Einstürzende Altbauten

Was macht es, dass die Welt im Innersten auseinanderfällt?
Was macht es, dass die Welt im Innersten auseinanderfällt?

Seit Beginn dieses Jahrtausends scheint es mit der Menschheit auf diesem Planeten abwärts zu gehen - das jedenfalls könnte man meinen, wenn man den ständig anschwellenden Chor nicht nur der Mahner und Verängstigten, sondern auch der manifest Unzufriedenen bis hin zu militanten Möchtegern-Umstürzlern und veritablen Terroristen in seinen Kopf hereinlässt. Das Erstaunliche an dem Phänomen ist, dass es gleichzeitig global aufflammt und doch in sehr verschiedener Art daherkommt. Die Spaltung der US-amerikanischen Gesellschaft ist etwas anderes als ein Ungarn mit einem faschistoiden Viktor Orbán an der Spitze, dieses wiederum schlecht zu vergleichen mit einem englischen Boris Johnson und einem Großbritannien, das sich offenbar verloren hat und nun meint, sich außerhalb der EU wiederzufinden. Überhaupt feiern die Rattenfänger und Dikatoren allerorten fröhliche Urständ, sei es in Venezuela, in vielen Staaten des islamischen Kulturkreises, leider auch in der Türkei, und man möchte sagen: unvermeidlich, auch in Russland.

Trotz der großen Unterschiede im Detail ist hier eine allen gemeinsame Aufregung zu spüren, eine Unruhe und Aggression, deren gleichzeitiges Auftreten vielleicht nicht ganz zufällig ist. Es ist da eine Intensität der Veränderung in der Luft, die enorm aufdringlich ist, uns alle durchströmt, ob wir es wollen oder nicht.

Was, wo, wer sind wir überhaupt?

Die große Frage ist, was der Auslöser all dieser Unruhen, Unzufriedenheit, Rufe nach dem starken Mann (nach einer starken Frau wird von entsprechender Seite nie gerufen), Spaltungen bis zur Unversöhnlichkeit ist. Im vorangehenden Artikel zu diesem wurde bereits angesprochen, dass wir in einer vierfachen globalen Krise stecken: in einer wirtschaftlichen, einer politisch-sozialen, einer umwelt- und klimabezogenen und jetzt auch noch einer gesundheitlichen. Dies allein erklärt aber noch nicht, woher die ganze Aufregung kommt, an der wir seit Jahren in steigendem Maße, meist unfreiwillig, beteiligt sind. Was also ist noch auffällig an unserer Zeit? Wirtschaftliche Faktoren allein können es nicht sein, denn den meisten Menschen auf der ganzen Welt geht es zumindest materiell bessser als vor zwanzig, vierzig oder gar sechzig Jahren.

Der französische Philosoph und stramme Neomarxist Alain Badiou hat in einem kürzlich erschienenen Aufsatz, der als Reaktion auf die seinerzeitige Ermordung vieler Redakteure der französische Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo erschien, behauptet, dass es vor allem die weltweite, riesige Enttäuschung über die Versprechen der westlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung sei, die hinter all den Unruhen bis hin zum Terrorismus stecke (Alain Badiou: Wider den globalen Kapitalismus. Für ein neues Denken in der Politik nach den Morden von Paris, Ullstein Verlag 2016). Diese Erklärung mag für Teile des islamischen Kulturraums und seine spezifische Form des pseudoreligiös begründeten Terrorismus hingehen. Sie taugt aber kaum als Erklärung beispielsweise der Spaltung und Radikalisierung der US-amerikanischen Gesellschaft, die sich ja als Gralshüter eben jenes westlichen Kapitalismus versteht, den Badiou kritisiert. Dennoch ist Badious Erklärungsansatz, wenn auch nur neben anderen, sicher relevant.

Das große Feuerwerk der Emotionen

Wenn wir etwas tiefer gehen und nach Gemeinsamkeiten im Verschiedenen der globalen Aufregung suchen, so dürften etwas allgemeinere Dynamiken hervorstechen:

  1. Allgemein lässt sich ein Verlust der sozialen, kollektiven Geborgenheit feststellen, der sich als undeutlich artikulierte Angst bis hin zum kompletten Vertrauensverlust in die tragenden staatlichen Institutionen äußert.
  2. Dieser Verlust an sozialer Geborgenheit äußert sich teilweise als regressiver Versuch, kollektive Identität mit allen Mitteln wieder herzustellen, sei es durch rassistisch begründeten Fremdenhass, ideologische Ausgrenzung Andersgläubiger oder politisch Andersdenkender oder den Ruf nach einem starken 'Führer', also nach einer neofaschistischen Identifikationsfigur, der man in Treue bis zum Tod nachzulaufen schwört.
  3. Schließlich ist auch Badious Analyse, zumindest in Teilen der Welt, nicht von der Hand zu weisen, dass nach den euphorischen 1990er Jahren viele Gesellschaften auf das Modell des ideologisch siegreichen Westens setzten, nun aber sehen, dass ihre Träume nicht in Erfüllung gingen und womöglich für immer Träume bleiben werden.
  4. Ferner wird die Menschheit durch mehere gleichzeitig, einander teilweise verstärkende Krisen geschüttelt: die wirtschaftliche, die politische, die Umwelt- und die Gesundheitskrise.
  5. Und dann ist da die riesige, über allen anderen wirtschaftlichen und ideologischen Konflikten schwebende Verschiebung der politischen Hegemonialstruktur auf der Erde: Die USA wehren sich gegen ihren Abstiege gegenüber China, Letztere jedoch scheinen nicht nur willens und entschlossen, sondern auch in der Lage zu sein, den neuen Welt-Hegemon zu spielen.

Und als wäre dies nicht genug, wurden vor ca. 20 Jahren noch sehr wirkungsmächtige Brandverstärker namens 'Soziale Medien' erfunden.

Kommunikationstechnik als Brandverstärker

Die sozialen Medien, neben ihrem unbestrittenen Nutzen als Plattformen der privaten Beziehungspflege und der öffentlichen Meinungsverbreitung, sind psychodynamisch allerdings auch ein Hot Spot für das, was man in der Systemtheorie als 'positive Rückkoppelung' bezeichnet. Sie sprechen ihre Nutzer vor allem auf der affektiven, emotionalen, nicht-rationalen Ebene an. Das Publikum, insbesondere jüngere Menschen, suchen vor allem emotional ansprechende Inhalte, die ihre eigenen Voreinstellungen nicht nur bestätigen, sondern erheblich verstärken. Dies führt, wie inzwischen mehrfach nachgewiesen, nicht nur zu ständig zunehmenden Vereineinseitigungen in der Wahrnehmung der Welt, sondern zu dem als 'Echokammer' bekannten Effekt: Man hört nach einer Weile der Auswahl entsprechender Kanäle nur noch seine eigene Stimmung und Meinung, und das in immer größerer Lautstärke.

Die sozialen Medien produzieren im Zuge der Vereinseitigung der Informationskanäle ihrer Nutzer aber noch weitere Folgeeffekte:

  • Die Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersfühlenden und Andersaussehenden nimmt unvermeidlich ab, wenn die eigene soziale Identität, die durch Ängste und reale gesellschaftliche Verwerfungen ohnehin schon ramponiert ist, mit allen Mitteln und vor allem auf emotionaler Ebene wiederhergestellt werden soll.
  • Die Fähigkeit, sich geborgen zu fühlen, nimmt ebenfalls entsprechend ab, weil Geborgenheit eine permanente Vorleistung an Vertrauen und eine Resilienz gegenüber Enttäuschungen voraussetzt, die in den emotionalen Echokammern der sozialen Medien systematisch geschwächt wird. Die dort gepflegte Illusion einer scharf konturierten sozialen Identität gibt es in Wirklichkeit gar nicht.
  • Die hinter all diesen Phänomenen lauernde Angst der einzelnen Person, sich als Idividuum im Nichts einer nicht mehr begreiflichen Weltgesellschaft zu verlieren, wissen interessierte Akteure und Organisationen geschickt für sich zu nutzen, indem sie einerseits die Ängste propagandistisch schüren, andererseits Patentlösungen anbieten, die in Wirklichkeit nichts als Reklame für ihre eigenen Geltungsansprüche sind.

Wie kommen wir aus diesem giftigen Vollbad emotionaler Erregung und Verunsicherung bei gleichzeitigen politischen und wirtschaftlichen Großturbulenzen heraus? Nun, sicher nicht durch Anwendung von Patentrezepten, zu denen übrigens auch der Neomarxismus gehört, der alle Probleme auf die materiellen Ungleichkeiten der Menschen bzw. auf das hegemoniale Herrschaftsgefälle auf der Welt reduzieren möchte. Auch die Patentrezepte der großen Religionen, sei dies der Katholizismus, der Islam oder der Hinduismus, taugen letztlich nicht dazu, die krakenhafte Verschlungenheit der tatsächlichen Verhältnisse neu zu ordnen. Im Gegenteil, sowohl die Sozialrevolutionäre marxistischer Couleur als auch die großen Religionen haben in der Geschichte vor allem eines produziert: Leichen. Das aber will, außer einigen vollkommen Verzweifelten, wirklich niemand.

Geduld, Geduld, Geduld

Die Kräfte, die hier wirken, insbesondere die hegemoniale Konkurrenz zwischen den USA und China, sind so stark, dass das Einzige, was hier eventuell helfen kann, der Versuch der Mäßigung ist.

Diese Mäßigung müsste idealerweise zuerst bei jedem Einzelnen selbst beginnen: Ausstieg aus der Sucht nach starken Gefühlen, nach Bestätigung an falscher Stelle (nämlich im Internet), schließlich der Versuch, auch seine Umgebung zu mäßigen, Vertrauen in die eigenen gesellschaftlichen Institutionen wieder zu stärken - mit einem Wort: sich etwas zu beruhigen.

Alle großen Kulturkreise der Welt haben im Laufe ihrer Jahrtausende alten Geschichte den Wert der Mäßigung entdeckt und gepriesen: die griechische Antike als Sophrosyne (Besonnenheit) und im Stozismus, Indien im buddhistischen Versuch der Distanzierung von den weltlichen Bedürfnissen, um (in Nietzsches Worten) die ewige Wiederkehr des Gleichen irgendwann einmal durch Eingang ins Nirwana zu überwinden, China schließlich in der Weisheit des taoistischen WuWei (Nicht-Eingreifen, Zurückhalten), das dem Vertrauen in eine perfekt kosmische Ordnung entspringt, die man besser nicht stören sollte.

Den Empörten, Ungeduldigen, Besserwisserischen, gar vor Aggression Bebenden mag all dies lächerlich erscheinen. Aber vielleicht ist gerade der blinde Aktionismus, die Besserwisserei und die alles durchströmende Empörung lächerlich - und kontraproduktiv? Vielleicht ist es ausnahmsweise einmal die Stille, die Zurückhaltung und das einfache Spüren der fiebernden Welt, was ihr am ehesten hilft, den offenbar notwendigen neuen Weg zu finden? (ws)

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Moralischer Fortschritt

Es gibt wohl keine wichtigere Frage im weltweiten Nachdenken über die Zukunft menschlicher Gesellschaften als die Frage, ob über den technischen Fortschritt hinaus, der unstrittig ist, auch ein moralischer Fortschritt zu erreichen sei bzw. womöglich sogar notwendig mit dem technischen Fortschritt einhergehe.

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Jene Tätigkeit, die die Menschen vor allem der abendländischen Kultur als 'philosophieren' bezeichnen, wird seit über 2.000 Jahren mal feierlich, mal eher abfällig betrachtet. Was können wir heute überhaupt noch als Philosophie bezeichnen, und welchen persönlichen oder gesellschaftlichen Nutzen hat das Philosophieren jenseits akademischer Expertenwelten und ihrer Eitelkeiten wirklich?

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Das Undenkbare

Es überkommt uns in vielen Nuancen, Schattierungen und Gestalten. Mal ist es empörend, andermal einfach erstaunlich, dann wieder unfassbares Glück, manchmal auch ohne jedes Gefühl einfach nur unmöglich zu verstehen. Am Unheimlichsten ist das Undenkbare vielleicht dann, wenn es gar nicht schwer zu verstehen und der Bereich emotionaler Reaktionen längst überschritten ist: Es tritt etwas ein, das wir nie erwartet haben. Die Realisierung des äußerst Unwahrscheinlichen.

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Gestalten der Wahrheit

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'Soziale Identität': Aufstieg einer Chimäre

Seit einigen Jahren, parallel zum Aufstieg des weltweit aktuellen Populismus, ist nicht nur in den sog. westlichen Ländern wieder verstärkt davon die Rede, dass der soziale Mensch einer ‚Identität‘ bedürfe. Ohne diese sei nicht nur sie/er psychisch angeblich orientierungslos, sondern auch der Zusammenhalt eines jeden sozialen Kollektivs hänge davon ab. Im Gegensatz zum modernen Nationalismus, während dessen Entstehung im 19. Jahrhundert das Konzept ‚soziale Identität‘, wenn auch nicht unter diesem Namen, erzeugt wurde, ist die heutige Berufung auf die angebliche Notwendigkeit sozialer Identität zwar immer noch stark mit der Vorstellung einer homogenen Nation verbunden, dies aber nicht mehr ausschließlich. Stattdessen und in gewisser Weise noch ungreifbarer ist heute, wenn nicht ganz platt von ethnischer Herkunftsgemeinschaft, stattdessen beispielsweise von ‚Wertegemeinschaft‘ und Ähnlichem die Rede. Wie historisch jung all solche Begrifflichkeit ist, zeigt sich beispielsweise daran, dass bei zwei der wichtigsten Gründerfiguren der modernen Soziologie, Max Weber und Émile Durkheim, von ‚sozialer Identität‘ noch keine Rede ist. Das ist nicht erstaunlich, insofern der Begriff ‚Identität‘ ursprünglich nur im logischen Aussagenzusammenhang gebraucht wurde und dort auch eine deutlich längere Geschichte hat als in der politischen Auseinandersetzung.

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Die Demokratie und der Teufel

Seit Kant hat der Teufel einen neuen oder zumindest zweiten Namen: Unvernunft. Sie zeigt sich in verschiedenen Formen, z.B. der einfachen Unwissenheit, des unüberlegten Affekhandelns, der Übertreibung und maßlosen Eitelkeit. Mit all diesen Subteufeln ist die erstarkende Pflanze der Demokratie nach 1945 gut zurechtgekommen. Die weltweite Gemeinde der Vernünftigen war immer klar in Führung, gab den Ton an und setzte sich selbst in solchen Großkonflikten wie jenem zwischen den Atommächten USA und Sowjetunion letztlich durch. Wie kommt es, dass ihr jüngst mit rasender Geschwindigkeit so viele Mitglieder abhanden kommen, dass wir womöglich sogar mit einer Machtübernahme der rasend Unvernünftigen rechnen müssen?

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Was ist ursprünglicher: Qualität oder Quantität?

Zu den nicht gerade dringendsten Fragen unserer Zeit gehören metaphysische Grundprobleme. Deren gibt es in allen Kulturen und Gesellschaften nicht wenige. Weil leider die meisten von ihnen trotz Jahrhunderte langer Behandlung immer noch nicht eindeutig beantwortet wird, verlieren viele Menschen schnell das Interesse daran. Ich wende mich hier nun an diejenigen Untentwegten, die sich bisher nicht haben abschrecken lassen. Es geht im Folgenden um etwas sehr Grundsätzliches. Die Frage lautet: Was ist ontologisch vorgängig, die Qualität oder die Quantität (von Dingen, Prozessen oder was auch immer)?

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Künstliche Unvernunft

Im aktuellen Heft des Economist (Heft vom 21.04.2018, S. 14 oder online hier) wird berichtet, dass die Techniker von IKEA unter großem Aufwand es geschafft haben, einen Roboter so zu programmieren, dass er einen IKEA-Stuhl zusammenbauen kann. Oh Mann! Er braucht dafür allerdings 20 Minuten und somit ein Mehrfaches der Zeit, die ein durchschnittlich begabter Mensch für die Aufgabe benötigt. Auch Tesla, so wird berichtet, schafft seine Produktionsversprechen nicht, weil Elon Musk sich mit der Automatisierbarkeit im Autobau immer wieder massiv verschätzt. Inzwischen gibt er es sogar öffentlich zu. Irgendetwas stimmt nicht mit der Künstlichen Intelligenz.

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Freiheitssehnsucht und Lebenssinn

Es dürfte für wenig Aufregung sorgen zu behaupten, auch wenn es nicht beweisbar ist, dass 'der Mensch' nach Freiheit strebt, und dass er aber auch nach Sinnhaftigkeit seines Daseins verlangt. Diese Auffassung entspringt aber keineswegs nur privaten Empfindsamkeiten. Im weitesten Sinne kann man wohl sagen, dass es in den modernen westlichen Gesellschaften geradezu das oberste Staatsziel ist (neben der materiellen Grundversorgung der Bevölkerung), genau dieses Streben nach Freiheit und Lebenssinn zu befriedigen.

An einer solchen Forderung ist gleichwohl so ziemlich jedes Wort fraglich. Steckt hinter dem Ausdruck 'der Mensch' nicht bereits eine ungeheure Anmaßung, so als ob irgend jemand wissen könne, was für alle einzelnen Menschen gleichermaßen gelte? Streben wirklich alle Menschen nach Freiheit? Und wenn sie das tun, nach welcher? Handelt es sich bei dem Begriff der Freiheit nicht womöglich eine Bedeutungswolke im Wittgenstein'schen Sinne, deren einzelne Felder oder Bereiche nur eine Familienähnlichkeit aufweisen, aber keinen gemeinsamen Bedeutungskern? Und was ist 'Sinn' mehr als eine weitere solche Bedeutungswolke, die kaum zu klarerer extensionaler und intensionaler Vorstellung von ihr zu bringen ist?

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Emergenz: Hoppla, was ist denn das?

Die Einsicht ist inzwischen unvermeidlich, dass die Welt sich entwickelt haben muss, und zwar nicht nur im Bereich des Lebendigen auf unserer heiß geliebten Erde, sondern auch das Universum insgesamt. Denn selbst seit dem Big Bang, also dem Urknall, bis zur Bildung der ersten Atomkerne vergingen in den Zeitbegriffen der modernen Physik bereits Millionen Jahre. Diese kosmische Fähigkeit zur Entwicklung mag uns fröhlich machen, denn immerhin legt sie nahe, dass wir zur Krone einer solchen Schöpfungspotenz gehören. Sie ist aber auch ein tiefes Rätsel, denn der alte Satz "Ex nihilo nihil fit", zu deutsch: "Aus Nichts entsteht nichts", lässt derlei eigentlich nicht zu. Wie kann es also sein, dass sich in einer Ursuppe plötzlich einzelne Elementarteilchen mit Eigenschaften bilden, die in der Ursuppe noch nicht vorhanden waren?

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