Walter Pfannkuche

Strategien moralischer Begründung

 

Der Vortrag ist mit zwei Fragen befaßt:

1. Gibt es so etwas wie eine dem moralischen Denken eigentümliche Logik?

2. Läßt sich auf der Basis dieser Logik ein bestimmtes Moralprinzip als vorziehenswert ausweisen?

Die Thesen sind:

Ad 1: Eine Logik des moralischen Denkens ist in den Eigenschaften enthalten, die ein Urteil haben muß, um überhaupt als moralisches Urteil gelten zu können. Moralische Urteile unterscheiden sich von den ihnen nahestehenden Urteilen über Konventionen und von Ratschlägen durch die Eigenschaft der Universalität: Mit moralischen Urteilen und den moralischen Emotionen ist ein universaler Geltungsanspruch verbunden.

Ad 2: Mit diesem Anspruch auf universale Gültigkeit ist am plausibelsten, d.h. unter Inanspruchnahme nur schwacher Zusatzprämissen, das Moralprinzip der Optimierung des Wohls verbunden. Dieses erklärt jene Handlungsweisen für richtig, bei denen das danach mögliche niedrigste Niveau des Wohlbefindens so hoch wie möglich ist. Zur Ableitung eines egalitären oder utilitaristischen Prinzips bedarf es dagegen weiterer und strittigerer Annahmen.

Die Ableitung des Optimierungsprinzips erfolgt in drei Schritten:

Schritt 1: Der Anspruch auf universale Gültigkeit impliziert, daß eine moralische Regel als allgemeines Gesetz ohne Widerspruch tauglich sein muß.

Schritt 2: Da die moralischen Subjekte notwendig auf ihre Glückseligkeit bezogen sind, ist eine universale Regel umso mehr als Gesetz für solche Subjekte tauglich, je besser es diesem Bezug universal Rechnung trägt. Deshalb gehört zum korrekten moralischen Denken notwendig ein starker Rollentausch.

Schritt 3: Moralische Subjekte verstehen sich als Zwecke an sich, sie betrachten ihr gutes Leben als einen Endzweck. Eine universale Regel ist umso mehr als Gesetz für solche Subjekte tauglich, je mehr es dieser Selbstzwecklichkeit Rechnung trägt. Das schließt eine Instrumentalisierug der Subjekte für die Maximierung einer Gesamtsumme oder für ein möglichst egalitäres Resultat aus. Am ehesten als universales Gesetz tauglich ist das Prinzip der Optimierung des Wohls. Dies ist deshalb das plausibelste Moralprinzip.


MoMo-Vortrag am 04.03.2001



Home