John McDowell – Eine Verteidigung des moralischen Realismus

Datum: -

Ort: "Licht & Musik", Merseburger Str. 3, 10823 Berlin (Hof, EG links)

John McDowell verbindet Welten
John McDowell verbindet Welten

Die Annahme eines moralischen Realismus wird leicht in Zusammenhang gebracht mit einer normativen Dimension des Ethischen. Es scheint um die Frage zu gehen, was moralisch gut ist und was nicht; was zu tun ist, und was nicht. Die daraus resultierenden, in sich im höchsten Maße konsistenten Theorien, verlieren ihre Schlagkraft allerdings durch das systemimmanente Problem der Unbegründbarkeit außerhalb ihrer selbst. Versucht man, den moralischen Realismus deskriptiv zu fundieren, stellt sich sofort die nackte Empirie in den Weg. Überall, so scheint es, herrschen unterschiedliche Wertvorstellungen, mit denen unterschiedliche moralische Implikationen einhergehen. Dass – nur um die größten Vertreter dieser Einwände zu nennen – wertrelativistische und  antirealistische Positionen selbst mit großen Problemen der Begründbarkeit konfrontiert sind, wird vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Zeitgeschehens, unter dem Deckmantel eines „pragmatischen“ Weges, oft unter den Teppich gekehrt; und trotzdem macht sich bei jedem, der einmal länger über diese Positionen nachgedacht hat, das mulmige Gefühl breit, dass diese Theorien nicht der Weisheit letzter Schluss sein können.

John McDowells moralischem Realismus gelingt es, diesem Problem aus dem Weg zu gehen, indem er den moralischen Realismus einbettet in eine Konzeption von Welt, die das menschliche Vermögen zur Empfänglichkeit von Gründen in unproblematischer – und vor allem: naturalisierter – Weise in sich aufnimmt. Um mit den Worten Wittgensteins zu sprechen: McDowell dreht nicht das Bild, sondern versucht uns vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen. „[…] [S]eine Studien und Abhandlungen, zumeist Auseinandersetzungen mit zeitgenössischen Interpretationen klassischer Texte, besitzen vielmehr häufig den eher destruktiven Charakter einer Kritik eingespielter Begriffsalternativen. In diesem Versuch eines Aufbrechens von Oppositionsbildungen, die für die gegenwärtige Philosophie charakteristisch sind, besteht sicherlich der produktive Kern des Werkes von McDowell […].“1 Die therapeutische Methode wird im Vortrag am Beispiel der Begründungsfähigkeit des moralischen Realismus gezeigt werden.

Der Vortrag entwirft eine systematische Landkarte der metaethischen Positionen am Beispiel J. L. Mackies. Es folgt eine kurze, sprachliche Analyse von moralischen Äußerungen. Anschließend werden drei Eckpfeiler McDowells Diagnose (also: seinem Denken) vorgestellt. So die Therapie Erfolg hat, wird danach die Frage verschwunden sein, wie es möglich ist, dass es moralische Tatsachen gibt. Oder um es mit McDowells Worten zu sagen: „Es geht mir um die Erklärung der Genese bekannter philosophischer Probleme, die den Anschein erwecken, als hätten wir die Verpflichtung, eine Antwort für sie zu finden, was ich aber als trügerisch erweisen will.“2

1 Honneth, Axel; Seel, Martin: Einleitung. In: McDowell, John Henry: „Wert und Wirklichkeit. Aufsätze zur Moralphilosophie“. Frankfurt am Main: Suhrkamp (2009).

2 McDowell, John Henry: Einleitung. In: McDowell, John Henry (1996): „Geist und Welt.“ Frankfurt am Main: Suhrkamp (2012).

(Zur Vorbereitung kann hier eine kurze Einführung in die Position McDowells von David Lauer heruntergeladen werden. Quelle: "Information Philosophie" Heft 02/2014, S. 34-41)

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Martin Ränker (geb. 1989)

studiert im 5. Semester an der TU Berlin "Kultur und Technik mit dem Kernfach Philosophie" bei Prof. Dr. Abel, Prof. Dr. Gil und Dr. Wagner. Am meisten beeinflusst hat ihn bisher die Lehre von Stefan Tolksdorf am Lehrstuhl für Theoretische Philosophie. Theoretisch ist er von Aristoteles, Aurel, Kant, Wittgenstein, Davidson beeinflusst, darüber hinaus auch stark von John McDowell und Martha Nussbaum.

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