Grenze und Norm. Lebendiges Wissen vom Leben bei Helmuth Plessner und Georges Canguilhem

Datum: -

Ort: (Diese Veranstaltung fand in den privaten Räumen eines MoMo-Mitglieds statt.)

Ein Vortrag von Thomas Ebke.

Eine gegenwärtige philosophische Kritik der Lebenswissenschaften kommt kaum an den Namen und den Werken von Helmuth Plessner (1892-1985) und Georges Canguilhem (1905-1995) vorbei. In ihren jeweiligen nationalen Traditionen gelten diese beiden Autoren als Denker, die dem Begriff des Lebens einen eminenten Platz eingeräumt, zugleich aber vitalistische Erbschaften (Bergson, Driesch) überwunden haben.

Ebke Vortrag über Plessner

Umso frappierender ist die Tatsache, dass Plessner und Canguilhem einander nicht kannten: Der Vergleich ihrer Konzeptionen setzt daher an einer radikalen Leerstelle an. Tatsächlich wird in der Forschung Plessners Theorieform, die Philosophische Anthropologie, als eine spezifisch deutsche Entwicklung, und Canguilhems Ansatz, die Historische Epistemologie der Biowissenschaften, als exklusiv französische Affaire betrachtet. So entsteht eine bedauerliche gegenseitige Ignoranz der betreffenden scientific communities, auf die kritisch mit einer vergleichenden Lektüre reagiert werden muss.

Vortrag Thomas Ebke über Canguilhem

Der Vortrag konstruiert eine Perspektive, unter der die heterogenen Unternehmungen Plessners und Canguilhems vergleichbar werden. Mit sehr verschiedenen Mitteln und aus ganz ungleichartigen Gründen bringen beide Autoren – so die Hauptthese – die Struktur eines lebendigen Wissens des Lebens zur Entfaltung. Diese gemeinsame Bezeichnung für zwei gegeneinander versetzte Projekte bereitet die Bühne für eine Reihe von Paradigmen, an denen Plessner und Canguilhem unabhängig voneinander interessiert waren. Dabei steht nicht zuletzt das schwierige Verhältnis zwischen Mensch und Leben im Blick, das von beiden als eine Dynamik von Immanenz und Bruch, Vollzug und Überschreitung gefasst wird.

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