Text-Bilder: Visualisierungsstrategien bei Ludwig Wittgenstein. Ein Zwischenbericht

Datum: -

Ort: (Dieser Vortrag fand in der privaten Wohnung eines MoMo-Mitglieds statt.)

Motto:
Nothing, continued the corporal [= Trim], can be so sad as confinement for life – or so sweet […] as liberty.
Nothing, Trim – said my uncle Toby, musing –
Whilst a man is free, – cried the corporal, giving a flourish with his stick thus –

Kross über Witttgenstein: Visualisierungsstrategien

A thousand of my father’s most subtle syllogisms could not have said more for celibacy.
(Laurence Sterne, The Life and Opinions of TRISTRAM SHANDY, Gentleman)

Die Wendung geht: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Ludwig Wittgenstein sagt: Ein Bild zeigt mehr, als alle Worte sagen könnten. Wittgenstein ging davon aus, dass sich beim Hören und Lesen von Texten die heimliche Härte des logischen Muss verbirgt; im Bild offenbart sie sich. So kann das Bild zeigen, was der Text nicht aussagen kann: seine Logik. Mit seinen textualen Visualisierungsstrategien kann Wittgenstein, indem er sie von der Logik der Projektion und Repräsentation ablöst, Texte mit Bildern so ver-dichten, dass sich Logik in ihrer Situationsvielfalt zeigen kann. Bilder und Veranschaulichungen sind daher nicht Illustration, sondern eine Form des Zur-Erscheinung-Bringens, des Explizit-Werdens von Sinn. "Sinnhaltig" – so zeigt sich – avanciert zum Schlüsselbegriff eines Denkens, das den „Repräsentationalismus“ der Bild-Abbild-Beziehung hinter sich lässt (und damit Philosophie und Kunst anähnelt?). Werden Bilder philosophisch freigegeben, ist der autoritäre Bann der Logik zumindest gelockert. Im Vortrag werden sowohl die ab/bild-theoretischen Überlegungen des frühen & späten Wittgenstein wie auch die Bildverwendung in seinen eigenen Texten anhand von Beispielen diskutiert.

Matthias Kroß
Matthias Kroß
ist wissenschaftlicher Referent am Einstein Forum, Potsdam (Einstein Forum)

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