Hauptsache Selbsterhaltung?

Mein Interesse, dein Interesse
Mein Interesse, dein Interesse

Moral als Mittel der eigenen Machtsteigerung

Nach Panajotis Kondylis (1943-1998) hat der Mensch letztlich nur ein grundlegendes Interesse: seine Selbsterhaltung (siehe sein Buch „Macht und Entscheidung“). Daraus folgen alle seine anderen Interessen – dabei und wieder vorrangig insbesondere das nach Machtsteigerung; denn mehr Macht bedeutet mehr Möglichkeiten der etwas komfortableren Selbsterhaltung bzw. Interessendurchsetzung. Schnell merkte „der“ Mensch – oder vielmehr einige wenige: Macht kann er steigern durch Berufung auf Moral – also wird er Moralist. Aber „der“ Mensch bzw. viele davon berufen sich auch gerne auf die Moral, um die am eigenen Leib erfahrene Machtausübung der anderen wenigen doch ein ganz klein wenig zu beschränken; sie steigern also durch Moral nicht so sehr ihre Macht, sondern dämpfen die der anderen (zumindest etwas).

Am Ende kann der Mensch sogar vor lauter Moralisieren so sehr Moralist werden, dass er sein grundlegendes Interesse – das der Selbsterhaltung – über Bord wirft und sich für höhere Zwecke opfert. War also nicht so weit her mit der Selbsterhaltung. Doch, doch – versichert Kondylis und weist nach, dass die Selbsterhaltung so erfolgreich betrieben werden kann, dass sie sich selbst gefährdet. Das Eingeständnis, dass es neben der Selbsterhaltung noch eine ganze Reihe anderer gleichrangiger Bedürfnisse des Menschen gibt, hätte ja die Rückführung auf diesen einen Grund gefährdet. Und alles auf einen Grund zurückzuführen, gilt nun mal unter Monisten als sehr schick.

Moralisiert der Mensch erfolgreich, kann er auf den offenen Zwang, gar die Gewalt verzichten – vorausgesetzt, er hat sowieso die Mittel, sich zur Not auch ohne Moral durchzusetzen. Also geht es doch mehr um Macht als um Moral? Wie auch immer: was der Gutsherr im Großen mit vielen macht, das kann der kleine Leibeigene wenigstens (und mit wenigen) zu Hause im Kleinen tun Es moralisiert sich also weit erfolgreicher, wenn man zur Not auch Zwang und Gewalt ausüben kann. Aber es ist trotzdem besser und eleganter, etwa eine Arbeitsmoral in die Welt zu setzen als den Angestellten morgens von einem Polizisten abholen zu lassen.

Das große Verstecken

Das Argumentieren mit der Moral wird aber keineswegs so ernst genommen, wie Kondylis das oftmals unterstellt – zumindest nicht im bürgerlichen Alltag. Die Moralernstnehmer sitzen eher in den Universitäten, der gesellschaftliche Mensch (und in seiner speziellen Form als Politiker oder Wirtschaftsführer sowieso) ist sich seiner Heuchelei durchaus bewusst – und der der anderen. Denn er hat eben gelernt, sein Interesse nicht nackt zu äußern, sondern etwa im Namen von Anstand und Würde. Nicht das eigene Anliegen trägt man vor, sondern  man redet über Moralprinzipien.

Interesse kann sich eben nicht nackt als Interesse vertreten – es muss sich auch auf einen höheren Zweck berufen. Der Gegner der eigenen Interessen, das man bekämpfen will, macht es ja vor; und dessen Erfolg möchte man ja nachahmen, nun aber zum eigenen Vorteil. Das kennen wir alle und tun wir alle. Etwas ist nicht nur in unserem Interesse, sondern dass wir das Etwas nicht bekommen, ist „ungerecht“. Selbst der mehr oder minder Gezwungene tut das – entweder indem er sich auf die Moral der Zwingenden beruft (und darin „Ungerechtigkeit“ entdeckt) oder auf ein eigenes Normensystem. Heuchelei ist also in jedem Fall unvermeidlich, denn es ist „Moral“ im Spiel; und man merkt, wie viel Widerwillen und Spott das bei Kondylis hervorruft. Wäre da nicht ein moralfreies „das will ich lieber nicht“ einfacher, fragen wir? Für die vielen ginge das allemal (ihre kleinen Interessen leuchten unmittelbar ein und brauchen viel weniger Berufung auf Moral), nur die wenigen mit ihren herrschaftsfördernden Moralen und maßlosen Interessen kämen da heftig ins Schleudern.

Das Interesse des Menschen ist laut Kondylis vorrangig erstmal nur sein eigenes – und das ist auch gar nicht schlimm, hängt es doch stark vom Inhalt des Interesses ab, wie andere das Interesse des einen empfinden (sagen wir). Aber nur im eigenen Interesse will „der“ Mensch seine Macht steigern (sagt jetzt wieder Kondylis) - was immer nur auf Kosten der anderen zu haben sei. Dass zwei oder mehr dasselbe Interesse haben könnten – etwa Ende ihrer Leibeigenschaft – passt zwar in das Kondylische Denken, aber gilt ihm nicht als berechtigtes Interesse, sondern vielmehr als Machtanspruch. Wir lernen schnell: alle sitzen in einem anthropologischen Boot, die mit wenig (Macht)Mitteln und die mit vielen. Die Schafe gleichen den Wölfen in ihrem Streben nach Selbsterhaltung und Machterweiterung. Wir verstehen plötzlich alles – ein tolles Machtgefühl. Wenn alles aber Selbsterhaltung und Machterweiterung ist, dann sind offensichtlich sehr viele schlecht in diesem Spiel: regelmäßig etwa steht es nicht gut um ihre Selbsterhaltung im Kriegsfall. Da tröstet das Machtgefühl des Verstehens wenig. Nimmt der mit den wenigen Machtmitteln Kondylis aber ernst, so geht es ihm ähnlich wie nach einem Besuch beim Psychologen: er schließt logisch, dass es eben an ihm selbst liegt, dass es mit der Machterweiterung nicht so gut läuft bei ihm. Der mit der bereits sehr gesteigerten Macht wird vermutlich Kondylis nicht lesen – oder es weglegen, weil er das alles schon aus der eigenen Lebenspraxis weiß.

Kondylische Machtanalyse hilft folglich auch wenig dabei, an der gesellschaftlichen Normalverteilung von Macht(mitteln) etwas verändern zu wollen – außer natürlich, man streicht seine Anthropologie und rückübersetzt sie als Schilderung von gesellschaftlichen Situationen von Menschen. Die sind geworden, könnten sich also ändern – die haben Gründe und an denen könnte man ansetzen. Da kämen zum (fiktiven) Machtgefühl des Verstehens auch noch die (realen) Machtmittel dazu. Anthropologie aber kann man nicht ändern.

Die gähnende Leere hinter dem Willen zur Macht

Die Inhalte der Interessen der Menschen werden von Kondylis nicht einer näheren Untersuchung unterzogen – wozu auch: sie sind immer letztlich (und man möchte hinzufügen: bloß!) Ausdruck seines Selbsterhaltungsstrebens und damit seines Strebens nach Machtsteigerung. Das Interesse nach körperlicher Unversehrtheit zählt Kondylis gleich viel bzw. gleich wenig wie das Interesse anderer an der Verletzung eben dieser Unversehrheit. Alle Interessen sind ihm gleich(gültig), völlig unabhängig davon, um was es bei den Interessen der einzelnen geht. Die Mutter, die Nahrung für ihr Kind will, zählt genauso viel oder wenig, wie der Diktator, der sich noch einen Palast bauen will. Das mag den Moralisten empören – aber nur weil er darin die moralische Verfehlung einzelner sieht und kein System, das genau dafür eingerichtet ist. Aber Kondylis ist kein Moralist, sondern „parasitärer Feinschmecker“ (wie er in provokativer Eitelkeit freimütig bekennt: „Macht und Entscheidung“, S.129): die Schauspiele, die sich dabei ergeben, bieten Genuss und bewahren vor dem Genuss beendenden Selbstmord, der sich nun mal sehr leicht aus dem „Alles angeblich Wertvolle ist Fiktion“ ergibt.

Ist die Lage nicht günstig für die Interessen der meisten (und bisher kennen wir das kaum anders), dann ist das so für Kondylis. Das ist nicht Ausdruck historisch gewordener Lagen, in großem Maßstab durchgesetzter Interessen mit einem bestimmten Inhalt, sondern anthropologisch verankert. Man kann das nicht ändern – höchstens dafür sorgen, dass eine Gruppe ihre Interessen auf Kosten anderer Interessen durchsetzen kann, also ihren Machtanspruch in reale Macht umwandelt. Statt dass die einen gezwungen werden, werden nun die anderen gezwungen (etwa ihre Ländereien abzugeben, weil es nun vorbei ist mit den Wenigen des Adels) – aber wirklich geändert hat sich nichts, denn immer noch geht es letztlich nur um Selbsterhaltung und Machtsteigerung (jetzt für die Wenigen des Bürgertums). Was dabei inhaltlich gewollt wird, ist gleichgültig, denn alle Interessen sind auf derselben Ebene angesiedelt. Dass man dabei leicht ins zustimmende Nicken kommt, liegt daran, dass ja damals tatsächlich „nur“ der adelige Zwang durch den bürgerlichen Zwang ersetzt wurde. Und der Gedanke, dass man den bürgerlichen Zwang durch keinen Zwang ersetzen kann, ist aus der Mode gekommen – nicht zuletzt durch die Beglücker der Arbeiterklasse, die den Zwang so kultiviert haben, dass man den bürgerlichen dagegen als leichte Last empfinden könnte.

Also hat es Kondylis nicht interessiert, bestimmte Interessen darauf hin zu untersuchen, wie sie es mit den Interessen der anderen, vielleicht sogar der meisten halten. Am liberal-normativen Rationalismus fiel ihm auf, dass dieser Fragen wie „für wen ist etwas nützlich“ oder „wer soll darüber entscheiden, ob etwas und in welcher Hinsicht es nützlich ist oder nicht“ gar nicht erst stellt („Macht und Entscheidung“, 59) – das gilt aber leider auch des Öfteren für Kondylis selbst. Gut war er aber darin zu untersuchen, welche ideologische Form ein Interesse angenommen hat und wie man es möglichst präzise bezeichnet (siehe sein Werk „Konservativismus. Geschichtlicher Gehalt und Untergang“ oder auch – aber weniger präzise – in „Der Niedergang der bürgerlichen Denk- und Lebensform“). Und er hat uns geschildert, wie die ideologische Form der Interessen in der Aufklärungsepoche aufeinander gestoßen ist; dabei nennt er die an der Machterhaltung interessierten sehr klar (Adel und Kirche), drückt sich aber um die deutliche Benennung der Schafe, die zu gesellschaftlichen Wölfen werden wollen (das aufsteigende Bürgertum). Alles nachzulesen in „Die Aufklärung“. In „Das Politische und der Mensch“ fällt er viele richtige Urteile über die falschen Urteile soziologischer Theoretiker – und ersetzt die inhaltsleeren Formeln der Soziologie durch seine eigenen. Wie inhaltsvoll die sind, wird sich dem Leser zeigen.

Ob es denn sogar Lagen geben könnte, bei denen Interessen auf Zwang und Moral verzichten könnten, um sich durchzusetzen bzw. warum die Lage so ist, dass bestimmte Interessen Zwang und Moral brauchen zu ihrer Durchsetzung, hat Kondylis sich nicht gefragt. Das war für ihn so, denn es ist ja noch nie anders gewesen. Durch sein Absehen vom Inhalt der jeweiligen Zwangsgemeinschaft namens Gesellschaft war ihm diese Frage nicht möglich (wie übrigens auch großen Teil der Soziologie) – und auch nicht nötig: denn ist eh alles Selbsterhaltung und Machtsteigerung.

Die Ideologie der Machterhaltung als Perspektivlosigkeit

Nicht über bestimmte Interessen, die letztlich Zwang und Gewalt brauchen, um sich überhaupt durchsetzen zu können, spöttelt er; nein, Quelle von Gewalt, Unglück und Elend ist ihm die Moral – und keineswegs die Interessen, die sich hinter der Moral verbergen. Da hat ihn all seine Marx-Lektüre und –Bewunderung nichts gelehrt. Dass und was es mit den Interessen hinter der Moral auf sich hat, worin sie bestehen, auf wessen Kosten sie notwendig durchgesetzt werden müssen – das ist ihm egal, daran hat zumindest er kein Interesse. Es hätte sich ja auch schnell zeigen können, dass das Projekt „Machtsteigerung“ für die meisten eher mickrige Ergebnisse erbringt und sie viel mehr fast immer Opfer des Projekts „Machtsteigerung“ werden, dass einige wenige weit erfolgreicher betreiben als sie (etwa weil sie es von ihren Vätern gelernt haben, die es wiederum von ihren hatten).

Interesse aber hat Kondylis an einer Theorie, die das alles erklären kann, also in den menschlichen Dingen. Und das sind nun mal meist die gesellschaftlichen Dinge. Das ist, was ihn antreibt: wie lässt sich erklären, dass alles letztlich so bleibt, wie es war (Selbsterhaltung und Machtsteigerung) – auch wenn sich die Formen und die Inhalte ändern. Und dass das alles letztlich allein auf Selbsterhaltung in ihrer sozialisierten Form zurück zu führen sein soll. Und das kann auch für so einige Leser interessant sein. Und er – der Leser - kann sogar etwas daraus lernen für seine eigenen Interessen. Ewa wenn er sich fragt, wieso das postmoderne „Anything goes“ eigentlich so gar nichts an seiner Lage in der gegenwärtigen Gesellschaft ändert, warum sich das Gefühl von Freiheit nicht so ganz einzustellen vermag, sich die Gesellschaft etwa bei der Arbeitsplatzvergabe als gar nicht so beliebig herausstellt (siehe seine Studie „Der Niedergang der bürgerlichen Denk- und Lebensform“). Und schon bald könnte ihm – dem Leser, Kondylis leider nicht - der Verdacht kommen, dass die bürgerlichen Wölfe in Teilen postmoderne Kreide gefressen haben (siehe hierzu meinen Beitrag bei Iablis), weil die nun postmodern-freiwilligen, sich den Zwang als Selbstverwirklichung und Freiheit verklärenden Schafe nun mal allergisch auf den Neuaufguss der Altliberalismus als Neoliberalismus reagieren. Der sagt nämlich allzu offen, dass völlige Freiheit für den Bereicherungswillen der wenigen – also deren Interesse - gut für alle ist (was natürlich nicht immer, aber zu oft geglaubt wird). Dass er immer frecher daher redet in den letzten Jahrzehnten, spricht übrigens dafür, dass das Bürgertum die eigene Lage sehr positiv einschätzt und das lange Kreidefressen zunehmend leid war.

Für das Streben der vielen Menschen nach Verbesserung ihrer Lage, für die große Überzahl der Interessen, denen es an Mitteln zu deren Durchsetzung fehlt, zeigt Kondylis auch kein Interesse. Das würde allzu schnell nach Moral riechen – und die ist ja Fiktion. Interessen sind es zwar nicht (fiktional), aber – wir gähnen bereits – bei den Interessen geht alles letztlich nur um Selbsterhaltung und Machtsteigerung. Dass gerade die Interessen der vielen auf Selbsterhaltung, gar Lebensgenuß unter etwas angenehmeren Bedingungen zielen, gerät da schnell aus dem Blick. Aufmerksamkeit bekäme dieses Interesse nur, wenn es sich organisiert und kollektive Machtsteigerung will. Verstehen kann man Kondylis Desinteresse schon: hat er doch einen wachen Blick dafür, dass die vermeintliche Durchsetzung der Interessen der vielen allzu leicht darin endet, dass zu viele der Wortführer dieser Interessen (und das sind auch wieder wenige) am Ende doch nur wieder ein eigenes Interesse entdecken, dass mit dem Interesse der Repräsentierten kollidiert. Ob das vielleicht daran lag, dass es zuwenig Güter zu verteilen gab (damals, im roten Rußland) und es Verwalter des Mangels brauchte, wäre schon wieder zu sehr nach den Gründen gefragt (die man ja dann beseitigen könnte); bleiben wir mit Kondylis lieber auf der anthropologischen Ebene. Die Lage ist unabänderlich, weil sie nicht gesellschaftlich, durch bestimmte Interesse (der wenigen) verursacht ist, sondern sich der conditio humana verdankt. Blöd für die meisten, gut für die wenigen Machtsteigerer und –erhalter. Auch mit Kondylis kann man also durchblicken – und trotzdem mitmachen. (Harald Dietz)

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