Thomas Ebke:All work and no play makes Jack a dull boy.
Entstellte Subjekte und das politische Unbewusste der Globalisierung nach und gegen Fredric Jameson
MoMo-Veranstaltung am 02. September 2012, 20.00 Uhr

All work and no play makes Jake a dull boy:
The Westin Bonaventure Hotel, Los Angeles, California.
Wer heute, 20 Jahre nach dessen Erscheinen, Fredric Jamesons großes Buch Postmodernism, or, the
Cultural Logic of Late Capitalism (1991) zur Hand nimmt, wird ein gewisses Schaudern nicht zurückhalten können:
So hellsichtig und treffend diagnostizierte der Autor schon damals mit der Formel des Spätkapitalismus jene merkwürdig
ekstatische, virtuelle und "alternativlose" Situation, die uns eigentlich erst heute unter dem Namen Globalisierung
in ihren ausgeprägten Zügen vor Augen steht. Jameson markiert den "world space of global multinational capitalism" als
eigentümlich entleerte, in Simulakren geronnene Welt - als einen in sich selber kreisenden Endzustand,
in dem sich die transformierende, Zukunft stiftende Kraft des Geschichtlichen erschöpft zu haben scheint.
Doch inmitten dieser Diagnose sucht Jameson gleichwohl nach einem Weg, um der mächtigen liberalistischen Illusion der
Posthistoire vom Ende der Geschichte nicht zu verfallen. Der neuralgische Punkt seines Ansatzes betrifft, im Rückgriff
auf Lukács und Bloch, die Flankierung der ideologiekritischen Tradition durch eine positive Hermeneutik, die darauf abzielt,
so etwas wie eine symbolische Expressivität des Subjekts herauszuarbeiten - ein Ausdrucksverhalten, das utopische Gehalte,
Projektionen einer herrschaftsfreien communitas, geltend zu machen vermag. Insoweit Jameson auf diese Weise das politische
Unbewusste [the political unconscious] des "spätkapitalistischen" Dispositivs - oder anders: der Globalisierung - freizulegen
versucht, lässt sich seine Variante marxistischer Kritik sinnvoll als eine politische Archäologie adressieren, die für ein
Verständnis unserer heutigen Lebenswelten und kulturellen Selbstrepräsentationen eminent produktiv sein könnte.
Mein Vortrag wird nach der umrissenen zweifachen Ausrichtung von Jamesons Paradigma fragen: Wie verhält sich seine These
von der Aushöhlung genuiner "historicity" zu seinem Anspruch auf eine positive Hermeneutik der symbolischen Expressionen?
Diese Frage konstituiert zugleich eine Art Test, um die Gegenwartsfähigkeit von Jamesons Kategorien etc. ermessen zu können.
Insbesondere mit Blick auf den Folkmusiker Sufjan Stevens und dessen imaginäre Kartierung der USA des frühen 21. Jahrhunderts
(siehe vor allem The BQE, seine multimediale Auseinandersetzung mit dem Brooklyn-Queens-Expressway) werden Grenzen und
mögliche produktive Modifikationen von Jamesons Zugang zur Diskussion gestellt.

Thomas Ebke
ist im
Postdoc am Graduiertenkolleg Lebensformen/Lebenswissen an der Universität Potsdam.
Seine Dissertation zu Helmuth Plessner
und Georges Canguilhem ist gerade erschienen.
Derzeit habilitiert er sich mit der nachhegelschen Realphilosophie im
Rückgriff auf Friedrich Heinrich Jacobi, Jean Hyppolite und Gilles Deleuze.
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