Das MoMo Archiv

Vorbemerkung:

MoMo Berlin gibt es schon lange, insbesondere schon länger als das allgemein verfügbare Internet, nämlich seit 1986. Seitdem haben viele Leute hier vorgetragen, und das soll nicht verloren gehen, auch wenn manches nicht mehr ganz vollständig erhalten ist.

(Die Veranstaltungen bis einschließlich des Jahres 2007 sind unter dem Menüpunkt Veranstaltungen gelistet.)

Das MoMo Text- und Veranstaltungsarchiv ist in drei Bereiche gegliedert:

1) Archivierte Artikel und Texte, die bereits auf der neuen Webseite erschienen, aber bereit archiviert sind,

2) Ältere Texte von MoMo-Mitgliedern, die teilweise auch außerhalb konkreter Veranstaltungen über die MoMo-Webseite verbreitet wurden

3) Alle MoMo-Veranstaltungen der frühen Jahre von 1989-1999.

In diesem alten Veranstaltungsarchiv finden sich nur die MoMo-Veranstaltungen von 1989 bis 1999. Die Veranstaltungen ab dem Jahre 2000 sind unter dem Menüpunkt Veranstaltungen einsehbar, weil sie ausführlicher dokumentiert sind und teilweise eigene Texte zum Download enthalten. Das "junge" Archiv (also jenes unter dem Menüpunkt "Veranstaltungen") ist hinsichtlich der vergangenen Veranstaltungen allerdings noch im Aufbau, d.h. einige Jahrgänge zwischen 2000 und 2009 fehlen noch. Diese werden in den kommenden Wochen nachgetragen.

(1) Archiv der Leitartikel auf der neuen MoMo-Webseite

Wahrheit und Revolution

Es gibt empfindliche Wörter. Das vielleicht sensibelste von allen, und dies keineswegs nur im Deutschen, ist vermutlich jenes der Wahrheit. Denn die Unterscheidung zwischen wahr und falsch - und zwar nicht etwa logisch oder formal, sondern im Alltag - gehört zu den sozial relevantesten überhaupt.

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Demokratie als Maxime kollektiver Urteilsfähigkeit

Das Jahr 2016 war für die Idee der Demokratie kein gutes. Viele Menschen verloren das Vertrauen in sie. Man kann es ihnen nicht verdenken: Von den aggressiven Despoten bis hin zu den populistischen Dummköpfen konnten auf der ganzen Welt Menschen Wahlsiege einfahren bzw. ihre bestehende Macht stärken, von denen ein großer Teil der übrigen Menschen unserer Welt meint, sie hätten dies besser nicht erreichen sollen. Die Frage ist, wie wir mit dieser Herausforderung umgehen.

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Vernunft als Methode, nicht als Vorschrift

Es dürfte nur wenige Worte geben, die, selbst wenn sie im Alltag gar nicht so häufig gebraucht werden, eine größere Bedeutung für das westliche Selbstverständnis haben wie 'Vernunft'. Wir kennen den Ausdruck bereits aus unser aller Kindheit, wo die Eltern und Lehrer uns anhielten, doch bitte zur Vernunft zu kommen. Und wenn heute Politiker oder andere Menschen, die öffentlich auftreten, ihr Auditorium mit dem Argument beglücken, ihr Vorschlag sei einfach vernünftig im Gegensatz zu allen übrigen, so breitet sich nüchterner Ernst aus, zurückhaltend, ohne Witz - eben ultimativ vernünftig.

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Wut als letztes Mittel

Warum ist der Wutbürger gerade in denjenigen Ländern so stark vertreten, wo objektiv dazu eigentlich geringerer Anlass besteht als in anderen, sehr autoritär regierten Regionen dieser Welt? Die Antwort scheint in der Differenz zwischen politischem Versprechen und gesellschaftlicher Wirklichkeit zu liegen.

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Die Aufrichtigkeit im Zeitalter technischer Lüge

Aufrichtigkeit als moralisch und praktisch hoch geschätztes Verhalten hat nie an Ansehen verloren - eigentlich. Schauen wir uns jedoch die öffentliche kommunikative Realität der heutigen Zeit an, hat man Eindruck, dass sie mehr denn je unter die Räder kommt. Ist dieser Eindruck richtig? Und falls nicht, was ist dann das Problem mit der Art und Weise, wie sich Menschen heute öffentlich äußern?

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Hauptsache Selbsterhaltung?

Nach Panajotis Kondylis (1943-1998) hat der Mensch letztlich nur ein grundlegendes Interesse: seine Selbsterhaltung (siehe sein Buch „Macht und Entscheidung“). Daraus folgen alle seine anderen Interessen – dabei und wieder vorrangig insbesondere das nach Machtsteigerung; denn mehr Macht bedeutet mehr Möglichkeiten der etwas komfortableren Selbsterhaltung bzw. Interessendurchsetzung. Harald Dietz hinterfragt die Plausibilität dieses wohlbekannten Menschenbildes.

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Religion: Vom kollektiven Identitätsstifter zur individuellen Ersatzdroge

Die Frage der Bedeutung der Religion für die Gesellschaft ist heute wieder in aller Munde - obwohl sie für die europäische Kultur doch längst entschieden zu sein schien. Die Trennung von Kirche und Staat, die Religionsfreiheit und die Dominanz des naturwissenschaftlichen Wahrheitsbegriffs schien unumstößlich eingetreten zu sein. Doch diese Gewissheit gilt nicht mehr - auch dies eine Folge der Globalisierung.

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Kollektive Identität

Der weltbekannte indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen kritisiert in seinem Buch "Die Identitätsfalle: Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt" (dtv, 2010) die üblichen Identitätszuweisungen zu einzelnen Menschen z.B. als Moslems, Christen, Amerikaner, Deutsche etc. als viel zu grob und meint, dass hieraus schwere Konflikte entstehen. Seine Absichten sind zweifellos gut; seine Analyse ist jedoch leider untauglich.

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(2) Archiv alter MoMo-Texte (PDF-Format)

(ist noch im Aufbau, d.h. fehlende Texte werden noch ergänzt.)

Bexte, Peter: Transitstrecken. Eine Philosophie der Relationen nach Michel Serres (März 1999)

Kurztext:

Der Titel dieses Textes wird sich im Durchgang klären. Der Untertitel aber braucht vielleicht ein paar Erläuterungen vorweg. Zunächst betone ich das Wort »eine«. Was hier skizziert werden soll, ist nur eine von vielen möglichen Philosophien. Und ihre Beziehung zu Michel Serres ist nicht die einer Exegese seines Werkes, sondern die einer Angeregtheit durch diese Schriften. Ich werde nicht »über ihn« sprechen (schon gar nicht »über ihm«). Diese Metaebene habe ich nicht zu bieten, und vielleicht gibt es sie auch gar nicht. Selbst die Frage nach einer »Hinführung« wäre nur skeptisch zu beantworten, und zwar im präzisen Sinne einer genuin skeptischen Denkfigur: der Paradoxie, die im Riß des Widerspruchs den Gedankengang anhält und den Weg unterbricht.

»Der Weg existiert, und er existiert nicht. So ist das. So ist das auf dem Meer von Davis bis Beaufort, so ist das in den Erscheinungen, den Wolken und Felsen, so ist das im Wissen, ganz gleich welcher Karte man folgt.« (Michel Serres)

Download: Transitstrecken.pdf

Mersch, Dieter: »Geschieht es?« Ereignisdenken bei Derrida und Lyotard (05.03.2000)

Download: Mersch_Ereignis.pdf

Mersch, Dieter: Der versteinerte Augenblick. Zum Verhältnis von Kunst und Ereignis (14.01.2001)

Download: Der versteinerte Augenblick.pdf

Rüdiger Zill: Woody Allen und das Schweißtuch der Heiligen Veronika (01.04.2001)

1. »Sie müssen diesen Film wirklich lieben; sie sehen ihn zum fünften Mal.« (Tom Baxter)

2. »Ja, wie soll ich das beschreiben? Sie haben einen magischen Glanz.« (Cecilia)

3. »Ich kann lernen, real zu werden. Das ist nichts besonderes. Das fällt mir nicht schwer. Real zu sein, kommt mir ganz natürlich vor.« (Tom Baxter)

4. »Nur mit Mühe kann man die Kamera zum Lügen zwingen. Im Grund ist sie ein ehrliches Medium. Deshalb ist es viel wahrscheinlicher, daß der Fotograf mit der Einstellung des Forschenden, an ihr Teilhabenden an die Natur herangeht statt mit der dreisten Großspurigkeit des selbsternannten >Künstlers<. Und was uns heute vorschwebt, das neue Leben, basiert auf einer ehrlichen Auseinandersetzung mit allen Problemen, seien sie moralischer oder künstlerischer Natur. Falsche Häuserfassaden, falsche moralische Maßstäbe, Ausflüchte und Verkleidungen jeglicher Art müssen und werden wir über Bord werfen.« (Edward Weston)

(Bild: Jacques Lespaignol, Das Heilige Grab (1699-1702), St. Thegonnec)

5. Texte sind Kon-Texte - auch für Bilder. Erleichtern sie uns den Blick auf Bilder, erschweren, verstellen sie ihn? Sie ermöglichen ihn, so oder so, wenn auch nicht allein. Diskurse über das Bild begleiten seine Wahrnehmung, werden tradiert, bleiben identisch und verwandeln sich doch.

(Bild: Meister der Hl. Veronika, Veronika mit dem Schweißtuch (1420), London, National Gallery)

Vor einiger Zeit habe ich die Einleitung zu einem größeren Projekt vorgestellt. »Woody Allen und das Schweißtuch der Heiligen Veronika« ist ein weiteres Bruchstück daraus, eine Abschnitt aus dem allgemeinen Bildertext, durchzogen von Magie-Fäden.

Hinweis: Dieser Vortrag kommt ohne Harry-Potter-Zitate aus!

(Rüdiger Zill)

Eberlein, Undine: Geschlechterdualismus und romantischer Individualismus (Juni 2001)

Kurztext:

Thema dieses Aufsatzes ist die philosophische und ›diskursive‹ Konzeptualisierung des Geschlechtsunterschieds und ihre heutige Infragestellung. Nachdem ich – in Anlehnung an die neuere feministische Forschung – die Genese des spezifisch modernen Geschlechterdualismus skizziert habe, möchte ich die philosophische Ausformulierung dieses Geschlechtermodells am Beispiel der Hegelschen Philosophie kurz darstellen. Der zweite Teil des Aufsatzes behandelt dann die heutige Kritik des ›Geschlechterdualismus‹ im Namen der mit den Konzepten des ›moralischen‹ und des ›romantischen‹ Individualismus verbundenen Utopien der ›Gleichheit‹ und der ›Einzigkeit‹. Diese beiden Individualitätsmodelle – in Anlehnung an Georg Simmels Unterscheidung eines »Individualismus der Einzelheit« und eines »Individualismus der Einzigkeit« konzipiert und als ›Idealtypen‹ im Sinne Max Webers aufzufassen – bestimmen wesentlich das moderne Denken und die Perspektiven der Sozial- und Kulturkritik. Dies zeigt sich auch in der neueren feministischen Diskussion, die von der Erforschung und Kritik der historischen Geschlechterrollen zu einer radikalen Infragestellung des scheinbar evidenten vordiskursiven Geschlechtsunterschieds gelangt ist. Im Namen einer Subversion der scheinbaren ›Positivität‹ biologischer Fakten wird dabei in den Texten Judith Butlers die moderne Naturbeherrschung phantasmatisch erweitert. Dem Gleichheitsdiskurs des ›moralischen Individualismus‹ mit seinem Ideal einer Absehung vom Geschlechtsunterschied tritt die Utopie einer unabsehbaren Vervielfältigung von möglichen ›Geschlechtsfiguren‹ zur Seite, die entgegen Butlers eigenen theoretischen Prämissen letztlich den ›romantischen Individualismus‹ weiterführt und dessen Ideal der ›Einzigartigkeit‹ bis in die Ebene der Geschlechtsidentität und Körperlichkeit radikalisiert.

Download: Undine Eberlein, Geschlechterdualismus und romantischer Individualismus.pdf

Zill, Rüdiger: Zwischen den Medien, oder: Über Bilder sprechen (15.09.2001)

Download: Zwischen_den_Medien.pdf

Bexte, Peter: Kabel im Denkraum. Beobachtungen von Beobachtungen der Relation nah - fern (05.05.2002)

Kurztext:

Goethe hatte noch keine Kabel hinter dem Schreibpult liegen. Die bekannte Bildmontage, welchen unseren Dichterfürsten nichtsdestotrotz am Telefon vorführt, zeigt ein Vexierbild: Einerseits wirkt das Kabel am Schreibtisch stimmig, denn anders kann man sich einen solchen Ort gar nicht mehr vorstellen. Andererseits weiß man um die Unmöglichkeit. Die Vorstellung von einem Kabel in Goethes Stube macht ein Loch in die Weimarer Klassik. Kabel sind in diesem »Denkraum« (Aby Warburg) ausgeschlossen.

Seitdem hat sich verändert, was man Welt nennt, und das Gegenteil des letzten Satzes gilt. Dass es einen Denkraum ohne Kabel geben könnte, scheint nunmehr schlicht unmöglich. Der Übergang von der einen Unvorstellbarkeit zur anderen ist bezeichnend - mit dieser Beobachtung beginnen meine Überlegungen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wird das neue Objekt Kabel generiert. Es wird Gegenstand wissenschaftlicher Diskurse, dringt in Alttagsrealitäten ein und löst kulturspezifische Debatten über die Relation nah - fern aus. Diese Ebenen manifestieren sich im Jahre 1895 in einigen Schlüsselszenen. In San Fancisco fotografierte Aby Warburg Kabel. 27 Jahre später hielt er in einer Psychiatrie am Bodensee einen Vortrag, in welchem er das Foto zeigte und mit einem Verdikt versah: Kabel zerstören das Ferngefühl und also den Denkraum.

Im selben Jahr 1895 wird eine neue Wissenschaft in Technik umgesetzt: Die Kabelmathematik. Sie geht wesentlich auf Oliver Heaviside zurück, einen kontaktgestörten Einzelgänger, ohne dessen Gleichungen kein Telefonkontakt nach Übersee je funktioniert hätte.amit sind zwei paradigmatische Weisen, Kabel zu beobachten, gegeben. Sie bewegen sich einerseits in einer funktionalen Ordnung, andererseits im Rahmen einer historischen Semantik des Quasi-Objekts Kabel. Quasi-Objekte liegen (nach Bruno Latour) zwischen den Naturwissenschaften und den Humanwissenschaften. Zur gesellschaftlichen Praxis der Kabel gehört die Dauerphantasie, mit ihrer Hilfe den Raum abzuschaffen, und zwar im Namen von Echtzeit. (Neuerdings fördert die EU solche Projekte unter dem Namen telepresence technology.)

Der Vortrag wird einen medienhistorischen Abriss geben und das Quasi-Objekt Kabel von verschiedener Seite her anvisieren. Historische Bestimmungen des Verhältnisses nah - fern gehören dazu, bis hin zu Benjamins Begriff der Aura, der diesem Verhältnis dezidiert aufgesetzt ist.

(MoMo-Vortrag am 05.05.2002)

Bexte, Peter: Blinde Seher (Februar 2003)

Kurztext

Die Kunstgeschichte des Sehens ist nicht zu haben ohne eine Kunstgeschichte der Blindheit. Allzuviele Formen des Nicht-Sehens begegnen uns im Medium der Sichtbarkeit schlechthin, dem Bild. Niemand hat sich dieser Paradoxie entschlossener verschrieben als die radikale Moderne des 20. Jahrhunderts. Der surrealistische Blinde ist der Cicerone des vorliegenden Buches, das sich der Kunst und Wahrnehmungstheorie des 17. Jahrhunderts widmet. Selten sind so viele Blinde gemalt worden, wie im sog. Goldenen Zeitalter der niederländischen Malerei. Und wer die optischen Traktate dieses Zeit­raums liest, wird auch dort die Augenlosen wiederfinden. Die Rede vom Sehen kristallisiert sich um Figuren der Blindheit, deren Ikonographie wiederum der visuellen Kunst entstammt. In diesen paradoxalen Beziehungen bewegt sich das Buch und begibt sich dazu in das Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft, von Ikonographie und Philosophie. Es fragt nach der emblematischen Bedeutung von Blindheit, diskutiert die Entdeckung des blinden Fleckes im Jahre 1668 und betrachtet das Theorem vom Sehen mit den Händen im Blindekuh-Spiel.

Download: Blinde_Seher.pdf

Demmerling, Christoph: Zu den Grenzen einer Theorie der Bedeutung. Überlegungen zur Philosophie Donald Davidsons (August 2002)

Donald Davidson gilt als einer der produktivsten, aber auch schwierigsten Autoren der Gegenwartsphilosophie. Seine Arbeiten zu Problemen der Sprachphilosophie, der Handlungstheorie und der Philosophie des Geistes haben der Diskussion auf allen diesen Gebieten wichtige Impulse verliehen. Die Schwierigkeiten im Umgang mit der Philosophie Davidsons sind wohl vor allem auf den Umstand zurückzuführen, dass er selbst seine Arbeiten als Teile eines einheitlichen philosophischen Programms begreift, dabei allerdings mehrfach Kurs- und Richtungswechsel vorgenommen hat, ohne diese immer im Einzelnen und explizit anzuzeigen. Dies betrifft insbesondere auch seine Philosophie der Sprache. Obwohl häufig von der Sprachphilosophie Davidsons die Rede ist, zeigt sich bei näherem Hinsehen, dass er erschiedene Anläufe zur Lösung von Problemen, die auf die Begriffe sprachlicher Bedeutung und sprachlichen Verstehens bezogen sind, unternommen hat.

Ob es sich bei diesen Anläufen, um unterschiedliche Akzentsetzungen im Rahmen eines im Großen und Ganzen einheitlichen Programms handelt, oder ob sich Davidsons Programm im Laufe seines Denkweges merklich verändert hat, ist eine Frage, die vorerst offen bleiben soll. Im ersten Teil dieses Aufsatzes skizziere ich Davidsons Versuch, im Rekurs auf den Begriff der Wahrheit etwas über Bedeutung in natürlichen Sprachen zu sagen (I). Der zweite Teil wendet sich seinen Arbeiten zum Problem der so genannten »radikalen Interpretation« zu (II). Im dritten und abschließenden Teil diskutiere ich, wie sich die wahrheits- und interpretationstheoretischen Überlegungen zueinander verhalten und gehe der Frage nach, ob Davidson mit der Idee einer radikalen Interpretation eine Wende zur Hermeneutik vollzogen hat, wie es in der Diskussion um seine Philosophie häufig nahegelegt wird (III).

Download: Christoph Demmerling, Zu den Grenzen einer Theorie der Bedeutung.pdf

Zill, Rüdiger: Ein Laboratorium der Sprache. Das Tagebuch als philosophische Form (04.05.2003)

In der letzten Zeit gab es immer wieder Überlegungen, die sich mit der Frage beschäftigt haben, wie der Unterschied zwischen Philosophie und Literatur genau zu bestimmen sei. Ein Kriterium für diesen Unterschied ist die Sprache. So ist behauptet worden, dass der literarische Schriftsteller um des Schreibens selbst willen schreibe, in der Philosophie hingegen das Argument im Vordergrund stehe. In meinem Vortrag will ich gegen diese These am Beispiel von Günther Anders zeigen, dass auch in der Philosophie das Experiment mit der Sprache ein Motor des Denkens sein kann, Sprache also als ein Laboratorium des Gedankens fungiert.

Diese Laboratoriumsmetapher grenzt sich nach zwei Seiten hin ab:

  • zum einen gegen die Auffassung, dass die Sprache für die Sache arbiträr sei,
  • zum anderen aber auch gegen die entgegengesetzte (und heute eher akzeptierte), dass die Sprache für die von ihr transportierte Theorie absolut wesentlich sei.

Sprache ist ein experimentelles Mittel der Philosophie auf verschiedenen Ebenen des Stils: auf der des Begriffs, auf der rhetorischer Wendungen, aber auch auf der der literarischen Form. Die bekannteste Auseinandersetzung mit der Funktion literarischer Genres für die Philosophie ist Adornos »Der Essay als Form«. Wenn man aber Sprache als Laboratorium versteht, ist eine Form zentral, die auf den ersten Blick marginal anmutet: das Tagebuch.

(Rüdiger Zill)

Mersch, Dieter: Wort, Zahl, Bild und Ton: Schema und Ereignis (Juni 2003)

Download: Schema und Ereignis.pdf

Bexte, Peter: Créolité and Iconoclash (Juli 2004)

Kurztext:

X is everywhere

In the early days of the German protest movement against nuclear power stations there was a simple yet effective way to produce slogans: Take the name of a given power station and put it into the phrase: »X is everywhere«. For instance »Brokdorf is everywhere« or »Lüchow-Dannenberg is everywhere«. People knew, of course, that these are well defined places, having exact lines of longitude and latitude on the map. Nevertheless, to say »They are everywhere« was part of the irony and was meant to make people think, and recognize a general danger that everybody should be aware of. This, then was the double-meaning of the phrase.

Looking back it occurs to me that things may have changed since then. It may well be that there is no longer a double-meaning – only simple truths. That is to say: The distinction between local and global may be fading away – the global being anywhere and the local being everywhere. In fact, one might argue that globalization does not contrast with local affairs, but that it is the abolition of a former distinction between local and global. And this would make it a far more dramatic event.

Cosmo-Politan

In the next 20 minutes (or so) we will be looking at more examples of the structure: »X is everywhere«. The oldest expression of this type is the term »cosmopolitan«. It is derived from the two Greek words cosmos (meaning the whole wide world) and polis (meaning the city of Athens). Literally translated it means that Athens may be found anywhere in the world: Athens is everywhere. That is the meaning, and hence a cosmopolitan is somebody capable of finding Athens anywhere.

Download: Creolite_and_Iconoclash.pdf

Zill, Rüdiger: Medea oder Odysseus. Modelle der Affektbeherrschung (27.02.2005)

Gefühle scheinen das Allerprivateste zu sein und dennoch wird öffentlich über sie gesprochen; sie erscheinen als Besonderes und sind dennoch allgemein; kaum etwas gilt uns als konkreter als unsere Emotionen und dennoch werden sie zum Gegenstand eines abstrakten Diskurses. Selbst am Ort ihrer größten Abstraktion, in philosophischen Affekttheorien, sollen sie sichtbar werden, Theorie erklimmt die Bühne des Theaters.

Zwei Figuren werden dabei immer wieder in besonderem Maße zu philosophischen Repräsentationen von Emotionen: Medea, die ihre Leidenschaften nicht beherrschen kann, und Odysseus, der dazu fähig ist. Beide werden zu Modellen der Affektbeherrschung, sie sind Fleisch gewordene Zivilisationstheorie. Dabei stehen sie von Euripides über Seneca und Corneille bis zu Horkheimer und Adornos Dialektik der Aufklärung in einem je unterschiedlichen Verhältnis zu der Theorie, die sie vertreten.

MoMo-Vortrag am 27.02.2005

Böhme, Gernot: Der Begriff des Leibes (06.09.2005)

Der Vortrag bewegt sich im Rahmen einer genetischen Phänomenologie, nach dem die Phänomenalität der Phänomene von der Zugangsart abhängt. In diesem Sinne werden zunächst die Leib- bzw. Körperbegriffe von Descartes, Husserl und Hermann Schmitz vorgestellt. Dann wird die Definition des Referenten eingeführt und erläutert:

Der Leib ist die Natur, die wir selbst sind. Diese Definition gibt den Begriff des Leibes im Sinne von Kierkegaard als einen Existenzbegriff an. Leib zu sein ist eine Existenzform, die sich in der Spannung von Natursein und Selbstsein vollzieht.

MoMo-Vortrag am 06.09.2005

Ebke, Thomas: Heidegger und Plessner zur Entelechie (26.02.2006)

»Leben versus Existenz«: Mit dieser Opposition beschrieb einmal Helmuth Plessner den radikalen Graben, den seine Grundlegung der Philosophischen Anthropologie von Martin Heideggers Seinsphilosophie trenne. Während Heidegger nie eine detaillierte Kritik an der Philosophischen Anthropologie entwickelt hat, konzentrierte sich Plessners Heidegger-Rezeption zeitlebens auf die fundamentalontologische Konzeption aus Sein und Zeit. Diese Rezeptionslage ist misslich, denn sie hat die Überbetonung von systematischen Differenzen und das Unterschlagen vielversprechender Parallelen bis in die gegenwärtige Forschung hinein begünstigt.

Der Vortrag will vor allem mit Blick auf Heideggers spätes Denken formale Äquivalente zwischen Plessners naturphilosophisch fundierter Philosophischer Anthropologie und Heideggers Seinsphilosophie im Umkreis der »Kehre« rekonstruieren. Ausgehend von Überlegungen beider Autoren zum (aristotelischen) Konzept der Entelechie soll herausgestellt werden, dass Heideggers Spätphilosophie einerseits durchaus naturphilosophisch ins Prinzipielle ausgeweitet werden kann und dass andererseits im selben Zug eine Annäherung zwischen ek-statischer (Heidegger) und ex-zentrischer (Plessner) Konstitution des Menschen möglich wird. Heideggers Bestimmung des Entelechiebegriffs in seiner Abhandlung Vom Wesen und Begriff der physis (1939) erlaubt zudem einen klärenden Rückblick auf jene Gründe, die zum Abbruch seiner »Metaphysik des Daseins« und zur Rede vom ersten und anderen Anfang der Philosophie geführt haben.

(MoMo-Vortrag am 26.02.2006)

Zill, Rüdiger: Der Vertrakt des Zeichners. Wittgensteins Denken im Kontext der Metapherntheorie (März 2006)

Download: Der Vertrakt des Zeichners.pdf

Bexte, Peter: »More topologico demonstriert« – Raumdenken bei Michel Serres, 1974/75 (17.09.2006)

Mit dem »topological turn« ist ein alter, ein fast schon vergessener Bekannter zurückgekehrt, doch scheint man seine Wiederkehr bislang wenig beachtet zu haben. Fast unbemerkt steht er »im Raum« – der Strukturalismus. Nach langen Jahren poststrukturalistischer Debatten hatte man wohl glauben mögen, dass alles Strukturale sich ins Rhizomatische verwandelt habe und sozusagen in den Wucherungen seiner selbst verschwunden sei. Wer aber heute und in den Humanwissenschaften »Topologie« sagt, gerät unweigerlich an Denkformen, wie sie im französischen Strukturalismus bereits erprobt wurden.

(Bild: Vittore Carpaccio (1465-1525), Der heilige Stephan predigt in Jerusalem)

Erneut – und zugleich: wie gehabt – geht es um die Frage des Raumes und der Topologie als »Diskurs im allgemeinen vom Ort im allgemeinen« (Serres). Um diese Pole kreisen zwei Texte des Michel Serres aus den Jahren 1974/75. Es geht mir dabei erstens um ein Kapitel aus Serres‘ Monographie zu dem Renaissance-Maler Vittore Carpaccio und zweitens um seinen Vortrag »Discours et Parcours«, den er im Seminar von Lévi-Strauss gehalten hat. Der Lektürevorschlag besteht darin, diese beiden unverbundenen Texte zu verbinden. Beide sprechen im Namen des Raumes und mit Begriffen der Topologie. Sie entstanden parallell und kommunizieren ebenso überdeutlich wie untergründig. Der eine zeigt, was der andere nicht sagt, und umgekehrt.

(Bild: Satellitenphoto einer Wolke, beschriftet von Michel Serres. In: Michel Serres, La Légende des Anges, Paris 1993, 142)

Die gespaltene Zahlengabe 1974/75 markiert im Übrigen nicht nur einen Jahreswechsel, sondern zeigt weitere Veränderungen an: erstens den Übergang vom Altmeister strukturaler Anthropologie Lévi-Strauss zu einem Jüngeren, den er als einzigen aus der Nachfolgegeneration akzeptiert hat; zweitens die tendenzielle Überschreitung eben jenes strukturalen Erbes in Namen einer Zerstreuung »im Raum«. Die Topologie der Löcher und der Wolken wechselt von strukturalen Dreiecken ins Rhizomatische. Die Spannung dieser Schwellensituation 1974/75 wird vielleicht erst im Rückblick kenntlich. Sie mag einige Defizite im heutigen »topological turn« verdeutlichen.

MoMo-Vortrag am 17.09.2006

Günzel, Stefan: Topologien. Räumlichkeit in der Phänomenologie (14.01.2007)

Vorgestellt wird die Textsammlung Raumtheorie (stw 1800), welche klassische Texte aus Philosophie und Kulturwissenschaften aus sechs Bereichen versammelt: Metaphysik, Phänomenologie, Medientheorie, Soziologie, Geographie, und Ästhetik. Näher vorgestellt wird der Bereich »Phänomenologie« anhand der Einleitung zu den Texten von Kurt Lewin, Martin Heidegger, Edmund Husserl, Gaston Bachelard und Maurice Merleau-Ponty.

Kurzbeschreibung des Buches: Mit dem spatial turn seit den 1980er Jahren ist die Räumlichkeit zu einem Schlüsselthema der Geistes- und Kulturwissenschaften avanciert. Insbesondere die Geographie, die Soziologie und die Ästhetik haben die Wende im Raumdenken eingeläutet und den Weg für die Wiederentdeckung klassischer europäischer Texte aus den Geistes- und Naturwissenschaften bereitet. Der vorliegende Band versammelt erstmals einen repräsentativen Querschnitt raumtheoretischer Grundlagentexte von der Neuzeit bis zur Gegenwart, die sich nicht nur mit der Phänomenologie des Raumes auseinandersetzen, sondern auch über mediale, soziale, politische und ästhetische Räume reflektieren. Kurze Einführungen stellen die jeweiligen Texte und ihre Autoren in ihrem historischen wie theoretischen Zusammenhang vor.

Siehe: Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, hg. v. Jörg Dünne u. Stephan Günzel, in Zusammenarbeit mit Hermann Doetsch und Roger Lüdeke, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2006 ( Inhaltsverzeichnis ).

MoMo-Vortrag am 14.01.2007

Download: Suhrkamp stw 1800: Inhaltsverzeichnis & Inhaltsangabe

Zill, Rüdiger: Gebrochene Strahlen, zersplitterte Spiegel. Zur Partikularisierung der Weltbetrachtung (September 2007)

Download: Zill_Gebrochene_Strahlen.pdf

Zill, Rüdiger: Philosophen im Weltall. Reflexionen auf die Technik im Jahrzehnt der Raumfahrt (27.07.2008)

Download: Zill_Philosophen_im_Weltall.pdf

Ebeling, Knut: Spiel/Zeug. Eine Archäologie des homo ludens (23.11.2008)

Das Spielzeug ist nicht das Ding der Philosophen, es ist ein objet maudit der Philosophie. Der abgründig unzweckmäßige Gebrauch, den das Kind regelmäßig von ganz normalen Alltagsdingen macht, treibt dem Zweckrationalisten den Schweiß auf die Stirn. Zwischen zweckentfremdetem Alltagsding und interesselosem Kunstwerk, liegt das Spielzeug näher an magischen und fetischistischen Praktiken als an der entzauberten Funktion des Dings.

Aus diesem Grund bringen die alberne Unfeststellbarkeit und übersehbare Banalität der Spielsache jede Metaphysik des Dings (und vielleicht auch den philosophischen Ernst als solchen) zum Entgleisen. Als Un-Ding avant la lettre unterläuft das Spiel-Zeug auch Heideggers Ontologie von Kunstwerk und Zeug, dessen dienendes Wesen es spielerisch dementiert. Denn während Bibliotheken über das Spiel als Vorschule der Ästhetik verfasst wurden, hat sich außer Benjamin für den niedlichen Ab-Fall der Spielsache kaum jemand interessiert. Doch die Kulturtechniken des Spielzeugs wissen etwas, was der blinden Subjektivität des homo ludens (Johan Huizinga) entgeht. Um es zu erfahren, empfiehlt sich weniger eine anthropologische als eine archäologische Perspektive: Das Spielzeug ist ein »epistemisches Ding« (H.J. Rheinberger), aus dem in einer Archäologie des Spiels die Einschreibungen zu dechiffrieren sind, die aus der Erwachsenenwelt als Fremdkörper in das Reich der Kinderwelt eindringen.

MoMo-Vortrag am 23.11.2008

Eberlein, Undine: Leibliche Resonanz. Über Neue Phänomenologie und Tanz (18.01.2009)

In meinem Vortrag möchte ich ausgehend von der Neuen Phänomenologie von Hermann Schmitz und ihrem ›Alphabet der Leiblichkeit‹ versuchen, 1. an Hand von Beispielen aus dem Bereich des Tanzes (und anderer Körperpraktiken) das Phänomen der ›leiblichen Resonanz‹ zu erläutern, mit dem sich das »spürende Verstehen« zwischen Publikum und Tänzern – aber auch der Tänzer untereinander – besser als in ›objektivistischen‹ oder ›subjektivistischen‹ Ansätzen erklären lässt.

In einem 2. Schritt gehe ich auf einige Annäherungen an das Phänomen ›leiblicher Resonanz‹ in der Tanzwissenschaft, aber auch der Geschichte des Tanzes selber ein, wobei sich auch hier die Anschlussfähigkeit und Produktivität des Schmitz&39;schen Ansatzes zeigen wird. Und 3. möchte ich zum Schluss die Frage in den Raum stellen, ob und bis zu welchem Grad die Leiberfahrung ihre eigene Historizität und Kulturspezifik aufweist und mit der Einübung etwa von spezifischen Tanzformen oder Bewegungstechniken qualitativ veränderbar ist.

MoMo-Vortrag am 18.01.2009


(3) Das MoMo Veranstaltungsarchiv 1989 - 1999

Datum Vortragender / Anlass Titel
11.12.1999 Fest 10 Jahre MoMo
11.12.1999 Allgemeine Debatte 10 Jahre MoMo - ein Resumee (mit Beiträgen von Thomas Schäfer, Rüdiger Zill u. Peter-Ulrich Philipsen)
15.11.1999 Patrick Hofmann Heidegger und die Revolution
23.08.1999 Georgi Maisuradze Das Paradigma der Verneinung bei Nietzsche und Freud
19.07.1999 Susanne Klengel Nation, Nationalismus und kulturelle Heterogenität. Zum Konzept der lieus de mémoire in Mexiko (Text)
07.06.1999 Hermann Pfütze Form, Ursprung und Gegenwart der Kunst
17.05.1999 Rüdiger Zill Zerbrochene Spiegel. Philosophie - Mythos - Weltanschauung ( Text )
19.04.1999 Michaela Ott Aus der Übersetzerwerkstatt. Foucaults Vorlesung Il faut défendre la société (1975-76) ( Buch ) ( Vorlesung )
01.03.1999 Marie-Anne Berr Der Schatten des Körpers auf der Wand. Über Kunst und Medien
01.02.1999 Undine Eberlein Das romantische Individualitätskonzept der Moderne ( Buch )
18.01.1999 Thomas Schäfer Politisches Engagement ohne philosophische Basis? Rorty im Spagat zwischen Habermas und Foucault

1998

07.12.1998 Günter Abel Über Interpretationsphilosophie und Ethik
09.11.1998 Hanne Loreck Mode, Maske, Geschlecht. Cindy Shermans Fashion-Fotografie
05.10.1998 Angelika Pillen Zur Hegelrezeption in Frankreich
08.06.1998 Susanne Lüdemann Beobachtungsverhältnisse. Zur (Kunst-)Geschichte der Beobachtung zweiter Ordnung
18.05.1998 Annegret Stopczyk Sophias Leib. Entfesselung der Weisheit. Ein philosophischer Aufbruch
06.04.1998 Udo Tietz Verstehen und Begründen aus dem Kontext. Aspekte eines antifundamentalistischen Universalismus
09.03.1998 Fabian Störmer Hermeneutik und Dekonstruktion der Erinnerung (Hölderlin)
09.02.1998 Hermann Schmitz Präpersonale und personale Subjektivität
12.01.1998 Henning Schmidgen Über Psychologie und Technologie bei Lacan und Deleuze/Guattari

1997

08.12.1997 Udo Tietz Verstehen und Mißverstehen
10.11.1997 Susanne Lüdemann Unsichtbare Massen. Zum Verhältnis von Masse und Medium
06.10.1997 Matthias Kroß Nach dem Fall. Für eine Philosophie des Beispiels
15.09.1997 Rüdiger Zill Poietische Wirklichkeiten. Einleitende Bemerkungen zu einer Philosophie des Bildes
21.07.1997 Ulrich Johannes Schneider Die Form der Universitätsphilosophie
07.07.1997 Simone Mahrenholz Nelson Goodman und Jacques Derrida. Zum Verhältnis von (post-)analytischer und (post-)strukturalistischer Zeichentheorie
02.06.1997 Gregor Schiemann Natur auf dem Rückzug. Zur Aktualität der Aristotelischen Unterscheidung von Natur und Technik
12.05.1997 Peter Bexte Das Sehen des Nichtsehens Figuren der Blindheit in Wahrnehmungstheorie und Kunst. - Zu einem Konflikt von Philosophie und Ikonographie, zwischen Descartes' Dioptrique und einigen niederländischen Bildern
07.04.1997 Sven Brömsel Nietzsche und Stefan George
24.03.1997 Andreas Wildt Moralische Verpflichtungen jenseits moralischer Rechte
03.02.1997 Clemens Pornschlegel Identitätsverweigerungen. Kleine Bemerkungen zur Konjunktur der Kulturwissenschaften
13.01.1997 Caroline Tschuggnall Handeln und Sprechen.Diskurs und Kultur in neueren psychologischen Ansätzen

1996

09.12.1996 Johannes Rohbeck Zur Rehabilitierung der Geschichtsphilosophie
04.11.1996 Andrea Roedig Sartre und Foucault
14.10.1996 Planungssitzung MoMo goes Internet; Einleitung von Dieter Mersch
02.09.1996 Barbara Naumann Kulturen des symbolischen Denkens. Literaturwissenschaft und Philosophie bei Ernst Cassirer
19.08.1996 Workshop Umgestaltung des Sozialstaats - Herausforderung an Intellektuelle (mit Beiträgen von Dieter Mersch, Michaela Ott und Thomas Schäfer)
08.07.1996 Susanne Lüdemann Über mimetisches Verhalten (Girard, Canetti, Lacan)
10.06.1996 Thomas Schäfer Philosophische Überlegungen zum Ende des 'realen Sozialismus'
13.05.1996 Dieter Mersch Jenseits des Symbolischen. Elemente zu einer Philosophie moderner Kunst
15.04.1996 Susanne Klengel Fernand Braudel und Gilberto Freyre, oder Überlegungen aus der Perspektive einer »exzentrischen« Wissenschaft
04.03.1996 Udo Tietz Der Satz. Heideggers Kontamination von Prädikation und Synthesis
12.02.1996 Thomas Schäfer Reflektierte Vernunft. Zu einer Differenztheorie des Diskurses
08.01.1996 Joseph Vogl Schöne gelbe Farbe. Godard und Deleuze

1995

04.12.1995 Georg Lohmann Menschenrechte zwischen Moral und Recht
12.11.1995 Workshop Die Philosophie Richard Rortys (mit Beiträgen von Friederike Müller-Friemauth, Matthias Kroß, Barbara Reiter, Thomas Schäfer und Rüdiger Zill)
02.10.1995 Peter-Ulrich Philipsen Dekonstruktion der Geschlechter bei Jacques Derrida und Judith Butler
04.09.1995 Hilge Landweer Scham. Zur Phänomenologie und Sozialphilosophie eines Gefühls
07.08.1995 Undine Eberlein Geschlechterdualismus und romantischer Individualismus. Eine Kritik an Judith Butler
03.07.1995 Dieter Mersch Paradoxie und Begründung
19.06.1995 Panayotis Kondylis Das Politische in der Konstitution des Sozialen
01.05.1995 Udo Tietz Verstehen und Vergleichen. Bemerkungen zur Hermeneutik Richard Rortys
03.04.1995 Christoph Demmerling Differenz und Gleichheit. Zur Anatomie eines Arguments. Gerechtigkeitskritik zwischen Aristoteles, Derrida und Iris M. Young
26.03.1995 Fest 5 Jahre MoMo
06.03.1995 Matthias Kroß Dilthey und Wittgenstein
06.02.1995 Clemens Friedrich Bachtins Polyphonie der Stimmen. Ein Dialogkonzept zwischen Moderne und Postmoderne
09.01.1995 Michaela Ott Deleuze und die Literatur

1994

05.12.1994 Friederike Müller-Friemauth Was ist postmodern am bürgerlichen Liberalismus? Zur Liberalismus-Debatte um Richard Rorty
07.11.1994 Peter Stephan Denken und Entwerfen am elektronischen Modell
03.10.1994 Workshop Die Metapher (mit Beiträgen von Wilhelm Amann, Andreas Hiepko, Manfred Maengel, Michaela Ott, Peter Stephan und Rüdiger Zill)
01.08.1994 Sabine Vogel Das Bild vom Leser. Widmungsvorreden im 16. Jahrhundert
11.07.1994 Volker Caysa Zur Philosophie des Sports
09.06.1994 Rainer Forst Über Kommunitarismus
02.05.1994 Thomas Schäfer Charles Taylor. Anerkennung und Multikulturalität
18.04.1994 Wilhelm Schmid Die Geschichte des Begriffs »Selbstsorge«. Eine Reise durch die abendländische Geistesgeschichte
21.03.1994 Allgemeines Thema Zu Oswald Spengler Der Untergang des Abendlandes
08.02.1994 Norbert Kapferer Ernst Jünger
10.01.1994 Rüdiger Zill Staatsmodell und Rossegleichnis. Zur Funktion ikonischen Denkens in der Geschichte philosophischer Affekttheorien

1993

06.12.1993 Manfred Maengel Lichtende - Eine Erzählung
01.11.1993 Richard Herzinger Aufbruch in die Stammesgemeinschaft? Die Neue Rechte und ihre Zeitschriften
06.09.1993 Andreas Hiepko Die Manon-Szene in Georg Büchners Dantons Tod
05.07.1993 Thomas Schäfer Jürgen Habermas' Faktizität und Geltung
07.06.1993 Ronald Berg William Fox Talbot und die Erfindung der Photographie
03.05.1993 Wolfert von Rahden et al. Das Böse - Buchpräsentation
05.04.1993 Ulrich-Johannes Schneider Deleuzes Spinoza-Buch und das Problem der Philosophiegeschichte
08.02.1993 Frieder Glauner Transzendenz in der Sprachphilosophie
11.01.1993 Kai-Uwe Hellmann Foucault als Wissenssoziologe

1992

07.12.1992 Richard Herzinger Heiner Müller und die alte Rechte
12.11.1992 Peter-Ulrich Philipsen Das Denken der Differenz. Derrida liest Hegel
07.10.1992 Allgemeine Debatte Nachbereitung des Hannoveraner Kongresses Die Aktualität des Ästhetischen
10.08.1992 Matthias Huff Moderne Lyriktheorie
13.07.1992 Allgemeine Debatte anläßlich der Ethik-und-Ästhetik-Debatte in der FR
04.05.1992 Hedwig Linden Hans Blumenbergs Metaphorologie
06.04.1992 Karlheinz Lüdeking Van Gogh, Malewitch, Duchamp. Die Krise des Objekts
02.03.1992 Frieder Glauner Sprachkonzepte
10.02.1992 Wilhelm Schmid Im Kunstwerk das Leben lernen. Hölderlins Grund zum Empedokles
13.01.1992 Angelika Pillen Der frühe Foucault und die Psychoanalyse

1991

09.12.1991 Uta Werner Paul Celan
11.11.1991 Rüdiger Zill Vom Ornament zum Ereignis. Philosophische Metapherntheorien und ihre Geschichte
07.10.1991 Yvonne Ehrenspeck Balzac
02.09.1991 Ulrich Johannes Schneider Eklektizismus in der deutschen Philosophie des 18. Jahrhunderts
01.07.1991 Kai-Uwe Hellmann Neue soziale Bewegungen aus systemtheoretischer Sicht
03.06.1991 Andrea Roedig Sartre und Foucault
29.04.1991 Hans-Joachim Rike Systemtheorie in der Literatur
08.04.1991 Thomas Schäfer Foucault Einleitung zu seiner Diss.
04.03.1991 Helga Moehrke Die Kunst der Perfomance
04.02.1991 Mai Wegener Freud und Lacan
14.01.1991 Wilhelm Schmid Plädoyer für eine ökologische Ethik
07.01.1991 Rüdiger Zill Der Aphorismus als philosophische Form. Zu Nicolas Chamfort

1990

12.11.1990 Reinhard Bernauer Prometheus
23.10.1990 Rüdiger Safranski Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?
10.09.1990 Wilhelm Schmid Die Philosophie der Lebenskunst bei Nietzsche
02.07.1990 Axel Honneth Das Selbstmißverständnis der Postmoderne
29.05.1990 Gerd Poppenberg Schreiben. Blanchot und Foucault
07.05.1990 Thomas Schäfer Kompositionstechniken und ihre Begründung zwischen Schönberg und John Cage
24.04.1990 Wilhelm Schmid Kunst und Leben - Anmerkungen zu einer wieder auflebenden Diskussion
02.04.1990 Regina Benjowski Ernest Renan - ein Denker des Übergangs?
05.03.1990 Wolfert von Rahden Ein fast vergessener Aktualist Georg Christian Füchsel
06.02.1990 Angelika Pillen Foucault, Husserl und die Psychoanalyse
08.01.1990 Thomas Schäfer Normativität in der Dialektik der Aufklärung

1989

10.12.1989 Christine Pries Kant und die Avantgarde
30.10.1989 Martin Heinze Die Möglichkeit philosophischer Kritik an medizinischen Denkweisen
09.10.1989   Konstitutionstreffen

Der eigentliche Gründungszeitraum von MoMo lag aber sogar noch einige Jahre vorher. Hierzu haben Wolfert von Rahden und Wilhelm Schmid, zwei MoMo-Gründer der "ersten Stunde", aus alten Aufzeichnungen die Ereignisses zwischen 1986 und 1989 folgendermaßen rekonstruiert:

MoMo – Die ersten Jahre: 1986-1989

  • Im Oktober 1986 findet das erste informelle Treffen im „Jahrmarkt“ am Savignyplatz statt. Teilnehmer sind Peter Geble, Wolfert von Rahden, Claus-Dieter Rath, Ulrich Raulff und Wilhelm Schmid. Erörtert wird der Plan, einen außer-institutionellen Ort zu schaffen, an dem Vortragende eigene Texte als „work in progress“ zur Diskussion stellen können. Die Anwesenden einigen sich auf den Namen „MoMo“, um damit auszudrücken und daran zu erinnern, dass man sich jeweils am ersten Montag im Monat treffen wolle.
  • 01/06/87: Konstitutionelle Sitzung in der Praxis von Claus-Dieter Rath (Bleibtreustr. 8), in der alle Zusammenkünfte in der Regel erfolgen sollten; Vortrag von C.-D. Rath: Lebensläufe
  • 06/07/87: Wilhelm Schmid: Renaissance der Lebenskunst
  • 03/08/87: Wolfert von Rahden: Sprachursprungstheorien
  • 07/09/87: Andreas Hartmann: Anfänge der Volkskunde
  • 02/11/87: Wilhelm Schmid: Edgar Degas
  • 06/12/87: Peter Geble: Carl Einstein und Max Raphael
  • 15/02/88: Ulrich Raulff: Mentalitätengeschichte
  • 11/04/88: Martin Roth: Der „gläserne Mensch“ im Dresdner Hygiene-Museum
  • 23/05/88: Martina Rost-Roth: Ethnolinguistik und interkulturelle Sprachwissenschaft
  • 06/06/88: [N.N.]: Autobiographien im Fernsehen
  • 18/07/88: Wolfgang Welsch: Unsere postmoderne Moderne
  • 19/10/88: Ulrich Raulff: Aby Warburgs „Schlangenritual“
  • 07/11/88: Matthias Kroß: Wilhelm Diltheys Ethik
  • 20/12/88: Heinz Dieter Kittsteiner: Fegefeuer und Vorhölle. Zur Entstehung des modernen Gewissens
  • 09/01/89: Christine Pries: Kants Ästhetik
  • 06/02/89: Birgit Hoffmann: Überlegungen zur Iranistik
  • 06/04/89: Thomas Schäfer: Habermas und Foucault
  • 05/06/89: Susanne Scharnowski: Der romantische Briefroman
  • 09/10/89: Konstitutionstreffen des neuen MoMo, zusammengeführt von Mitgliedern des „alten“ MoMo und von Teilnehmern des Foucault-Seminars, das im Fellow-Jahr 1988/89 am Wissenschaftskolleg von François Ewald, dem letzten Foucault-Assistenten, geleitet wurde. Geplant ist, die Veranstaltungen – jeweils wechselnd – in Privatwohnungen der Teilnehmer stattfinden zu lassen.

 (nach Aufzeichnungen von W. v. Rahden & W. Schmid, 31/10/14)