Was heißt es, ein Vermögen zu »haben«? Wie hat man sich die Existenz- oder Realitätsweise des Vermögens (oder des Möglichen) jenseits seiner Aktualisierungen zu denken? - Im Vortrag wird es darum gehen, im Zuge einer Diskussion der Aristoteles-Interpretationen von Martin Heidegger, Anthony Kenny und Giorgio Agamben diese Fragen wiederaufzunehmen.
Das Interesse gilt dabei der Struktur des Sprachvermögens und insbesondere der Frage nach dem »Zur-Sprache-gekommen-sein« des menschlichen Subjekts. Wenn man davon ausgehen kann, daß ein Subjekt nur in dem Maße über Sprachvermögen »verfügt«, wie es in die sozialen Praktiken des Sprachgebrauchs »initiiert« wurde, dann bedarf es - um die Möglichkeit einer solchen »Initiation« zu denken - der Annahme einer fundamentalen Kapazität, eine solche an sich »erleiden« zu können.
Auf diese Weise führt man den Begriff einer radikalen Passivität ein, der das Schema der Entwicklung zumindest kompliziert, das die Reflexionen über die Ausbildung von Sprachkompetenz dominiert. Diese Idee auf der Ebene einer Befragung des Begriffs des Vermögens zu artikulieren, läuft darauf hinaus, in sprachfähigen Subjekten ein fundamentales Unvermögen zu unterstellen, das sich mit Rekurs auf die literarisch-philosophische Figur der infantia (mit Betonung des etymologischen Sinnes: dem Unvermögen, zu sprechen) modellieren ließe.
MoMo-Vortrag am 07.09.2003