Rem Koolhaas und das Band des Bundes: Die freiwilligen Gefangenen der Demokratie (Sebastian Freiseis)

Datum: 24.02.2020 (20:00:00–22:30:00)

Ort: Alte Jakobstr. 12 / Ecke Ritterstr. (Tiyatrom Theater), 10969 Berlin

Die unmögliche Vereinigung
Die unmögliche Vereinigung

In der Diskussion um die Repräsentationsarchitektur der Berliner Republik wird häufig der Anspruch erhoben, dass sie die politischen Ideale des Staates zu spiegeln habe. Vielleicht drückt sich darin die Hoffnung aus, dass die vermeintlich immobile Architektur das allzu fragile, manchmal gar gefährdete politische Leben in eine steinerne Rüstung zu hüllen vermag. Dabei lässt die semantische Vielfalt des architektonischen Zeichenrepertoires so manche Fassade wie eine schillernde Reflexionsfläche erstrahlen, in der sich die unterschiedlichsten Verweise wechselseitig durchkreuzen und amplifizieren. Wer in ihnen nach Halt sucht, rutscht schnell in einen Abgrund.

In meinem Vortrag möchte ich einen Spaziergang zu den Abgründen unternehmen, die sich beiderseits des Bundeskanzleramts (Schultes/Frank, 2001) und des Paul-Löbe-Hauses (Braunfels, 2001) auftun. Gemeinsam bilden die Gebäude das Band des Bundes, ein (aktuell) ca. 900 m langes Ensemble, das die ehemals von der Berliner Mauer getrennten Stadthälften metaphorisch aneinanderknüpft. Umso irritierender ist es, dass das Band ebendiese Mauer symbolisch wiederauferstehen lässt. So jedenfalls wirken die weitgehend fensterlosen Betonwände, mit denen es seine Flanken abriegelt. In meinen Ausführungen hoffe ich, den Bedeutungsspielraum auszuloten, der dieser Paradoxie innewohnt.

Zum Vortragenden:

Sebastian Freiseis

Sebastian Freiseis studierte Germanistik, Philosophie sowie Literatur- und Kulturtheorie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der University of Nebraska-Lincoln. Ein Promotionsprojekt zum Parzival Wolframs von Eschenbach liegt vor und wird erfolgreich aufgeschoben. Unterdessen entstehen auf seinem Blog Texte über die heimlichen Architekturhöhepunkte Berlins.

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