Siegfried Kracauer hat in seinem Aufsatz »Die Photographie« das Verhältnis von Fotografie und Gedächtnis untersucht: »Die Photographie erfasst das Gegebene als ein räumliches (oder zeitliches) Kontinuum, die Gedächtnisbilder bewahren es, insofern es etwas meint. Da das Gemeinte in dem nur-räumlichen Zusammenhang so wenig aufgeht wie in dem nur-zeitlichen, stehen sie windschief zur photographischen Wiedergabe.«
Was passiert nun, wenn man die Gedächtnisbilder eines Menschen durch Fotografien ersetzt?
Christopher Nolan erzählt in Memento (2000) die Geschichte einer solchen Ersetzung. Der Protagonist Leonard versucht einen partiellen Gedächtnisverlust mit Hilfe von Polaroid-Notizen auszugleichen. Dies führt nicht nur in eine fragmentierte Welt, die von einem Schwindel, einer radikalen Sinnlosigkeit bedroht ist, weil die Geschichte und die Biographie ständig abhanden zu kommen droht. Es führt auch in die Freiheiten eines Spiels, in dem offensichtliche Fakten und Begebenheiten einer ständigen Re-Lektüre und Umdeutung unterzogen werden können.
Interessenten schauen sich bitte auch die Film-Site Nach dem Film an, an der ich beteiligt bin.
MoMo-Vortrag am 07.03.2004