Henry Staten

The Social Form of Will to Power

 

Nietzsche's concept of will to power is a powerful conceptual weapon in the service of his ›revaluation of moral values,‹ dialectically essential for the purpose of countering the self-sacrificial ethos of ›ascetic morality‹. Yet he conceives it in a characteristically nineteenth-century way, failing to clear it of its roots in the uncritical concept of ›nature‹ that is fundamental to nineteenth century vitalisms. Will to power seems to be an intrinsic characteristic of organisms, a sort of life-force that is directly related to biological health.

Yet, in order to be made adequate to poststructuralist conceptions of the subject, the notion of will to power can be translated into the register of the ›social construction‹ of the subject. The crucial importance of Nietzsche's concept of will to power lies not in ›will‹ or ›power‹ as substantial beings of some sort but rather in his account of the logic of combination according to which will to power works itself out. This logic of combination of power-centers with each other perspicuously reflects the patterning of human action that is misrepresented by ascetic morality; but it does so only as an abstract model.

Will to power is not a biological drive nor a psychological motivation; because all human drives are given as socially in-formed from the outset, it is necessary to add the level of social mediation to the account of the functioning of will to power. The great advantage of adding this level of mediation is this: the social forms that structure human drives in the ›social construction‹ of the subject are teleological in nature; they are intrinsically oriented toward optimization of function; and at the level of this intrinsic optimization we can begin to discern the normative component of an ethics of will to power that would not derive from a fictitious ascription of teleology to nature.



MoMo-Lecture, 02.12.2001.



Henry Staten

Die soziale Form des Willens zur Macht

 

Nietzsches Begriff vom Wille zur Macht ist eine mächtige begriffliche Waffe im Dienst seiner Umwertung aller Werte, die dialektisch wesentlich ist für seine Antwort auf den selbstaufopfernden Ethos der asketischen Moral. Doch stellt er sich diese Umwertung in der typischen Weise des neunzehnten Jahrhunderts vor, die es versäumt, sich von ihren Wurzeln im unkritischen Begriff der Natur zu trennen. Diese Wurzeln sind für den Vitalismnus des neunzehnten Jahrhunderts grundlegend. Der Wille zur Macht gibt sich daher als ein inneres Merkmal von Organismen, als eine Art von Lebensgewalt, die sich direkt auf die biologische Gesundheit bezieht.

Folglich kann der Ausdruck Wille zur Macht, um mit poststrukturalistischen Vorstellungen des Subjekts verträglich zu sein, übersetzt werden in den sprachlichen Zusammenhang einer ›sozialen Konstruktion‹ des Subjekts. Die entscheidende Bedeutung von Nietzsches Begriff des Willens zur Macht liegt weder im Begriff des ›Willens‹, noch in jenem der ›Macht‹ als substantiellen Wesen irgendeiner Art, sondern vielmehr in seiner Darstellung einer Logik der Kombination von Macht-Zentren mit einander, derzufolge jener Wille zur Macht sich selbst entfaltet. Diese Logik der Kombination reflektiert mit scharfem Blick die Musterartigkeit menschlichen Handelns, die von asketischer Moral falsch dargestellt wird. Sie tut es jedoch nur in Form eines abstrakten Modells.

Der Wille zur Macht ist weder ein biologischer Antrieb, noch ist er psychologische Motivation. Weil alle menschlichen Antriebe gesellschaftlich von außen in-formierte sind, ist es notwendig, dem Bericht vom Funktionieren des Willens zur Macht die Seite sozialer Vermittlung hinzuzufügen. Der große Vorteil, diesen Aspekt der Vermittlung hinzuzufügen, ist folgender: die sozialen Formen, die jene menschlichen Antriebe in der ›sozialen Konstruktion‹ des Subjekts strukturieren, sind ihrer Natur nach teleologisch. Sie orientieren sich innerlich an einer Optimierung ihrer Funktion; und auf der Ebene dieser inneren Optimierung können wir beginnen, den normativen Bestandteil einer Ethik wahrzunehmen von einem Willen zur Macht, der nicht auf einer fiktiven Zuschreibung von Teleologie zur Natur beruht.


Übersetzung: Wolfgang Sohst


MoMo-Vortrag am 02.12.2001




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