Der Titel evoziert eine Metareflexion über Arten des Denkens und über unterschiedliche begriffliche und diskursive Verfahren in der Philosophie und in anderen kulturwissenschaftlichen Disziplinen und über deren Selbstverständnisse. Spätestens seit der philosophischen Dekonstruktion hat sich ja die Überzeugung breit gemacht, dass die Formen des Sprechens und Schreibens und gegebenenfalls sogar die Buchform die Aussagen mitbestimmen. So will Mille Plateaux von Deleuze und Guattari bereits in der Buchform ein anderes, nicht-binär strukturiertes, nicht-lineares Denken auf »Tausend Ebenen« entfalten, in dem Problemstellungen aus unterschiedlichen Wissensfeldern miteinander resonieren und sich wechselseitig beleuchten. Die Frage der singulären/vielfältigen Autorschaft, der Aufschreibesysteme und der Manifestation des Sprechersubjekts gehört zu dieser metaphilosophischen Reflexion.
Obwohl der Terminus »Gesten« die an das Greifbare und Begriffliche gebundene Natur des Denkens profiliert, wollen wir doch gleichzeitig ein Nachdenken darüber anregen, inwiefern auch mit anders medialen, etwa bildlichen und plastischen Ausdrucksformen gedacht werden kann. Sind nicht gewisse künstlerische Setzungen gerade deshalb schätzenswert, weil sie abweichende, andernorts nicht artikulierbare und unter Umständen unterrepräsentierte Positionen des Denkens realisieren?
Des weiteren erfragt der Terminus »Gesten6laquo; nicht nur die haptische Natur des Denkens, sondern auch deren mitimplizierte Perspektive. Die theoretische Insistenz auf »Gesten« will nicht zuletzt die Frage aufwerfen, inwiefern gedankliche Differenzierungen nur bei Änderung der Perspektive, etwa in Weisen der Nahsicht, als gleichsam tastende und mikroskopische Untersuchung vorgegebener Begriffsraster und Gedankenverbindungen und als deren fortgesetzte Trennung, Unterdifferenzierung und Vervielfältigung möglich wird.
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