"...dass die Vernunft zurückbebt." 'Gesellschaftliche Entwicklung': Klärungsversuch an einem entzündlichen Begriff.

Datum: -

Ort: (Dieser Vortrag fand in der privaten Wohnung eines MoMo-Mitglieds statt.)

Der Photograph Irving Penn mit Mann mit Kind der Asaro, Neu Guinea 1970.

Die Behauptung, unsere Gesellschaft entwickle sich - im Unterschied zu der schwächeren Behauptung, sie verändere sich lediglich, was unstreitig sein dürfte - wird häufig so verstanden, dass die menschliche Geschichte nicht nur eine beliebige Folge kontingenter Einzelereignisse, sondern der sichtbare Vollzug einer inneren Gesetzmäßigkeit und durchschaubar sei; sie ermächtige uns deshalb angeblich zu entsprechender Einflussnahme auf andere Kulturen und Gesellschaften. Ein solcher Begriff gesellschaftlicher Entwicklung steht heute aus vielerlei Gründen in einem schlechten Ruf. Dem steht allerdings schon zu allen Zeiten eine politische Wirklichkeit gegenüber, die sich völlig ungerührt solcher akademischer Einsichten genötigt sieht, fortlaufend ihr Verhalten gegenüber anderen Staaten und gesellschaftlichen Zuständen eindeutig zu bestimmen, und das heißt in der Praxis: sich zustimmend oder ablehnend, freundlich oder feindlich, fördernd oder fordernd gegenüber anderen Gesellschaften und Kulturen zu verhalten.

Der Vortrag unternimmt eine neue Analyse des kompakten Begriffs 'gesellschaftliche Entwicklung' in eine Folge voneinander unabhängiger Urteilsschritte, die zunächst empirisch-quantitativ erfolgen und erst im weiteren Verlauf eine moralisch-wertende Färbung annehmen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten im praktischen, d.h. vor allem politischen Umgang mit notwendigen Entwicklungsvergleichen.

Download: Skript des Vortrages.

Wolfgang Sohst
Wolfgang Sohst
ist Gründer des xenomoi Verlages, Berlin, und freischaffender Philosoph.

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