Rüdiger Zill

Ein Laboratorium der Sprache.
Das Tagebuch als philosophische Form

 

In der letzten Zeit gab es immer wieder Überlegungen, die sich mit der Frage beschäftigt haben, wie der Unterschied zwischen Philosophie und Literatur genau zu bestimmen sei. Ein Kriterium für diesen Unterschied ist die Sprache. So ist behauptet worden, dass der literarische Schriftsteller um des Schreibens selbst willen schreibe, in der Philosophie hingegen das Argument im Vordergrund stehe. In meinem Vortrag will ich gegen diese These am Beispiel von Günther Anders zeigen, dass auch in der Philosophie das Experiment mit der Sprache ein Motor des Denkens sein kann, Sprache also als ein Laboratorium des Gedankens fungiert.

Diese Laboratoriumsmetapher grenzt sich nach zwei Seiten hin ab:

Sprache ist ein experimentelles Mittel der Philosophie auf verschiedenen Ebenen des Stils: auf der des Begriffs, auf der rhetorischer Wendungen, aber auch auf der der literarischen Form. Die bekannteste Auseinandersetzung mit der Funktion literarischer Genres für die Philosophie ist Adornos »Der Essay als Form«. Wenn man aber Sprache als Laboratorium versteht, ist eine Form zentral, die auf den ersten Blick marginal anmutet: das Tagebuch.


MoMo-Vortrag am 04.05.2003




Home