Transkulturelle Identitäten

Datum: -

Ort: Alte Jakobstr. 12 / Ecke Ritterstr. (Tiyatrom Theater), 10969 Berlin

Monaden oder Nomaden?

Die instabile, transkulturelle Identität der Person
Die instabile, transkulturelle Identität der Person

Identität ist ein komplexer Begriff. Sachgemäße Verwendung hat er nur bei Wesen mit Selbstbezug, also bei Lebewesen. Menschliche, personale Identität ist in hohem Maße der Selbstreflexion verdankt, ist kein dauerhafter Besitz, sondern ein Vollzugsprodukt, schließt immer fiktive Anteile ein, beeinflusst unser Leben und ist von Grund auf nicht eine solipsistische, sondern eine soziale Angelegenheit.

Heutige Identitäten – individuelle wie kollektive – sind konstitutiv transkulturell. Sie folgen nicht mehr den Vorgaben von Nation, Geschlecht, Hautfarbe oder Beruf, sondern gehen quer durch solche Schemata hindurch. De facto war die personale Identität schon seit langem transkulturell. Das gilt gleichermaßen, auf der Makroebene, für die historische Verfassung der Kulturen. Wenn man auch nur halbwegs gründlich analysiert und sich den Befunden nicht verschließt, wird diese Transkulturalität evident. Alles andere ist Realitätsverleugnung.

Zum Vortragenden:

Wolfgang Welsch

Prof. em. Dr. Wolfgang Welsch

Wolfgang Welsch hat sich zuerst im Lauf der 80er Jahre in der Postmoderne-Diskussion einen Namen gemacht  (Unsere postmoderne Moderne, 1987). Er plädierte dafür, die Postmoderne nicht als eine Nach- oder Anti-Moderne zu verstehen, sondern als die zeitgenössisch adäquate Form von Modernität zu begreifen.

Ein zweiter Arbeits- und Wirkungsschwerpunkt von Welsch ist die Ästhetik. Er plädierte von Anfang an für eine Öffnung der Ästhetik über deren klassische Beschränkung auf Fragen der Kunst hinaus, für eine Zuwendung auch zu den ästhetischen Phänomenen der Lebenswelt im weitesten Sinn (Design, Politik, Ökonomie, Technologie, Wissenschaft, etc.).

Ein drittes Arbeitsfeld betrifft das 1990 von Welsch begründete Konzept der Transkulturalität. Heutige Kulturen sind nicht mehr homogen und monolithisch (nicht mehr wie Kugeln verfasst), sondern weisen vielfältige Durchdringungen und Verflechtungen auf (haben Netzwerkcharakter).

Viertens hat Welsch das Konzept der transversalen Vernunft begründet (Vernunft - Die zeitgenössische Vernunftkritik und das Konzept der transversalen Vernunft,  1995). Sein Ziel ist hier, die klassische Unterscheidung zwischen Vernunft und Rationalität zeitgenössisch zu reformulieren.

Seit 2011 arbeitet Wolfgang Welsch an der Kritik der anthropischen Denkform und damit an einer Neubestimmung des Verhältnisses von Mensch und Welt. Einige seiner Haupttexte zu diesem Topos sind Mensch und Welt. Philosophie in evolutionärer Perspektive (2012) und Homo Mundanus: Jenseits der anthropischen Denkform der Moderne (2012).

Weitere kürzliche Veröffentlichungen sind: Wahrnehmung und Welt - Warum unsere Wahrnehmungen weltrichtig sein können (2018) und Wer sind wir? (2018). Eine Liste seiner Publikation finden Sie hier.

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