Daß es partikulare Wir-Gruppen gibt, die nicht alle vernunftbegabten Wesen umfaßt, ist eine Trivialität. Wie sich jedoch derartige Gemeinschaften konstituieren und wie sich ihre Grenzen bestimmen lassen, ist ein offenes Problem. Dieses Problem läßt sich in die Frage kleiden: Es gibt Gemeinschaften - wie sind sie möglich? Diese dem Geiste, wenn auch nicht dem Buchstaben nach Kantische Frage, die von etwas Gegebenen ausgeht und mit Hilfe philosophischer Argumente Bedingungen der Möglichkeit des Gegebenen aufzuweisen versucht, ist notorisch unklar. Auf der Basis eines reflektierten Partikularismus, der sich zusammen mit einem hermeneutischen und moralischen Universalismus vertreten lassen soll, möchte ich Ansätze einer Antwort auf diese Frage entwickeln, wobei ich dabei eine Position vertreten werde, die sich als ein prozeduraler Aristotelismus bezeichnen ließe und substantialistischen Gemeinschaftskonzepten ebenso entgegengesetzt ist wie formalistischen.
MoMo-Vortrag am 13.01.2002