Die Idee des Projekts, dessen ersten Entwurf ich gerne vorstellen möchte, ist, die Figur des Psychophysischen Parallelismus bzw. die Debatte um die Formulierung des Verhältnisses zwischen Psychischem und Physischem, als heiße Zone zu untersuchen, in welcher die Artikulation der Konturen von Wissenschaft überhaupt, bzw. von Naturwissenschaft versus Geisteswissenschaft in dieser Zeit abzustecken versucht wird. In die Debatte sind Physiologen, Neurologen, Psychiater, Psychologen, Philosophen und Literaten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allesamt verwickelt. Von Fechner bis Freud ist die Bezugnahme auf den Psychophysischen Parallelismus gang und gebe. Sie wird aber mit höchst unterschiedlichen Akzenten versehen. Es ginge mir dabei darum, diese Figur nicht, wie dies zumeist geschieht, ideengeschichtlich anzugehen, sondern sie als Symptom einer Diskursumordnung zu begreifen, die sehr konkret mit den neuen experimentellen Praxen - der elektrophysiologischen, reizexperimentellen »Arbeit an den Nerven« - einhergeht. Sie ist ein Einsatz auf der Bühne wissenspolitischer Auseinandersetzungen und es ist höchst aufschlußreich sie als Figur im Sinne des rethorischen Figur-Begriffs zu analysieren, d.h. in ihrer je besonders ausgeführten Metaphorik in Texten verschiedener Autoren.
Mein Projekt zum Psychophysischen Parallelismus ist ein Teil des Projekts »Leonardo-Effekte - Exemplarische Konstellationen aus der Trennungsgeschichte von Natur- und Geisteswissenschaften: 1800 - 1900 - 2000« am Zentrum für Literaturforschung (Berlin).
MoMo-Vortrag am 08.09.2002