Canary in the Coalmine: Gaza als Testfall wissenschaftlicher Integrität

Datum: 13.04.2026 (20:00:00–22:00:00)

Ort: Kino Babylon. Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin, und online via Zoom. Für Nicht-Mitglieder von MoMo kann der Link per Email von uns angefragt werden.

 

Eine Collage auf Bildern von Gaza, der UN-Vollversammlung, Netanyahu und Trump

Schrecken ohne Ende

Seit dem 7. Oktober ist die wissenschaftliche Sprache zu Israel/Palästina selbst zum umkämpften Terrain geworden. Analytische Begriffe wie „Genozid“, „Selbstverteidigung“, „Terrorismus“ oder „Widerstand“ fungieren zunehmend als Loyalitätsmarker und tragen zu einer Verengung akademischer Debatten bei, insbesondere im deutschen Kontext. Der Vortrag untersucht diese Dynamik als Ausdruck wachsender politischer Sensibilitäten, institutionellen Drucks und verbreiteter Selbstzensur unter Forschenden. Er argumentiert, dass Wissenschaft in dieser Situation eine doppelte Verantwortung trägt: analytische Integrität bei der Benennung und Kontextualisierung von Gewalt sowie eine ethische Verpflichtung, die Bedeutungszuschreibungen von Forschungspartner*innen sichtbar zu machen. Damit plädiert der Beitrag für eine reflexive wissenschaftliche Praxis, die der semantischen Verengung im Gaza-Diskurs entgegenwirkt.

Jannis Julien Grimm spricht live im Babylon zu uns.

Über den Vortragenden:

Portrait Dr. Jannis Julien Grimm

Jannis Julien Grimm

Dr. Jannis Julien Grimm leitet die Nachwuchsgruppe „Radical Spaces“ am Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin. Er ist zudem ein assoziierter Wissenschaftler des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) in Berlin. Bis April 2021 koordiniert er das Gewerkschaftsprojekt der Friedrich-Ebert-Stiftung in der MENA-Region und das Länderprojekt zu Libyen. Zwischen 2016 und 2020 war Jannis Grimm Leiter des "SAFEResearch"-Projekts am GLD Center der Uni Göteborg, wo er die Arbeitsgruppe des Projekts zu Datensicherheit und digitaler Sicherheit leitete.

Veröffentlichungen:

  • Jannis Julien Grimm u. a., „‘If Gaza Burns, Berlin Burns’ - Transregional Solidarity between Appeal, Accountability and Belonging“, Middle East Critique online first (2026): 1–22, https://doi.org/10.1080/19436149.2026.2630480.
  • Jannis Julien Grimm und Lilian Mauthofer, „Multi-Perspectivity & Ethical Representation in the Context of Gaza & October 7: Addressing the Semantic Void“, Daedalus 154, Nr. 2 (2025): 169–88, https://doi.org/10.1162/daed_a_02146.
  • Jannis Julien Grimm u. a., „Deutsche Wissenschaft seit dem 7. Oktober: Selbstzensur und Einschränkungen unter Forschenden mit Nahostbezug“, Arbeitspapiere - Friedens- und Konfliktforschung 2 (2025), http://dx.doi.org/10.17169/refubium-49034.
  • Jannis Julien Grimm, „On Academic Integrity and Historic Responsibility: Shrinking Spaces for Critical Debate in Germany after October 7“, in: The War on Gaza and Middle East Political Science, Bd. 51, POMEPS Studies (Project on Middle East Political Science, 2024), https://pomeps.org/wp-content/uploads/2024/04/POMEPS_Studies_51_Web-1.pdf.
  • Lilian Mauthofer und Jannis Julien Grimm, „Zwischen Wissenschaftsfreiheit und Palästina-Solidarität: Deutsche Hochschulen als umkämpfte Räume“, Forschungsjournal Soziale Bewegungen 38, Nr. 1 (2025): 150–68, https://doi.org/10.1515/fjsb-2025-2016.

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Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist kostenlos und bedarf keiner vorangehenden Anmeldung. Wer in persona im Kino Babylon in Berlin teilnehmen möchte, wird lediglich gebeten, sich zuvor entweder an der Abendkasse oder auf der Webseite des Kinos eine kostenfreie Eintrittskarte zu beschaffen.

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