Gefühle scheinen das Allerprivateste zu sein und dennoch wird öffentlich über sie gesprochen; sie erscheinen als Besonderes und sind dennoch allgemein; kaum etwas gilt uns als konkreter als unsere Emotionen und dennoch werden sie zum Gegenstand eines abstrakten Diskurses. Selbst am Ort ihrer größten Abstraktion, in philosophischen Affekttheorien, sollen sie sichtbar werden, Theorie erklimmt die Bühne des Theaters.
Zwei Figuren werden dabei immer wieder in besonderem Maße zu philosophischen Repräsentationen von Emotionen: Medea, die ihre Leidenschaften nicht beherrschen kann, und Odysseus, der dazu fähig ist. Beide werden zu Modellen der Affektbeherrschung, sie sind Fleisch gewordene Zivilisationstheorie. Dabei stehen sie von Euripides über Seneca und Corneille bis zu Horkheimer und Adornos Dialektik der Aufklärung in einem je unterschiedlichen Verhältnis zu der Theorie, die sie vertreten.
MoMo-Vortrag am 27.02.2005