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Passion(s) in Culture(s)

Internationale Tagung

vom

11.-14. Dezember 2003

Einstein Forum, Potsdam

Tagung Programm

Abstracts



Mieke Bal

What If? The Language of Affect

»Affekt« ist seit einigen Jahren zu einem häufig gebrauchten Begriff in der Literatur- und Kunstkritik geworden; er ist an die Stelle von Begriffen wie »kulturelles Gedächtnis« oder »Trauma« getreten. Die Beschäftigung mit Affekten kann uns dazu verhelfen, Kunst jenseits der Trennungen von Geist und Körper oder Erkenntnis und Gefühl zu begreifen. Ich werde Affekte auch dann als bedeutsam auffassen, wenn sie im Kunstwerk selbst nicht oder nur in Ansätzen vorkommen. Sie sind vielmehr für den Leser oder den Betrachter die Voraussetzung, um überhaupt zu beginnen, das Werk zu verstehen. »Close reading«, jene Praxis genauer Aufmerksamkeit, die am Beginn der Interpretation steht, ist selbst eine affektive Anteilnahme. Diese Anteilnahme eröffnet einen Zugang zu etwas, das sonst fast unergründlich erscheint.

Das lässt sich gut an Eija-Liisa Ahtilas Videoinstallation The House zeigen und analysieren, einem Werk, dessen Erzählerin uns ihre psychotischen Wahnvorstellungen zu schildern scheint. Sie tut dies jedoch, ohne dass eine psychische, affektive Aufgeregtheit sichtbar würde. Meine These ist, dass die Abwesenheit des Affekts im Film, verbunden mit der notwendigen affektiven Anteilnahme des Zuschauers, den Schlüssel dazu liefert, um dieses Werk als etwas zu verstehen, was am psychotischen Gemüt modelliert, nicht aber darin positioniert ist. Letzteres wird somit zu einem hoch effektiven kulturellen Modus der Wahrnehmung.

Mieke Bal ist Professorin für Literaturtheorie an der Amsterdam School for Cultural Analysis (ASCA), A.D. White-Professor-at-Large an der Cornell University. Gründungsdirektorin der ASCA. Eine Auswahl wichtiger Arbeiten ist vor kurzem unter dem Titel Kulturanalyse im Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M., auf Deutsch erschienen.

Weitere Veröffentlichungen u.a.:

* Narratology (1985/1997)

* Reading Rembrandt (1991)

* Double Exposures. The Subject of Cultural Analysis (1996)

* Quoting Carravaggio. Contemporary Art, Preposterous History (1999)



Jack Barbalet

From Passions to Emotions, From Emotions to Feelings: Transitions in Early Modern and Late Modern Affective Cultures.

Der Vortrag vergleicht zwei bedeutende Transformationen in den Gefühlskulturen. Im frühneuzeitlichen Europa waren Leidenschaften schädlich für die Vernunft und zerstörerisch für die Moral. Im 18. Jahrhundert wurden Emotionen jedoch als Grundlage der Tugend verteidigt. Diese frühe Zähmung der Leidenschaften, ihre Verwandlung in Emotionen von Erasmus bis zu Adam Smith soll nachvollzogen und ihr sozialer und kultureller Hintergrund herausgearbeitet werden.

Im 19. Jahrhundert verdächtigte man Emotionen, Symptome von Schwächen aller Art zu sein, gegen Ende des 20. Jahrhunderts waren sie zu blasierter coolness oder zu einem bloßen Ausdruck der Begierde verkümmert. Der Verlauf und die Ursachen dieser Auflösung von Emotionen in Gefühle in der Spätmoderne werden beschrieben, um schließlich die Transformationen in der frühen Neuzeit und in der Spätmoderne miteinander zu vergleichen und Schlüsse über die Natur von Gefühlskulturen zu ziehen.

Jack Barbalet ist Professor of Sociology an der University of Leicester. Geboren in Australien. Zahlreiche Veröffentlichungen zu theoretischen und methodologischen Fragen der Soziologie, zur politischen Soziologie und zur Theorie der Gefühle.

Ausgewählte Publikationen:

* Emotion, Social Theory and Social Structure. A Macrosociological Approach, Cambridge 2001

* Emotion and Sociology, Oxford 2002



Stephen Greenblatt

The Death of Hamnet and the Making of Hamlet

Shakespeares einziger Sohn Hamnet starb 1596 im Alter von elf Jahren. Es ist oft bemerkt worden, dass dieser Tod offenbar wenig oder keine Wirkung auf den Dramatiker Shakespeare hatte, der in den folgenden Jahren einige seiner heitersten Komödien schrieb. Meine These ist jedoch, dass es in seinen Werken Beweise gibt für eine starke Reaktion, die zwar verzögert und halb verborgen, aber deswegen nicht weniger tiefgreifend, weitreichend und leidenschaftlich ist. Mein Hauptbeispiel wird der »Hamlet« von 1601 sein – der Anklang im Namen kommt nicht von ungefähr – aber ich werde außerdem kurz einige andere Dramen diskutieren, darunter »King Lear« und »Othello«.

Stephen Greenblatt, geboren 1943, studierte in Yale, wo er 1969 promovierte. Fulbright Stipendiat in Cambridge. 1969-1997 Professor am Department of English der University of California, Berkeley. Seitdem Cogan University Professor an der Harvard University. Zahlreiche Gastprofessuren, u.a. in Oxford, Paris, Harvard und Florenz. Gründer der Zeitschrift Representations, Herausgeber von The Norton Shakespeare und Mitherausgeber von The Norton Anthology of English Literature.

Ausgewählte Publikationen:

* Learning to Curse: Essays in Early Modern Culture, New York 1990.

* Renaissance Self-Fashioning. From More to Shakespeare, Chicago 1993.

* Shakespearean Negotiations. The Circulation of Social Energy in Renaissance England, Oxford UP 1997.

* Marvelous Possessions: The Wonder of the New World, Oxford 1992.

* Hamlet in Purgatory, Princeton 2001.



Valentin Groebner

Compassion: A Feeling for Images

Compassio oder compassion ist ein Gefühl zweiter Ordnung: Mit-Empfindung für die Leiden Anderer. Kurz gesagt, beim Mitleid zeigen wir den Schmerz, den wir nicht haben. Das ist ein Darstellungsproblem. Was erzeugt dieses Mitleid? Und wie wird es artikuliert – und für wen?

Denn wie die meisten anderen Passionen kommt auch das Mitleid nicht ohne Publikum aus, vor und für dessen Blick gefühlt bzw. mitgefühlt und darüber berichtet wird (denn sonst wüssten wir nichts davon). Die Passion der compassio muss ihre Unmittelbarkeit stets neu beweisen. Das Objekt des Mitleids soll ganz nahe herangeholt werden, für den Fühlende ebenso wie für sein Publikum.
Das geschieht seit dem Hochmittelalter vor allem mit Hilfe von Bildern. In Europa ist das Bild des gefolterten nackten Mannes am Kreuz zur Bildformel der compassio schlechthin geworden. Um einige Aspekte der Passionen rund um die Passion soll es gehen; unter anderem darum, was Christusbilder des 15. und 16. Jahrhunderts mit nackten blutigen Männerkörpern in Fotographien und Filmen der Gegenwart zu tun haben.

Valentin Groebner lehrt Geschichtswissenschaft an der Universität Basel. Geboren 1962; er studierte Geschichte, Soziologie und Volkskunde in Wien, Marburg und Hamburg; 1991 Promotion in Bielefeld; 1998 Habilitation an der Universität Basel. 1991-1999 Wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität Basel; 1996/97 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin; 1999 Jean-Monnet-Fellow des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz; 2000 Visiting Associate Professor am Department of History of Art der Harvard University; 2001/02 Lehrstuhlvertretung für Geschichte des Mittelalters an der Universität Luzern; ab Frühjahr 2004 Professor für Allgemeine und Schweizer Geschichte des Mittelalters an der Universität Luzern.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

* Ökonomie ohne Haus. Zum Wirtschaften der Armen in Nürnberg am Ende des 15. Jahrhunderts, Göttingen 1993

* Gefährliche Geschenke. Korruption und politische Sprache am Oberrhein und in der Eidgenossenschaft am Beginn der Neuzeit, Konstanz 2000

* Ungestalt. Identifikation und die visuelle Kultur der Gewalt am Ende des Mittelalters, München 2003.



Thomas Hauschild

Passions and Politics

Anthropologische Theorien über die Beziehung zwischen Kultur und Gefühl kreisten im 19. und 20. Jahrhundert oft, aber nicht immer um eine angenommene Kluft zwischen »Wilden« und »zivilisierten« Menschen: Evolutionstheoretische Konzepte, ethnopsychologische Argumente, Tönnies´ Soziologie, Freuds Triebtheorie und Lévy-Bruhls einflussreiches »Gesetz der Teilhabe« – all diese Ansätze waren auf die Idee gegründet, dass »Wilde« über den gleichen Gefühlsapparat verfügen könnten wie zivilisierte Menschen, dass aber ihre Hemmungen schwächer sind, ihre Triebe leicht hervorbrechen und stets ein gewalttätiger Ausbruch drohen kann. Der Rassismus machte dies in Richtung auf eine Essentialisierung der Kluft selbst geltend. In einer breiten Welle postkolonialer Kritik, ursprünglich von der surrealistischen Bewegung und von Anthropologen, die die Relativitätstheorie reflektierten, initiiert, wurden all diese Ansätze als essentialistisch und primitivistisch verworfen. Lange vor Foucault reduzierte in der Anthropologie jene Denkweise, die jeden kulturellen Zug in Form einer »Politik von...« erklärte, jeden Gefühlsausdruck auf eine kulturgebundene Ausübung von Macht. Die postkoloniale anthropologische Kritik und die anthropologische Debatte um Writing Culture wirkten tief auf dekonstruktivistische und performative Ansätze in anderen Humanwissenschaften ein, halfen eine postmoderne Begrifflichkeit für Emotionen zu bilden, die diese als Inszenierung und Artikulation versteht. Das Selbst und die Gefühle werden nicht länger als etwas Essentielles im Evolutionsprozess verstanden, sondern als umstellt und produziert durch spezifische Phasen in der Entwicklung der Produktion von Selbst und Gesellschaft – das heißt als Politik. Doch seltsamerweise provoziert eben jener Kulturrelativismus, zurückübertragen auf die Anthropologie, innerhalb unserer eigenen Disziplin unaufhörlich ein Dilemma: Wir schließen uns bereitwillig der heute geläufigen Kritik am Essentialismus an, aber zugleich finden wir die Idee inakzeptabel, dass die westlichen Kulturen historisch neue Entwicklungen waren, die einen Typ reflexiven Denkens hervorbrachten, den man in keiner anderen menschlichen Tradition finden kann. Diese Idee würde uns automatisch auf das Bild des Primitiven oder Wilden zurückführen. Dies ist meines Erachtens der Grund, warum die extrem ethnozentrische und christozentrische Idee der »passio«, die die Art und Weise benennt, in der heutzutage in der westlichen Gesellschaft Gefühle fixiert und ausgedrückt werden, in der Anthropologie paradoxerweise eine optimale Grundlage der Interpretation, des Vergleichs und des Dialogs produziert, insofern sie auf nicht-westliche Kulturen ausgeweitet wird, wie es beispielsweise die Warburg-Schule und andere mehr oder weniger vergessene Traditionen des Denkens zu tun versuchten.

Thomas Hauschild, geboren 1955, studierte Völkerkunde, Deutsche Altertums- und Volkskunde, Psychologie und Evangelische Theologie an der Universität Hamburg; Promotion 1980 in Hamburg; Habilitation in Völkerkunde 1990 in Köln. 1988-1992 Wissenschaftlicher Assistent im Institut für Völkerkunde der Universität Köln; seit 1992 Professor für Völkerkunde am Institut für Ethnologie der Eberhard Karls Universität Tübingen. Gastprofessuren u.a. in Hamburg, Heidelberg, Neapel und Rom.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

* Der böse Blick. Ideengeschichtliche und sozialpsychologische Untersuchungen, Hamburg 1979

* (mit H. Staschen und R. Troschke) Hexen. Katalog zur Sonderausstellung im Hamburgischen Museum für Völkerkunde, Hamburg 1979

* (Mitautor) Die alten und die neuen Hexen. Die Geschichte der Frauen auf der Grenze, München 1987

* (Hg.) Lebenslust und Fremdenfurcht. Ethnologie im Dritten Reich, Frankfurt/M. 1995

* Magie und Macht in Italien, Gifkendorf 2002



Klaus Herding

Severed Heads. The Medusa Myth and its Displacement in Modern Society

Klaus Herding ist Professor für europäische Kunstgeschichte, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/M. Geb. 1939 in München. Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie; Promotion 1968 in Münster, Habilitation 1977 in Hamburg. Von 1968-1971 Direktorialassistent an den Staatlichen Museen Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, 1971-1974 Wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Berlin, 1974 Assistenz-Professor an der Freien Universität Berlin, 1975-1993 Professor für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg. Begründer und Sprecher des Frankfurter Graduiertenkollegs »Psychische Energien bildender Kunst« seit 1995. Mitdirektor des Instituts zur Erforschung der frühen Neuzeit, Frankfurt/M. Begründung und langjährige Herausgabe der Reihe »kunststück« im S. Fischer Verlag (insges. 103 Bände).

Ausgewählte Publikationen:

* Im Zeichen der Aufklärung, Frankfurt/M. 1989.

* Die Bildpublizistik der Französischen Revolution, Frankfurt/M. 1989 (m. R. Reichardt).

* Courbet. To Venture Independence, New Haven, London 1991.

* Pablo Picasso: Les Demoiselles d’Avignon, Frankfurt/M. 1992.

* Freuds Leonardo. Eine Auseinandersetzung mit psychoanalytischen Theorien der Gegenwart, München 1998.



Axel Honneth

Culture and Emotion. A Comment on Eva Illouz

Axel Honneth ist Professor für Sozialphilosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M. Geboren 1949; 1969-76 Studium der Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn, Bochum und Berlin; 1990 Habilitation in Frankfurt/M.; 1977-82 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin; 1982-83 Forschungsstipendiat am Max-Planck-Institut für Sozialwissenschaften, München; 1983-86 Hochschulassistent am Fachbereich Philosophie der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/M.; 1989/90 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin; 1991 Professor für Philosophie an der Universität Konstanz; 1992-95 Professor für politische Philosophie an der Freien Universität Berlin; 1995-96 Theodor-Heuss-Gastprofessur an der New School, New York, USA; seit 1996 Professor für Sozialphilosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M.; Mitglied des Kollegiums des Instituts für Sozialforschung; seit April 2001 Geschäftsführender Direktor des Instituts für Sozialforschung.

Ausgewählte Publikationen:

* Kritik der Macht. Reflexionsstufen einer kritischen Gesellschaftstheorie, Frankfurt/M. 1985.

* Die zerrissene Welt des Sozialen. Sozialphilosophische Aufsätze, Frankfurt/M. 1990.

* Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, Frankfurt/M. 1992.

* Das Andere der Gerechtigkeit. Aufsätze zur praktischen Philosophie, Frankfurt/M. 2000.

* Leiden an Unbestimmtheit. Eine Reaktualisierung der Hegelschen Rechtsphilosophie, Stuttgart 2001.

* Unsichtbarkeit. Stationen einer Theorie der Intersubjektivität, Frankfurt/M. 2003.



Eva Illouz

The Stability of Volatility: Imagination, Emotion, and Consumption

Konsum beruht auf einem Paradox. Er übt eine beträchtliche Macht aus, denn er kurbelt die Produktion an, er lockt die Arbeiter in die Arena des Kapitalismus, gibt dem Wohlfahrtsstaat seine Legitimation, erzeugt Wohlstand und Vollbeschäftigung, organisiert Lifestyle-Gruppen, transformiert die Kultur, und dennoch: Diese Kraft speist sich aus dem Begehren der Verbraucher, Wünschen, die wie Sanddünen ständig in Bewegung sind. Das Paradox ruht im Herzen der Konsumkultur. Das Verständnis dieser Dynamik ist eine der wichtigsten Aufgaben der Soziologie des Konsums.

Vor allem der scheinbare Widerspruch zwischen der Unbeständigkeit und Flüchtigkeit der Konsumentenwünsche und der außerordentlich soliden ökonomischen Verfassung des Konsumsphäre bedarf der Erklärung. Die beiden Aspekte sind aber keineswegs widersprüchlich, sie sind vielmehr eng miteinander verzahnt. Ich behaupte, dass dieses scheinbare Paradox – »die Beständigkeit des Flüchtigen« – sich auflöst, wenn man die emotionale Dynamik des Konsums untersucht. Gefühle sind ein wesentlicher, wenn auch nicht anerkannter Bestandteil der Dynamik des Konsums und konstituieren den selbsterhaltenden Mechanismus des sich ständig bewegenden kulturellen Sands des Konsums.

Der Vortrag hat zwei Anliegen: Zum einen soll er zeigen, dass der Begriff »Emotion« einen großen Beitrag zu unserem Verständnis des Konsums beitragen kann. Das Ziel ist es dabei nicht nur zu zeigen, dass der Terminus »Emotion« erkenntnisreich sein kann für eine Soziologie des Konsums, sondern auch, dass diese Soziologie sich unbewusst schon seit langem mit Gefühlen beschäftigt hat. Indem ich diese analytische Kategorie herausarbeite, hoffe ich zeigen zu können, dass die Konsumsoziologie auch eine Soziologie der Emotionen ist. Das zweite Ziel des Vortrags ist es, einige vorläufige Thesen zum Problem der Beständigkeit des Flüchtigen anzubieten, jenes Problems, das im Herzen des Konsums ist, und zu zeigen, dass die Kategorie »Emotion«, auch wenn sie das Problem nicht lösen kann, so doch wenigstens einige nützliche Wege aufzeigen kann, um zu beginnen, über das Problem nachzudenken.

Eva Illouz ist Senior Lecturer of Sociology an der Hebrew University of Jerusalem. Sie studierte in Paris, Jerusalem und Philadelphia. Promotion an The Annenberg School of Communication.

Ausgewählte Publikationen:

* Consuming the Romantic Utopia. Love and the Cultural Contradictions of Capitalism, Berkeley 1997 (Deutsch als: Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus, Frankfurt/M. 2003).

* Oprah Winfrey and the Glamour of Misery, New York 2003.



Christa Maerker

The Roth Explosion. Confessions of a Writer

Philip Roth ist ein Autor, der manche seiner Protagonisten in autobiographischen Romanen autobiographische Romane schreiben lässt (so z.B. in der Zuckerman-Trilogie), ein Schriftsteller, der tarnt, verändert, verkleidet. Seine Protagonisten sind getrieben von Schuldgefühlen, beherrscht von großem Ernst und tiefer Trauer und doch zeichnen sich seine Bücher oft durch wahnwitzige Komik aus. Roth selbst aber lebt zurückgezogen in Connecticut und tritt eigentlich nie vor der Kamera auf. Christa Maerker ist es 1998 gelungen, ihn zu einem filmischen Porträt zu überreden. Dafür hat Roth fünf seiner Bücher ausgewählt; er spricht über seine Kindheit in Newark, an der Küste New Jerseys und über seine Bücher, in denen diese Erfahrungen verarbeitet werden.

Christa Maerker, geboren in Berlin, war von 1962-1966 Volontärin, Kritikerin und Ressortleiterin des Spandauer Volksblatts. Anschließend freie Publizistin für den Rundfunk (Kritikerin bei der ARD, Essayistin und Autorin für 60s-Features, Porträts und Reportagen) und für verschiedene Zeitungen (Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, Weltwoche, FAZ). Seit 1974: 45 Dokumentarfilme für die ARD und das ZDF, vor allem zu Themen aus dem Bereich des Films und der Literatur. Mitarbeiterin der Filmreihe und der Jahrbücher im Hanser-Verlag sowie der »Paare«-Reihe bei Rowohlt, Berlin. Drehbuchautorin (z.B. Die Schweizermacher), Hörspielautorin. 1976-1982 Mitglied der Kommission des Kuratoriums Junger Deutscher Film; 1979-1986 Vorstandsmitglied der AG der Filmjournalisten. 1990-1993 Auswahlkommission des BMI und der Berliner Filmförderung. Seit 1979 Mitarbeit bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin.



William Ian Miller

Fake Emotion. Remorse and Rituals of Apology

Alle Gefühle können irgendwie nachgeahmt und vorgetäuscht werden. Reue ist ein Gefühl, das sehr leicht nachzuahmen und – wenn es echt ist – nahezu unmöglich als solch ein authentisches zu erkennen ist. Dieser Vortrag wird zeigen, wie die bloße Möglichkeit, dass Reue lediglich vorgetäuscht wird, unsere Entschuldigungsrituale prägt und tatsächlich das Motiv dafür ist, Ritualen der Entschuldigung eine sichtbare und oft schmerzhafte Form geben zu müssen.

William Ian Miller ist Thomas G. Long Professor of Law an der University of Michigan. Promotion in Anglistik und J.D. an der Yale University. 1985-1998 Professor of Law, University of Michigan. Seit 1998 Thomas G. Long Professor of Law, University of Michigan. Gastprofessuren in Yale, Chicago, Bergen/Norwegen, Harvard und Tel Aviv. Beschäftigung mit dem Phänomen der Blutfehde, z.B. in der nordischen Mythologie. In den letzten Jahren Arbeiten über den Begriff des Gefühls in gesellschaftlichen und moralischen Kontexten, und über den Begriff des Muts.

Ausgewählte Publikationen:

* Bloodtaking and Peacemaking. Feud, Law, and Society in Saga Iceland, Chicago 1990.

* Humiliation. And Other Essays on Honor, Social Discomfort, and Violence, Ithaca 1993.

* The Anatomy of Disgust, Cambridge, Mass. 1997.

* The Mystery of Courage, Cambridge, Mass. 2000.

* Faking It, Cambridge, Mass. 2003.



Martha Nussbaum

Shame in Public Life. Protecting the Vulnerable

Scham ist ein allgegenwärtiges Gefühl im gesellschaftlichen Leben. Alle Gesellschaften rufen bei denjenigen Menschen Scham hervor, die als nicht »normal«, als von den anderen verschieden angesehen werden. Heute gibt es zwei verschiedene Meinungen darüber, welche Rolle die Scham in der Rechtsprechung und in der Politik spielen sollte. Folgt man der einen, so sollten alle Bürger vor der Scham geschützt werden, und das Recht sollte niemals an der Zufügung von Scham teilhaben. Der anderen Sichtweise zufolge ist die Gesellschaft genau darum in Schwierigkeiten, weil wir unser kollektives Schamgefühl verloren haben. Deswegen sollte das Gesetz Möglichkeiten suchen, Menschen zu entehren und zu beschämen, um die Grenzen der moralischen Gemeinschaft wiederherzustellen. Ich werde die erste Sichtweise verteidigen und die zweite kritisieren. Dennoch glaube ich, dass eine sorgfältige Untersuchung der Struktur dieses Gefühls und seiner Entwicklung in der Kindheit uns Argumente liefert, die in dieser Debatte besser zu gebrauchen sind.

Martha Nussbaum ist Ernst Freund Professor of Law and Ethics, University of Chicago Law School. Promotion in Harvard 1975. Professuren in Harvard, Brown und Oxford. 1986-1993 Wissenschaftliche Beraterin am World Institute for Development Economic Research, Helsinki. 1999-2000 eine der drei Vorsitzenden der American Philosophical Association. Mitglied des Council of the American Academy of Arts and Sciences und des Board of the American Council of Learned Societies.

Ausgewählte Publikationen:

* Aristotle’s De Motu Animalium, Princeton 1986.

* The Fragility of Goodness. Luck and Ethics in Greek Tragedy and Philosophy, Cambridge 2001.

* Love’s Knowledge, Oxford 1992.

* Cultivating Humanity. A Classical Defense of Reform in Liberal Education, Cambridge, Mass. 1997.

* Sex and Social Justice, Oxford 2000.

* Upheavals of Thought. The Intelligence of Emotions, Cambridge 2003.



Robert Solomon

Emotional Experience and Artistic Expression

Der Vortrag untersucht die Verbindung zwischen dem natürlichen und dem künstlerischen Ausdruck von Gefühlen. Allerdings ist die Verbindung zwischen einem Gefühl und seinem Ausdruck bereits ein wenig mysteriös, wenn man unterstellt, dass Gefühle im Wesentlichen eine Art der Erfahrung sind. Dann gibt es nämlich zwischen dem natürlichen und dem künstlerischen Ausdruck von Gefühlen eine Kluft. Was aber gilt als Ausdruck von Gefühlen? Viele Psychologen und einige Philosophen würden darauf insistieren, dass es dabei nur um den natürlichen Ausdruck von Gefühlen geht und dass der »künstlerische Ausdruck von Gefühlen« lediglich ein entlehnter oder sekundärer und möglicherweise sehr irreführender Begriff von »Ausdruck« ist. Ich schlage vor, unser Verständnis dessen, was »Ausdruck« ist, beträchtlich zu erweitern, um unsere völlig vernünftigen Intuitionen, dass Kunstwerke in der Tat Gefühle ausdrücken, mit darunter zu begreifen. Ich versuche auch zu verstehen, wie Veränderungen im Ausdruck von Gefühlen zu Veränderungen in den Gefühlen selbst führen können.

Robert Solomon ist Quincy Lee Centennial Professor of Philosophy an der University of Texas, Austin. Er studierte zunächst Molekularbiologie an der University of Pennsylvania (1963 undergraduate degree). 1965 MA, 1967 Promotion in Philosophie und Psychologie an der University of Michigan. Lehrtätigkeit in Princeton und an der University of Pittsburgh, 1972 Wechsel an die University of Texas. Gastprofessuren an der University of Pennsylvania, University of Auckland, New Zealand, Harvard University und Mount Holyoke College.

Ausgewählte Publikationen:

* The Passions. Emotions and the Meaning of Life, Garden City, NY 1976 (dt. Gefühle und der Sinn des Lebens, Frankfurt/M.2000)

* Love. Emotion, Myth, and Metaphor; Garden City, NY 1981

* About Love. Reinventing Romance for Our Times, New York 1988

* Not Passion’s Slave. Emotions and Choice, Oxford 2002

* The Philosophy of (Erotic) Love, Lawrence, Kan 1991

* In the Spirit of Hegel, Oxford 1983

* From Hegel to Existentialism, Oxford 1987

* Continental Philosophy Since 1750, Oxford 1988.

* (mit K.M. Higgins) What Nietzsche Really Said, 2000



Rüdiger Zill

Medea vs. Odysseus. Models of Emotion

Gefühle scheinen das Allerprivateste zu sein und dennoch wird öffentlich über sie gesprochen; sie erscheinen als Besonderes und sind dennoch allgemein; kaum etwas gilt uns als konkreter als unsere Emotionen und dennoch werden sie zum Gegenstand eines abstrakten Diskurses. Selbst am Ort ihrer größten Abstraktion, in philosophischen Affekttheorien, sollen sie sichtbar werden, Theorie erklimmt die Bühne des Theaters. Zwei Figuren werden dabei immer wieder in besonderem Maße zu philosophischen Repräsentationen von Emotionen: Medea, die ihre Leidenschaften nicht beherrschen kann, und Odysseus, der dazu fähig ist. Beide werden zu Modellen der Affektbeherrschung, sie sind Fleisch gewordene Zivilisationstheorie. Dabei stehen sie von Euripides über Seneca und Corneille bis zu Horkheimer und Adornos Dialektik der Aufklärung in einem je unterschiedlichen Verhältnis zu der Theorie, die sie vertreten.

Rüdiger Zill, geboren 1958, studierte Philosophie, Geschichte und Soziologie in Berlin und London. 1994 Promotion in Berlin mit der Arbeit Meßkünstler und Rossebändiger. Zur Funktion von Modellen und Metaphern in philosophischen Affekttheorien. 1994-1997 Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Technischen Universität Dresden. Seit 1997 Wissenschaftlicher Referent am Einstein Forum, Potsdam. Neuere Publikationen u.a.: Hinter den Spiegeln. Zur Philosophie Richard Rortys, Frankfurt/M. 2001 (Mit-Hg.); zahlreiche Veröffentlichungen zu Ästhetik, Kulturtheorie und zur Geschichte des Wissens; Mitherausgeber der Reihe Erbschaft unserer Zeit in der edition suhrkamp.



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