Winfried Pauleit

Filmstandbilder zwischen Zusatz, Signatur und Zeichen

 

Filmstandbilder sind eine besondere Art von Bildern. Der Begriff »Filmstandbild« bleibt in Theorie und Praxis unscharf, d.h. es ist nicht eindeutig definiert, was ein Filmstandbild ist. Im weitesten Sinne umfaßt er sowohl Fotografien als auch Stehkader des Films. Folglich läßt sich diese Bildform nur schwer den gängigen Auffassungen in der Gliederung von Bildern und Künsten zuordnen.


Pam Grier in Quentin Tarrantinos Jackie Brown (1997)

Filmstandbilder treten insbesondere an ihrem Ausstellungsort, am Kino, in ein besonderes Verhältnis zu ihren Rezipienten, den Kinogängern. Die Rezeptionssituation ist dabei zweigliedrig, vor dem Film eine andere als nach dem Film. Vor dem Film fungiert das Filmstandbild als eine Art verführender Köder, den man als Kinogänger auch einer betrachtenden Prüfung unterziehen kann. Nach dem Film bildet es eine nostalgische Spur, in der man nicht nur den Film, d.h. sowohl die Schauspieler, als auch die filmischen Figuren wiedererkennt, sondern auch sein eigenes »In-einem-Film-gewesen-sein«.In dieser Hinsicht unterscheidet sich das Filmstandbild von der gewöhnlichen Fotografie.

Filmstandbilder haben seit den 60erJahren auch zeitgenössische bildende Künstler fasziniert und beschäftigt. Richard Hamilton ist 1964 der erste Künstler, der ein Filmstandbild nicht nur in seiner bildnerischen Praxis verarbeitet, sondern der sich gleichzeitig auch theoretisch zu dieser Bildform äußert. Das Filmstandbild, auf das sich Hamilton bezieht, inszeniert bzw. illustriert bezeichnenderweise den »Tod eines Autors«. John Baldessari experimentiert seit Anfang der 70er Jahre mit der Zusammenstellung von Fragmenten von Filmstandbildern, die als »Schreibversuche« in einer Bilderschrift gelesen werden können. Cindy Sherman führt 1977 schließlich auch den Begriff »Filmstandbild« in die bildende Kunst ein. Unter dem Titel »Untitled Film Stills« produziert sie eine Serie von Nachschöpfungen von Filmstandbildern, mit der sie unter anderem die verschiebende Lektüretätigkeit einer Kinogängerin ins Bild setzt.

Interessenten schauen sich bitte auch die Film-Site Nach dem Film an, an der ich beteiligt bin.



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