Eberhard Ortland

Ästhetik und Urheberrecht

 

Ästhetik und Urheberrecht sind wechselseitig voneinander abhängig. Die Interdependenz zwischen Ästhetik und Urheberrecht beschränkt sich nicht nicht auf die historischen Umstände der Etablierung dieser beiden Errungenschaften der Moderne im ausgehenden 18. Jahrhundert. Nach wie vor könnten grundlegende Begriffe des Urheberrechts nicht verständlich werden ohne einen wie immer vermittelten Rekurs auf ästhetische Begriffe, während zugleich diese ästhetischen Begriffe - zentral der des autonomen Kunstwerks - und das Interesse, das das moderne Publikum an den Hervorbringungen der schönen Künste nimmt, nicht verständlich würden ohne zumindest einen Vorbegriff der Verhältnisse zwischen Urheber, Werk, durch das Werk dargestelltem Gegenstand oder »geistigem Gehalt« und seinem Publikum, wie sie durch das moderne Urheberrecht in charakteristisch anderer Weise als in vormodernen Kulturen geregelt sind.



Nachdem ich die Interdependenzen zwischen dem Urheberrecht und den Ansprüchen auf ästhetische Autonomie in einem früheren Aufsatz (2004) vor allem im Hinblick auf eine Kritik der aktuellen Tendenzen zur Ausweitung und Verabsolutierung von Urheberrechten verfolgt habe (wobei das Schwergewicht auf der Relevanz ästhetischer Begriffe für die Begründung des Urheberrechts lag), soll in diesem Vortrag gewissermaßen die andere Seite der Interdependenzthese zur Diskussion gestellt werden: Die implizite Ästhetik des Rechts (bzw. die kunsttheoretischen Prämissen und die kunstpraktischen Konsequenzen des geltenden Urheberrechts und der einschlägigen Rechtsprechung) und die Relevanz urheberrechtlicher Institutionen für die üblicherweise auf ihre Autonomie pochende ästhetische Theoriebildung.



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MoMo-Vortrag am 17.04.2005



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