The Elgar Encyclopedia of Global Social Theory

Hg: Gert Verschraegen und Raf Vanderstraeten. Edward Elgar Publishing, Cheltenham (UK) and Northampton, MA (USA) 2025, 383 Seiten. ISBN: 978-1-80392211-9 (Hardcover) bzw. 978-1-80392212-6 (eBook)

Die Elgar Encyclopedia of Global Social Theory ist ein Band in der Reihe Elgar Encyclopedias in Sociology. Alle Bände dieser Reihe sind Nachschlagewerke für Studierende, Forschende und Praktiker für verschiedene Teilbereiche der Soziologie. Der hier besprochene Band wurde herausgegeben von Gert Verschraegen (Univerität Antwerpen, Niederlande) und Raf Vanderstraeten (Universität Gent, Belgien). Die Sprache des gesamten Buches ist Englisch verfasst.

Die Soziologie ist an sich eine relativ junge wissenschaftliche Disziplin. Ihre Ursprünge liegen ausschließlich im Europa des 19. Jahrhunderts, maßgeblich in Frankreich. Das machte sie ab den 1970er-Jahren zunehmend angreifbar als eine Hort eurozentrischer Weltbilder, die sich zwar nicht in den Abgründen kolonialer Voreingenommenheit verlor wie bis dahin große Teile der Ethnologie. Dennoch war es ein nicht zu leugnender Makel der Disziplin, dass praktisch alle Diskurse der Soziologie nur zwischen westlichen Forscher:innen stattfanden. Die Rechtfertigung, dass aus anderen Teilen der Welt zu wenig fachlich qualifizierter Stoff käme, klang schal angesichts der wissenschaftsinternen Praxis, Stimmen anderer Kulturen weitgehend zu ignorieren. Denn es gab diese Stimmen.

Das vorliegende Werk zeigt nun, dass eine offene, interkulturelle Soziologie nicht nur schon lange existiert, sondern sehr wichtige Blickerweiterungen und Korrekturen angestammter Ansichten mit sich bringt. Die Herausgeber des vorliegenden Bandes haben mit 71 Beitragenden und 65 enzyklopädischen Artikeln ein in seiner Art einzigartiges Werk geschaffen, das schon lange überfällig war. Zwar wird schon seit einem halben Jahrhundert der interkulturelle soziologische Diskurs gefordert. In der Praxis bleiben diese Gespräche jedoch häufig in Vorwürfen von Vertretern der ehemals ausgegrenzten Kulturen sowie Rechtfertigungen und Mea-culpa-Beteuerungen der westlichen Diskursteilnehmer stecken. Genau dies macht die vorliegende Enzyklopädie so erfrischend: Hier werden strikt sachliche Forschungsstandpunkte präsentiert, ohne Polemik.

In Anbetracht der zu erwartenden Fülle der Standpunkte, die sich zeigt, wenn man einmal die eurozentrischen Scheuklappen ablegt, können die einzelnen Beiträgen freilich nur einen Überblick geben. Zwar stammen mit 24 von insgesamt 71 Beitragenden nur ca. ein Drittel der beteiligten Autor:innen nicht aus den Kernländern des Westens (Westeuropa, USA, Kanada, Australien und Neuseeland). Das sagt aber wenig, denn die übrigen Beitragenden sind ebenfalls allesamt sehr interkulturell ausgerichtet. Mit durchschnittlich fünf Druckseiten und einer bibliografisch weiterführenden Referenz am Ende eines jeden Beitrages vermitteln alle dennoch einen ausreichend genau, fachlich präzisen Einblick in den jeweiligen soziologischen Ansatz.

Es hat wenig Sinn, hier eine Liste der einzelnen enzyklopädischen Einträge wiederzugeben. Mit einem Klick auf den obigen Link zur Verlagsseite von Elgar Publishing kann man sich leicht einen Eindruck von der Bandbreite der in diesem Band behandelten Themen verschaffen. Wohlgemerkt, dies ist eine Enzyklopädie, kein Lehrbuch. Genau das macht es aber zu einem so schnell nicht alternden Werk. Denn jeder einzelne Theoriestrang, der hier angesprochen wird, mag sich weiterentwickeln. Die meisten von ihnen werden aber noch viele Jahre den globalen soziologischen Diskurs bestimmen und einige von ihnen sogar noch sehr viel wichtiger werden. (ws)

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