Simone Mahrenholz

(Wie) Ist eine philosophische Theorie der Kreativität möglich?

 

Wenn sich etwas der Theoretisierung entzieht, so ist es das Phänomen der »Kreativität«: jene (Denk-)Prozesse, die zu unantipierten Problemlösungen führen, bislang unbekannten (theoretischen oder konkreten) Entitäten, überraschenden (Kunst-)Werken. Produkte »kreativen« Handelns sind so definiert, dass sich ihre Herstellung gerade jeglicher Formalisierung entzieht.

Das Projekt einer »Philosophie der Kreativität« trägt seine Unmöglichkeit, seinen internen Widerspruch also bereits in sich. Zugleich beinhaltet ein solches Unterfangen jedoch auch eine positive, fruchtbare Spannung. Denn in der Geschichte des Philosophierens gab und gibt es immer wieder Ansätze, die sich als (Elemente zu einer) Theorie des Kreativen interpretieren lassen.


Morton Feldman, In Search of an Orchestration (1960), Ausschnitt

Der Vortrag ist weniger als das Vorstellen von Ergebnissen konzipiert denn als Präsentation von Überlegungen, Fragen, Denk- und Untersuchungsstrategien zum Thema, als eine Vorlage zu gemeinsamen Überlegungen: a) in welchen Formen in der Geschichte der Philosophie theoretische Reflexionen zum »Kreativen« bereits existieren (ohne diesen, noch jungen, Begriff), b) wo fruchtbare systematische Ansätze dazu liegen. Zu den hier anzusprechenden Themenkomplexen gehören unter anderem »Imagination«, das Verhältnis von Denken und Sprache, von Anschauung und Begriff, von Bewusstsein und Unbewusstem, generell von Übersetzungsfragen, von analog und digital...

Das Motiv dieser Untersuchung liegt weniger darin, einen Modebegriff, der vor allem in ökonomischen Zusammenhängen derzeit massiv funktionalisiert wird, zu beleuchten, als in einem Interesse für die Implikationen, welche Überlegungen zur Kreativität für philosophische Konzepte des »Denkens«, der Erkenntnis, Rationalität, Vernunft, des Körpers der Sprache und der Medien/Zeichen haben.


MoMo-Vortrag am 21.03.2004



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