmöglichen Dampfmaschine«, die Franz Reuleaux in seiner Kinematik von 1875 beschrieben hat, mit philosophischen Sätzen identifizieren.
MoMo-Vortrag am 09.11.2003