Ulrich Johannes Schneider

Michel Foucault
- Eine Philosophie der Transformation

 

Wechsel des Themas, Heranziehung neuen Materials, Neuorientierung der Analyse: Aus dem Zusammenhang der Werkentwicklung gesehen sind das keine Bewegungsformen der Unsicherheit, sondern Ausdrucksformen der Transformation, die Foucault von Anfang an beschäftigte. »Transformation« war ein Lieblingswort von Foucault, man findet es in fast allen seinen Texten, auch wenn es im Deutschen gelegentlich durch die Übersetzung verdeckt wird, die stattdessen »Wandel« bzw. »Veränderung« setzt. Transformation war nie nur Thema, vielmehr durchgängig Problem: Transformation der Ordnungen, der Regelsysteme, der Überzeugungen, der Handlungsweisen. Diese Phänomene haben Foucault nicht nur historisch, sondern auch methodisch beweglich sein lassen, immer auf der Suche danach, »ein anderer« zu werden. In dieser doppelten Bewegung läßt sich fassen, was 1984 ein plötzliches Ende fand: eine Transformationsforschung im methodischen und im reflexiven Sinn.

»Die Philosophie, was ist sie, wenn nicht eine Weise, nicht so sehr über das, was wahr oder falsch ist, zu reflektieren, als über unser Verhältnis zur Wahrheit. Man beklagt sich manchmal, daß es in Frankreich keine herrschende Philosophie gibt. Um so besser. Keine souveräne Philosophie, das stimmt; aber immerhin eine Philosophie oder besser: Philosophie als Aktivität. Denn Philosophie ist eine Bewegung, mit deren Hilfe man sich nicht ohne Anstrengung und Zögern, nicht ohne Träume und Illusionen von dem freimacht, was für wahr gilt, und nach anderen Spielregeln sucht. Philosophie ist jene Verschiebung und Transformation der Denkrahmen, die Modifizierung etablierter Werte und all der Arbeit, die gemacht wird, um anders zu denken, um anderes zu machen und anders zu werden als man ist.«


MoMo-Vortrag am 14.11.2004



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