Moralischer Fortschritt

Die Heiligen des moralischen Fortschritts: Jesus, Sokrates, Buddha, Konfuzius
Die Heiligen des moralischen Fortschritts: Jesus, Sokrates, Buddha, Konfuzius

Die Kernfrage

Es gibt wohl keine wichtigere Frage im weltweiten Nachdenken über die Zukunft menschlicher Gesellschaften als jene, ob über den technischen Fortschritt hinaus, der normalerweise unstrittig ist, im Großen und Ganzen auch ein moralischer Fortschritt zu verzeichnen sei, ja ob dieser womöglich notwendig mit dem technischen Fortschritt einhergehe. 'Moralischer Fortschritt' ist hier im Kleinen wie Großen zu denken: Er betrifft sowohl den durchschnittlichen Wert der Handlungen einzelner Personen als auch jenen kleiner und großer Organisationen bis hin zum moralischen Verhalten ganzer Staaten und Staatenbünde.

Diese Frage beschäftigt alle Gesellschaften, die sich von einem rein zyklischen Denken verabschiedet haben und grundsätzlich die Möglichkeit einer fortschreitenden, d.h. nunmehr linearen sozialen Entwicklung in Betracht ziehen. Im antiken Griechenland war diese Auffassung noch nicht fest etabliert. Immerhin lehrte Polybios noch lange nach Platon und Aristoteles den bekannten Verfassungskreislauf , d.h. einen zyklischen Wechsel gesellschaftlicher Grundordnungen, die bei ihm auch stark moralisch konnotiert waren im Sinne eines ewigen Kreislaufs von politischem Verfall und Neuanfang.

Technischer versus moralischer Fortschritt

Lassen Sie uns die Frage, welche Chance der moralische Fortschritt in einer globalisierten Menschheit hat, nach Art einer Sportberichterstattung über ein gerade stattfindendes Mannschaftsspiel behandeln. Das eröffnet uns die Möglichkeit, zunächst die Aufstellung der beiden Mannschaften zu untersuchen, um daraufhin eine Prognose über den Gewinner abzugeben. Jene beiden Mannschaften teilen sich in folgende Lager: Das eine behauptet, dass sich zumindest über längere Zeiten hinweg die globalisierte Menschheit moralisch verbessere. Was das überhaupt heißen soll, ist bereits Teil der weiteren Auseinandersetzung, d.h. des eigentlichen Spiels. Das andere Lager behauptet dagegen, dass ein solcher Fortschritt nicht stattfinde und auch kein nachvollziehbarer Grund für seine Annahme vorliege.

Nun ist vorweg bei Betrachtung beider Mannschaftsaufstellungen festzustellen, dass sie beide keineswegs ihren Fortschrittswunsch leugnen. Insbesondere bestreiten auch die Leugner des stetigen moralischen Fortschritts nicht, dass zumindest ein technischer Fortschritt in allen großen Kulturen der Welt über die Zeitspanne ihres Bestehens zu verzeichnen sei: Diese sei Fakt. Fraglich ist unter dieser Voraussetzung also lediglich, ob mit einem technischen Fortschritt auch ein moralischer einhergeht, und falls dies angenommen wird, aus welchem Grunde. Hier nun liegen die beiden Mannschaften über Kreuz: Die einen meinen, technischer Fortschritt habe mit moralischem Fortschritt nichts zu tun, die anderen sehen zwischen beidem durchaus eine (letztlich notwendige) Verbindung.

So weit, so klar. Leider liegen die Dinge bei näherer Betrachtung doch nicht so einfach. Betrachtet man den Streit beispielsweise aus juristischer Perspektive, so fragt sich zunächst, wer die Beweislast für die zu entscheidende Frage trägt. Hier nun scheint es so zu sein, dass infolge der unklaren historischen Faktenlage, was den kollektiven moralischen Fortschritt betrifft, die Gegner der moralischen Fortschrittsbehauptung sich auf diese Unklarheit zurückziehen können, womit automatisch die Beweislast des notwendigen moralischen Fortschritts auf die Seite der Befürworter fällt. Lassen Sie uns diese Entscheidung der Beweislastverteilung zunächst akzeptieren, damit wir in der Sache vorankommen.

Widerspruchsfreiheit als Minimalkriterium

Damit kommen wir zum nächsten Hindernis auf dem Weg zur Spielentscheidung: Wie kann man moralischen Fortschritt überhaupt inhaltlich bestimmen? Es gibt sehr unterschiedliche Ethiken, aus denen untereinander durchaus unvereinbare moralische Forderungen resultieren. Wer hat hier das Recht, schon vorab zu entscheiden, was als moralisch gut oder schlecht zu bewerten sei? Überraschenderweise lässt sich auch dieses Hindernis recht leicht überwinden. Wir brauchen zur Feststellung des moralischen Fortschritte nämlich gar keine inhaltliche Konkretisierung von Gut und Böse bestimmter Handlungen oder Zustände vorzunehmen. Es genügt die Probe der Widerspruchsfreiheit. Diese fordert nicht mehr, als dass das moralische Verhalten aller betrachteten Subjekte (seien dies einzelne Personen oder Organisationen) hinsichtlich der Erfüllung ihrer eigenen moralischen Standards hin geprüft werden soll. Welche solcher Standards diese Subjekte anlegen, bleibt folglich ganz außer Betracht. Als unmoralisch gelten nur sämtliche solche Handlungen und die aus ihnen folgenden Zustände, die den jeweils eigenen moralischen Überzeugungen der sie verantwortenden Subjekte widersprechen.

Nach dieser Vorabklärung der Beweistlast und der materiellen Qualifikation moralischer Handlungen rücken nun beide Mannschaften ins Zentrum ihrer eigentlichen Streitfrage vor. Da der technische Fortschritt von beiden Seiten bereits zugegeben wurde, bietet sich an, von hier aus eine Brücke zur Entscheidung der Frage auch zum moralischen Fortschritt zu schlagen. Lassen Sie uns diesbezüglich zunächst kurz klären, wieso der technische Fortschritt tatsächlich mit historische Notwendigkeit folgt. Auch diese Frage ist nicht schwer zu beantworten: Menschen sind die einzigen Lebewesen, die nicht nur über die Fähigkeit zur symbolischen Repräsentation ihrer Vorstellungen auf der Ebene der Einzelperson imstande sind. Sie haben diese Fähigkeit darüber hinaus zu einem intersubjektiven und sogar intergenerationellen Kommunikationssystem ausgebaut. Dies hat zur Folge, dass Wissen über den Tod jener Person, die es zum ersten Mal erworben hat, weitergegeben und damit nachprüfbar objektiviert werden kann. Damit aber nicht genug: Auf solcherart tradiertes Wissen können die Nachfolger verbessernd aufbauen, so dass sich hier tatsächlich eine Art Widerhaken-Effekt (engl: ratchet effect) ergibt: Das Wissen akkumuliert sich. Es geht somit nur noch 'vorwärts', weil normalerweise niemand bereit ist, hinter einen einmal erworbenen und bewährten Wissensstand zurückzugehen. Das klingt sehr plausibel, denn immerhin hat dies in vielen der großen Kulturen über die Jahrhunderte wirklich stattgefunden. Es spricht auch einiges dafür, dass genau dieser Effekt der Grund für die höhere Durchsetzungsfähigkeit jener Kulturen ist, die ihre entsprechenden kollektiven Fähigkeiten stärker nutzen.

Wissensakkumulation als Steilvorlage für den moralischen Fortschritt

Wie aber könnte die Verbindung eines solchen 'technischen' Widerhaken-Effekts zum moralischen Fortschritt aussehen?

Hier kann nun die Mannschaft der Befürworter mit einem zumindest theoretisch guten Argument aufwarten. Wie weit es praktisch tauglich ist, bleibt dagegen offen. Die Befürworter können mit einiger historischer Plausibilität behaupten, dass moralische Standards begründet werden müssen, um tatsächlich in einer Gesellschaft dauerhaft Fuß zu fassen. Nun fallen solche Begründungen moralischer Vorschriften häufig nicht gerade unangreifbar aus. Insbesondere ist die Berufung auf göttliche oder sonstige transzendente moralische Autoritäten ein zwar verbreitetes, aber leider für Ungläubige schwer akzeptables Argument. Gibt es aber ein anderes, das womöglich überzeugender ausfällt? Ja, überraschenderweise gibt es dies in der Tat.

Auf irdische Tatsachen können sich Menschen nämlich in der Regel leichter einigen als auf himmlische Autoritäten. Wir können also die Frage stellen, wovon es unstreitig abhängt, dass es Menschen besser geht. Die hierzu herangezogenen Fakten müssen lediglich solche sein, die sich intersubjektiv, d.h. objektiv bestätigen lassen. Methodisch sind sind wir an dieser Stelle bereits durch unseren Nachweis des technischen Fortschritts geschult; sehr gut. Nehmen wir nun beispielsweise an, dass sich beide Parteien darauf einigen, ein festgestelltes, dauerhaft geringeres Maß an inakzeptabler Gewalt und Kriminalität ohne schärfere soziale Repression sei ein Indiz für den moralischen Fortschritt einer Gesellschaft. Dies einmal zugestanden (was nicht schwer sein dürfte) schlösse sich die Frage an, was der Grund für eine solche positive Entwicklung sei. Hier wiederum ist es durchaus plausibel, von einer kollektiv veränderten moralischen Einstellung auszugehen, mithin von allgemein besseren Verhaltensregeln und deren weitgehender Befolgung.

Unter diesen Voraussetzungen wäre das Spiel zunächst 0:1 für die Befürworter des kollektiven moralischen Fortschritts entschieden.

Weitere Ausssichten nach Ausgang der 1. Spielrunde

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Die Gegener werden ein Remis einfordern mit der Begründung, dass selbst bei Zugeständnis des kollektiven moralischen Fortschritts keineswegs klar sei, ob dieser auch auf der subjektiven Ebene der einzelnen Person stattfinde. Es gibt nämlich keinerlei anthropologische Evidenz für die Behauptung, dass sich der einzelne Mensch seit den Frühzeiten des homo sapiens spürbar moralisch entwickelt habe. Wenn dies tatsächlich der Fall ist, so stellt sich die Frage, wie es wunderbarerweise dennoch zu einem kollektiv zwingenden moralischen Fortschritt kommen soll.

Warten wir die nächste Spielrunde ab. Zuschauereinwürfe sind jederzeit willkommen (bitte keine leeren Flaschen). Ich persönlich halte die noch offene Frage mit einiger Geschicklichkeit für entscheidbar zugunsten der moralischen Entwicklungsbefürworter. Aber schauen wir einmal: Nach dem Spiel ist bekanntlich immer vor dem Spiel. So schnell wird unser moralischer Mannschaftssport nicht langweilig werden. (ws)

(Wolfgang Sohst ist Autor auf ResearchGate. Seine Aufsätze zur Metapyhsik und Sozialphilosophie finden Sie hier.)

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