Pascal Nicklas

Kanon heute

 

Die Diskussion um den literarischen Kanon ist seit etwa dreißig Jahren ein Kampfplatz, auf dem um kulturelle Hegemonie gestritten wird. Nach der ersten Phase des Ikonoklasmus folgte eine Zeit der Besinnnung auf die Klassiker und schließlich die nun aktuelle Phase der Forderung nach Aufnahme in den Kanon von seiten der aus ihm ausgegrenzten sozialen und kulturellen Gruppen. In meinem Vortrag möchte ich zum einen verschiedene Positionen - insbesondere die von Harold Bloom - vorstellen und die verschiedenen Aspekte der Fragestellung deutlich machen. Zum anderen will ich versuchen, im Rückgriff auf Goethes kommunikativen Weltliteraturbegriff, den Kanon als Agon begreiflich zu machen: Der Kampf um den Kanon ist Teil von diesem, er fordert nicht nur zur Auseinandersetzung, sondern auch zu seiner Explizierung heraus. So sinnlos der Ruf nach der Abschaffung des Kanons ist, (denn als implizierter bleibt der Kanon bestehen, da er kulturelle Kommunikation überhaupt erst ermöglicht), so verständlich ist die Forderung nach dessen Umgestaltung: Ob dafür jedoch außerästhetische Kriterien maßgeblich sein können, bleibt zu fragen - und zu diskutieren.


MoMo-Vortrag am 03.02.2002



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