Akrasia und Unvermögen. Zur Struktur rationaler Handlungsfähigkeit

Datum: -

Ort: (Diese Veranstaltung fand in privaten Räumen eines MoMo-Mitglieds statt.)

Der Begriff des Unvermögens wird gemeinhin als Privation verstanden: Er beschreibt ein mangelhaftes Können, das Fehlleistungen oder irrationales Handeln erklären kann. Diese Auffassung setzt voraus, dass die Vorstellung eines Unvermögens ein abgeleiteter Begriff ist, der auf den vollen Begriff eines Vermögens verwiesen bleibt. Der volle Begriff eines Vermögens wird dabei durch diejenigen Akte bestimmt, in denen es sich auf erfolgreiche Weise aktualisiert.

Dirk Setton: Medea

Im Zuge einer Kritik an diesem gelingensfixierten Verständnis rationalen Könnens soll gezeigt werden, dass menschliche Vermögen wesentlich Un-Vermögen sind, dass sie ein Un-Vermögen in einem spezifischen Sinne enthalten (und sogar voraussetzen). Die darin formulierte Idee eines Un-Vermögens bezieht sich, im Gegensatz zum privativ verstandenen Unvermögen, auf ein konstitutives Strukturmoment unseres rationalen Könnens. Sie bringt die Intuition zum Ausdruck, dass unser Können in dem Maße eine »problematische« Struktur besitzt, wie es sich nicht bloß in erfolgreichen Akten manifestiert: Fehlgehende oder irrationale Vollzüge sind nicht minder Aktualisierungen unseres vernünftigen Fähigseins. Diese Idee soll in zwei Schritten skizziert werden: In einem ersten Schritt geht es darum, diejenige Strukturbestimmung rationaler Vermögen herauszustellen, die für die Idee des Un-Vermögens von zentraler Bedeutung ist: Rationale Vermögen sind wesentlich Vermögen zu Gegenteiligem. Der zweite Schritt gilt dem Versuch, diese Bestimmung im Zuge einer Re-Interpretation des Phänomens der Akrasia (»Unbeherrschtheit«, »Willensschwäche«:) auszuarbeiten. Das Handeln wider besseres Wissen zeugt auf exemplarische Weise von einem rationalen Un-Vermögen: Ein rationales Vermögen zu haben bedeutet, das eigene Vermögen mit und gegen es selbst verwirklichen zu können.

(Ein Vortrag von Dirk Setton.)

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