Angesichts der medial hypertrophierten Papstwahl und des Weltjugendtags im letzten Jahr konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Katholizismus gegenwärtig Sympathiepunkte sammelt - trotz oder vielleicht sogar wegen seiner sprichwörtlichen Reformresistenz. Es scheint evident, dass das katholische Christentum für die postmodernen Zeiten attraktiver ist als seine protestantische Variante.
Ich werde das Phänomen eines »katholischen Spleens« zum Ausgangspunkt nehmen für eine viel weiter gefasste und auch theoretisch zu verstehende Frage: Was verbindet Katholizismus und Postmoderne? Kardinal Ratzinger wird zu Wort kommen, Derrida, Vattimo, Wiener Theologen und ein Herr namens Jean-Luc Marion. Und am Ende dieser Versuchsanordnung, die zwei Erzfeinde zusammenbindet, wird man sehen, ob der Katholizismus nicht eine - recht ungewollte - Nähe zur Postmoderne aufweist.
MoMo-Vortrag am 30.04.2006