"Zeiträume" - Symposium zum 40jährigen Jubiläum von MoMo Berlin

Datum: 03.10.2026 (12:00:00–21:30:00)

Ort: Kino Babylon. Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin, und online via Zoom

MoMo Berlin wird 40!

Lasst uns den Tag mit einem intellektuellen Feuerwerk begehen...

"It was fourty years ago today...". Vor vierzig Jahren gründeten einige Berliner Philosophiestudierende einen Gesprächskreis, den sie MoMo nannten, weil sie sich immer am ersten Montag eines Monats trafen. Schon bald trugen auf diesen Treffen Personen vor, die heute zu den führenden Intellektuellen Deutschlands gehören. Inzwischen hat MoMo auch einen Wikipedia-Eintrag, wo man seine erstaunlich erfolgreiche Geschichte nachlesen kann. Dieses Jahr wird MoMo vierzig Jahre alt und ist so frisch und lebendig wie eh und je.

Wir wollen dieses Jubiläum mit einem eintägigen Symposium begehen. Es wird vier Vorträge mit Diskussionen und ein spielerisches Format geben.

Das Programm

Diese Beitragenden werden euch durch den Tag begleiten:

Die Beitragenden zum MoMo Symposium 2026

12.00 Uhr   Begrüßung (Wolfgang Sohst)

12.15 Uhr   Anna Strasser: Gesellschaftlicher Wandel im Angesicht generativer künstlicher Intelligenz

Technologische Revolutionen haben schon immer zu gesellschaftlichen Veränderungen geführt, auch wenn sich diese Veränderungen in der Regel über Jahrhunderte hinweg vollzogen haben. Angesichts des atemberaubenden Tempos, mit dem sich KI-Tools verbreiten, verkürzt sich die Zeit für Anpassungsmaßnahmen – sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene – erheblich. In diesem Vortrag wird Dr. Anna Strasser anhand verschiedener Beispiele, wie KI unser Leben verändern kann, die Frage stellen, welche Handlungsoptionen uns offenstehen, um den Anpassungsprozess zu gestalten. Dabei werden wichtige gesellschaftliche Themen angesprochen, wie beispielsweise der steigende Energie- und Wasserverbrauch, die Folgen u.a. der Abhängigkeit von amerikanischen Technologie- unternehmen sowie die zunehmende Überwachung von Personen und Bedrohung der Datensicherheit. Können wir verhindern, dass Menschen bei wichtigen Entscheidungen (z. B. in militärischen Angelegenheiten) außen vorbleiben? Werden wir Strategien entwickeln, um dem De-skilling im emotionalen und kognitiven Bereich entgegenzuwirken? Wie werden wir mit den Folgen der inhärenten Unzuverlässigkeit von KI-generierten Ergebnissen umgehen?

Dr. Anna Strasser ist Gründerin der DenkWerkstatt Berlin und arbeitet als unabhängige, freiberufliche Philosophin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind soziale Kognition an der Schnittstelle von Philosophie, Psychologie und KI siehe: https://www.denkwerkstatt.berlin oder https://orcid.org/0000-0002-3547-9790.

14.00 Uhr   Dieter Mersch: Kunst und Philosophie in Zeiten absurder Gegenwarten

Binnen 10 bis 15 Jahren haben sich die theoretischen Diskurse radikal gedreht und sich das politische und soziale Klima geradezu auf den Kopf gestellt. Die Zeit brütet mit ihren Polykrisen, den neuen kriegerischen Auseinandersetzungen zu einem Zeitpunkt höchster ökologischer Gefahr, mit der Heraufkunft von KI als neuem technischen Wunder, das gleichzeitig schon jetzt seine bedrohlichen Schatten vorauswirft, mit dem sich verschärfenden amoralischen Ton und der grotesken Asozialität und Gewaltbereitschaft im zwischenmenschlichen Bereich bis hin zur Anhäufung geradezu frivoler Reichtümer eine zunehmend selbstzerstörerische Gegenwart aus, die voller Paradoxien ist und zu deren Beschreibung die gängigen politischen und epistemologischen Kategorien nicht mehr ausreichen. Neben einem stets unzulänglich bleibenden Versuch einer Diagnose bemüht sich der Vortrag in zumindest einigen Punkten die daraus erwachsene künftige Aufgabe von Kunst und Philosophie zu skizzieren, um ein Stück weit die Balancen angesichts der grundstürzenden Ereignisse wiederzufinden.

Prof. Dr. Dieter Mersch ist Mathematiker und Philosoph. Von 2004 bis 2013 hatte er einen Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Potsdam inne. Seit 1. Oktober 2013 war er Leiter des Instituts für Theorie (ith) der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 2021 ist er emeritiert.

16.00 Uhr   Walther Ch. Zimmerli: Die gegenwärtige Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit: Kleine philosophische Nachfragen zu einem großen Problem.

Wir leben fraglos in Zeiten, in denen fundamentale zivilisatorische Errungenschaften insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts ihre Selbstverständlichkeit zu verlieren scheinen. Das zeigt sich nicht nur in der vermeintlich unumkehrbaren Verabschiedung von einer regelbasierten Weltordnung (H. Münkler), sondern auch in der schleichenden Aufweichung  ebenso vermeintlicher ewiger Grundrechte wie z.B. desjenigen auf Wissenschaftsfreiheit. Im Zusammenhang damit stellt sich die Frage: Hält die Selbstverständlichkeit, mit der wir hierzulande Wissenschaftsfreiheit positiv konnotieren, einer kritischen Überprüfung stand?
Der Vortrag geht dieser Grundfrage in drei (rechts-)philosophischen Teilfragen nach:
1. Handelt es sich bei der Wissenschaftsfreiheit um ein global akzeptiertes Grundrecht?
2. Falls nein: wie ließe sich kontrafaktisch dessen universelle Geltung begründen?
3. Welche institutionellen Konsequenzen hätte das?

Prof. Dr. Walter Christoph Zimmerli ist Alumnus Philosopher in Residence am Institute for Advanced Study (IAS) der Technischen Universität München (TUM) und Honorarprofessor für „Mind and Technology“ an der Humboldt-Universität zu Berlin.

18.00 Uhr   Daniela Zyman: Eine Praxis des Welterzählens: Künstlerische Kosmogramme im Zeichen des planetary turn

Ein Bibliothekar erträumt eine festungsartige Bibliothek, die niemand je betreten darf. Bücher, für immer verschlossen, vor dem Untergang gesichert – so imaginiert László Krasznahorkai in seiner Erzählung Kleinstarbeit für einen Palast die Rettung der Welt. Diesem literarischen Kosmogramm stellt Daniela Zyman zeitgenössische Kosmogramme des Planetarischen gegenüber: künstlerische Welträume, die technologische, mythische und nicht-menschliche Akteure ins Zentrum stellen und den Planeten als vielfältigen, gemeinsam bewohnten Raum erlebbar machen. Sie verbindet diese Ansätze mit aktuellen politischen Bewegungen wie den Rechte-der-Natur-Initiativen und zeigt die Kunst als Experimentierfeld für neue Formen des Zusammenlebens – für eine Verbindung von Kunst, Ökologie und sozialer Gerechtigkeit.

Dr. Daniela Zyman ist Kuratorin, Autorin und Kulturwissenschaftlerin. Über zwei Jahrzehnte war sie leitende Kuratorin und künstlerische Direktorin der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in Wien. Seit April 2026 arbeitet sie freiberuflich an dem Forschungsprojekt Ceremony as Method, das zeremonielle Praktiken in der Kunst als Übungsterrain für Verhandlungsrituale zum Beziehungserhalt zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Welten begreift.

20.00 Uhr   Thomas Gil / Wolfgang Sohst: Ein Gespräch mit dem neuen Ungeist

Aus fünf von Prof. Thomas Gil und Wolfgang Sohst vorbereiteten philosophischen Fragen wird das Publikum eine Frage wählen, die wir daraufhin einem oder zwei AI-Chatbots stellen werden. Die Antworten werden vom Publikum diskutiert, moderiert von Prof. Gil. Je nach Zeit werden Anschlussfragen an die Chatbots gestellt.

Thomas Gil war nach Lehrtätigkeiten in Köln, Hamburg, Stuttgart, St. Gallen, London, Brüssel und Albany Professor für Philosophie an der TU Berlin. Gegenwärtig lehrt er „Ethik“ an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin. Seine Schwerpunkte sind Handlungsphilosophie, Philosophie des Geistes, Argumentationstheorie, Metaphysik.

Wolfgang Sohst ist Gründer des xenomoi Verlages, Berlin, und leitet seit 2007 MoMo Berlin. Er ist ein freischaffender Philosoph mit den Schwerpunkten Metaphysik und Sozialphilosophie.

Anmeldung und Teilnahme

 

Kosten (nur bei Live-Teilnahme im Babylon; die virtuelle Teilnahme ist kostenfrei):

Das gesamte Symposium findet live im Kino Babylon Berlin statt und wird live via Zoom übertragen. Normalerweise sind sämtliche Veranstaltungen bei uns kostenfrei. In diesem Falle müssen wir jedoch von den Teilnehmer:innen, die live dabei sein wollen (was wir jedem empfehlen, der noch nicht bei einer MoMo-Veranstaltung im Babylon dabei war), einen Unkostenbeitrag von 10,00 € pro Person für den gesamten Tag erheben. Dafür bekommt ihr ein Freigetränk im Babylon und ein belegtes Brötchen bzw. einen Snack nach Wahl. Auch die weitere Verköstigung wird sehr günstig sein. Für die virtuellen Teilnehmer:innen ist die gesamte Veranstaltung kostenfrei.

Anmeldung:

Die Teilnehmer:innen, die live im Babylon dabei sein möchten, sollten sich am besten vorher über die Webseite des Babylon eine Eintrittskarte besorgen, die 10,00 kostet und euch zur Teilnahme an allen Veran- staltungen des Tages berechtigt. Am Eingang zum Konferenzsaal im 1. Stock des Babylon erhaltet ihr dann einen Getränke- und einen Essensgutschein, den ihr vor Ort einlösen könnt.

Für weitere Fragen wendet euch an Wolfgang Sohst unter der Email-Adresse von MoMo Berlin.

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