Tschüs, Spaßgesellschaft...

Vier Krisen gleichzeitig, und das weltweit

Wenn Ordnung generell verloren geht...
Wenn Ordnung generell verloren geht...

Wir leben in extremen Zeiten, neuerdings vor allem in extremen Krisenzeiten. Nachdem der Fall des Eisernen Vorhangs Anfang der 1990er Jahre erst das Paradies auf Erden versprach, nämlich das Ende des Kalten Krieges, verdüsterte sich schon wenige Jahre später der Ausblick erheblich - und nachhaltig.

Es begann im Jahr 2000 mit dem Platzen der Dot-Com-Blase, was noch relativ glimpflich verlief im Vergleich zu dem, was dann kam. Ihr folgte auf dem Fuße das erste einer Reihe von wirklich welterschütternden Ereignissen, nämlich der 11. September 2001. Die ganze Welt schaute ungläubig dem Einsturz der beiden Türme des New Yorker World Trade Centers zu. War das möglich? Dem folgten zwei Kriege, die bis heute andauern: jener in Afghanistan und der zweite ursprünglich im Irak, inzwischen als Flächenbrand auf große Teile des Nahen Ostens ausgedehnt. Damit aber nicht genug. Es schlossen sich vier weitere Krisen an, die bis heute andauern. Das Neue und Besondere an diesen Krisen ist aber nicht nur ihre globale Wirkung, sondern dass sie sich auf vier verschiedenen Ebenen abspielen, die einander gegenseitig verstärken.

Der 1. Schlag: Die ständig fortschwelende Finanzkrise von 2007 - 2011

Im Jahr 2007 geriet das gesamte Bankensystem der Welt ins Wanken, weil - ausgelöst durch eine beispiellose Menge an nicht anders als kriminell zu bezeichnenden Immobilienkrediten an mittellose US-Haushalte - mit einem Schlag das gegenseitige Vertrauen der großen Bankinstitute der Welt zu verdampfen schien. Es drohte ein abrupter Stillstand der Weltwirtschaft. Der konnte nur dadurch verhindert werden, dass von den großen Notenbanken gigantische Geldmengen aus dem Nichts geschaffen und an die Geschäftsbanken in aller Welt verteilt wurden, um deren Liquidität nicht zu gefährden. Die Radikalkur wirkte: Das weltweite Bankensystem brach nicht zusammen, nur eine Großbank namens Lehman Brothers ging pleite. Das war noch zu verkraften. Seitdem aber kosten Kredite nichts mehr, Guthaben werden weltweit sogar mit Strafzinsen belegt. Die aufgeblasene Geldmenge ist nicht mehr zurückholbar. Fast die gesamte Welt macht seitdem immer mehr Schulden. Niemand glaubt im Ernst noch daran, dass sie je getilgt werden. Die gesamte Weltwirtschaft lebt auf einer riesigen Luftblase aus gegenseitigen Schuldversprechungen, deren künftiges Verhalten niemand voraussagen kann.

Der 2. Schlag: Die Krise des Weltklimas

Natürlich gibt es Menschen, die leugnen, dass die Verbrennung von Billionen Tonnen der über Hunderte von Millionen Jahren entstandenen fossilen Brennstofe in wenigen Jahrzehnten eine Wirkung auf das Erdklima hat. Die Statistiken sind aber eindeutig. Die Extrema der Wetterlagen, die Dürren, Überschwemmungen, Hurrikans, Hitze- und Kälteschocks nehmen sprunghaft zu. Die Meeresspiegel steigen mit erschreckender Geschwindigkeit. Neunzig Prozent aller Großfische sind bereits durch Überfischung oder tödliche Lebensräume ausgerottet. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2020 wurden über 2.000 Quadratkilometer des Urwalds im Amazons gerodet; dies ist nochmals eine Steigerung von mehr als 50% gegenüber dem Durchschnitt der Vorjahre. Wer immer noch glaubt, dass die global-industrialisierte Menschheit immer so weitermachen kann, wie es Europa und die USA die letzten einhundertfünfzig Jahre vorgemacht haben, muss mit Blindheit geschlagen oder vollkommen gewissenlos sein.

Der 3. Schlag: Die weltweite politische Krise

Die Jahre 2016 und 2017 brachten eine weiteren Krise in einer neuerlich unerwarteten Dimension, nämlich eine weltweite politische Kehrtwende. Großbritannien stimmte nach einer skandalösen Kampagne, die ohne Rücksicht auf Wahrheit und Aufrichtigkeit geführt wurde, für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union. Als wäre das noch nicht genug, siegte nur Monate später Donald Trump, ein vor nichts zurückschreckender Möchtegern-Milliardär, im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Sein Sieg offenbarte eine sich immer stärker vertiefende Spaltung der gesamten US-amerikanischen Gesellschaft. Auf der einen Seite radikalisierten sich dort obsessive Waffenfanatiker, Verschwörungstheoretiker, religiöse Extremisten, selbstbewusste Neonazis und national-aggressive America-first-Schreihälse, allesamt bestens organisiert und tatbereit, während sich auf der anderen Seite ein reichlich hilflos wirkendes liberal-demokratisches Publikum die Augen rieb und erst nach Jahren aufraffte, überhaupt den Abgrund zu sehen, der sich in ihrer Gesellschaft auftat. Die Unversöhnlichkeit beider Seiten wird sich nicht auflösen, wenn Herr Trump Ende dieses Jahres wahrscheinlich sein Amt verliert. - Doch auch hierin waren die USA kein Einzelfall. Das Vertrauen in die Selbststeuerung demokratischer Gesellschaften ist weltweit im freien Fall. Auf den Philippinen, in China, Ungarn, Russland, Polen, Venezuela und weiteren Staaten greift wilder Autoritarismus bis hin zum offen gewalttätigen Despotismus um sich, und große Teile des Publikums johlen sogar noch begeistert dazu. Man hat den Eindruck, größere Teile der Menschheit wünschen sich eine Sozialordnung zurück, wie sie bei den Schimpansen herrscht: Der stärkste Affe soll Chef sein, egal mit welchen Mitteln. Auch in dieser Krise, die nicht nur eine politische Krise ist, sondern auch eine der Vernunft und des Bekenntnisses zur Aufrichtigkeit und Wahrheit, sieht bislang kein Ende.

Der 4. Schlag: Die Corona-Pandemie

Als ab dem Jahr 1917 bis ca. 1923 ca. 50 Millionen Menschen weltweit an der damals so genannten "spanischen Grippe" starben, musste die Menschheit dies weitgehend hilflos hinnehmen. Sie verdrängte sogar den Schock, dass diese Krankheitswelle ungefähr dreimal so viele Opfer kostete wie der Erste Weltkrieg. Die aktuelle Corona-Pandemie mag dagegen harmlos aussehen. Eine solche Sichtweise ist jedoch naiv. Es geht nämlich gar nicht um die Zahl der Toten, sondern um die symbolische Wirkung, die eine solche Pandemie auf die betroffenen Gesellschaften hat - und das sind mittlerweile praktisch alle auf der Welt. Dieses Mal sollte folglich alles anders sein. Mit einem staatlich verordneten neuerlichen Stillstand der gesamten Weltwirtschaft, der sogar noch jenen der Finanzkrise von 2007 in den Schatten stellte, sollten die Menschen vor dieser Krankheit geschützt werden. An der Zahl der Toten gemessen mag dies gelungen sein, auch wenn das letzte Wort auf diesem Gebiet noch nicht gesprochen ist. Die kollektive symbolische Wirkung dieser globalen Verhütungsmaßnahme scheint aber sehr groß zu sein, um nicht zu sagen: enorm. Vieles erscheint nunmehr fraglich, gar sinnlos, was vorher selbstverständlich war, z.B. lange Flugreisen, nur um irgendwo auf der Welt am Strand zu liegen und zu dösen, und überhaupt ein großer Teil des Konsums, der sich im Zuge behördlich verordneter Einsamkeit in der eigenen Wohnung plötzlich als das herausstellt, was er offensichtlich schon immer war: verantwortungslos und total überflüssig.

Die Wirkungen und Nebenwirkungen und Folgeschäden

Alle vier dieser Krisen, die uns buchstäblich von allen Seiten bedrängen, haben spezifische Wirkungen, die uns, der globalisierten Menschheit, erst ganz langsam zu Bewusstsein kommen. Sie wirken aber auch zusammen, verstärken sich gegenseitig. Und die symbolische, kollektiv psychosoziale Gesamtwirkung ist vermutlich die stärkste von allen übrigen Wirkungen. Sie äußert sich als allgemeine Irritation, Verunsicherung, Verängstigung, Verlust an unserem artspezifischen Hochmut als 'Krone der Schöpfung' (als die sich übrigens auch die Chinesen fühlen, obwohl sie mit Jesus Christus und der Bibel größtenteils nichts zu tun haben wollen).

Schon mit dem Aufstieg seines Denkvermögens, vollends aber erst seit ca. zweihundert Jahren im Zuge der mittlerweile weltweiten Industrialisierung, hat die Menschheit ihr Gleichgewicht im Ganzen der Welt verloren. Wir fühlten uns nicht nur geistig, sondern schließlich auch ganz praktisch, technisch, als Herrscher der Welt. Alles musste noch bis vor kurzem unserem, d.h. dem menschlichen Willen gehorchen. Riesige Flüsse wurden umgeleitet, gestaut, ganze Berge abgetragen und Landschaften geglättet, um Städte darauf und Autobahnen zwischen ihnen zu errichten, der Boden um seine Mineralien und Energievorräte mit immer gewalttätigeren Mitteln ausgesaugt, die Meere rücksichtslos leergefischt, und obendrein noch Waffen erfunden, die alles Leben auf der Welt zu vernichten imstande sind. Selbst das Maschinenzeitalter überholten wir nochmals durch das Zeitalter der algoritmengesteuerten, symbolisch arbeitenden Maschinen, die sogar noch Teile dessen besser konnten, was ohnehin nur Menschen können, nämlich rechnen, logische Schlüsse ziehen und entsprechende Handlungen in die Wege zu leiten.

Und wozu das alles? Nun ja, letztlich nur um des Vergnügens willen. Immer mehr Spaß, immer mehr Konsum, immer intensiverer hedonistischer Genuss des Hier und Jetzt ist es, den wir uns gegenseitig versprechen. Damit könnte jetzt Schluss sein. Ganz langsam scheint es den Menschen in aller Welt zu dämmern, dass es so nicht weitergehen kann, selbst wenn sie gerne so weitermachen würden. Der Befund lautet: Die Welt hält uns nicht mehr aus. Wir, die Menschen, sind ihr unerträglich geworden, und damit letztlich auch wir uns selbst. Das erklärt in gewissem Umfange auch die plötzlich aufflammenden moralischen Empörungswellen, die in immer schnellerer Folge um den Erdball schwappen: Empörung über die Ungleichverteilung des materiellen Reichtums und seiner Chancen, über die sexuelle Gewalt vor allem gegen Frauen, aber auch gegen Nicht-Heterosexuelle, über die Vergeudung von natürlichen Ressourcen, über die Diskriminierung andersfarbiger Menschen und mehr. Als Folge einer weltweiten Verunsicherung fühlen wir uns mittlerweile wie die Schiffbrüchigen in einem Ruderboot auf der hohen See allgemeiner, sich immer weiter steigernder Erregungsstürme. Der Sixtant ist über Bord gegangen; es gibt keinen Steuermann mehr.

Wohin das führen wird?

Ich weiß es nicht; niemand weiß es. Eines aber dürfte klar sein: Wir müssen wohl wieder etwas bescheidener werden, nachdem wir, die Menschen dieser Erde, uns in den letzten zwei-, dreitausend Jahren immer weiter hochgeschaukelt haben in der grenzenlosen Selbstgewissheit, dass wir die Herren dieses Himmelkörpers seien, auf dem wir irgendwann aus dem Urschlamm hervorgekrochen sind. Wir sind empfindlich, und zwar nicht nur materiell, sondern auch symbolisch. Das ist wohl die größte und vielleicht unerwartetste Nebenwirkung all unserer tollen Denkfähigkeiten und der Krisen, die wir damit produziert haben: Wir sind auch auf einzigartige Weise zu verletzen, zu demütigen und zu verunsichern. Und wenn wir uns auf keinen Gott einigen können, der uns in dieser Situation wieder Orientierung gibt, dann müssen wir es wohl selber richten, mit etwas Glück sogar zum Besseren. Ecce homo! Wohlauf denn, auch wenn es schwer fällt. (ws)

Frühere Leitartikel

Philosophie?! Wozu das denn?

Jene Tätigkeit, die die Menschen vor allem der abendländischen Kultur als 'philosophieren' bezeichnen, wird seit über 2.000 Jahren mal feierlich, mal eher abfällig betrachtet. Was können wir heute überhaupt noch als Philosophie bezeichnen, und welchen persönlichen oder gesellschaftlichen Nutzen hat das Philosophieren jenseits akademischer Expertenwelten und ihrer Eitelkeiten wirklich?

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Das Undenkbare

Es überkommt uns in vielen Nuancen, Schattierungen und Gestalten. Mal ist es empörend, andermal einfach erstaunlich, dann wieder unfassbares Glück, manchmal auch ohne jedes Gefühl einfach nur unmöglich zu verstehen. Am Unheimlichsten ist das Undenkbare vielleicht dann, wenn es gar nicht schwer zu verstehen und der Bereich emotionaler Reaktionen längst überschritten ist: Es tritt etwas ein, das wir nie erwartet haben. Die Realisierung des äußerst Unwahrscheinlichen.

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Gestalten der Wahrheit

Die Wahrheit insbsonderer öffentlicher Aussagen ist heutzutage mehr denn je schweren Angriffen ausgesetzt, und dies bis auf die höchste Ebene weltpolitischer Auseinandersetzungen. Derlei häufig sehr verantwortungsloses Verhalten nutzt eine Schwachstelle menschlicher Orientierung und Kommunikation aus, die sich leider nicht einfach dadurch beheben lässt, dass man ihr Verhalten missbilligt. Der folgende Text weist auf analytische Werkzeuge hin, die in Streitigkeiten um die Wahrheit von Aussagen bei der Klärung helfen können.

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'Soziale Identität': Aufstieg einer Chimäre

Seit einigen Jahren, parallel zum Aufstieg des weltweit aktuellen Populismus, ist nicht nur in den sog. westlichen Ländern wieder verstärkt davon die Rede, dass der soziale Mensch einer ‚Identität‘ bedürfe. Ohne diese sei nicht nur sie/er psychisch angeblich orientierungslos, sondern auch der Zusammenhalt eines jeden sozialen Kollektivs hänge davon ab. Im Gegensatz zum modernen Nationalismus, während dessen Entstehung im 19. Jahrhundert das Konzept ‚soziale Identität‘, wenn auch nicht unter diesem Namen, erzeugt wurde, ist die heutige Berufung auf die angebliche Notwendigkeit sozialer Identität zwar immer noch stark mit der Vorstellung einer homogenen Nation verbunden, dies aber nicht mehr ausschließlich. Stattdessen und in gewisser Weise noch ungreifbarer ist heute, wenn nicht ganz platt von ethnischer Herkunftsgemeinschaft, stattdessen beispielsweise von ‚Wertegemeinschaft‘ und Ähnlichem die Rede. Wie historisch jung all solche Begrifflichkeit ist, zeigt sich beispielsweise daran, dass bei zwei der wichtigsten Gründerfiguren der modernen Soziologie, Max Weber und Émile Durkheim, von ‚sozialer Identität‘ noch keine Rede ist. Das ist nicht erstaunlich, insofern der Begriff ‚Identität‘ ursprünglich nur im logischen Aussagenzusammenhang gebraucht wurde und dort auch eine deutlich längere Geschichte hat als in der politischen Auseinandersetzung.

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Die Demokratie und der Teufel

Seit Kant hat der Teufel einen neuen oder zumindest zweiten Namen: Unvernunft. Sie zeigt sich in verschiedenen Formen, z.B. der einfachen Unwissenheit, des unüberlegten Affekhandelns, der Übertreibung und maßlosen Eitelkeit. Mit all diesen Subteufeln ist die erstarkende Pflanze der Demokratie nach 1945 gut zurechtgekommen. Die weltweite Gemeinde der Vernünftigen war immer klar in Führung, gab den Ton an und setzte sich selbst in solchen Großkonflikten wie jenem zwischen den Atommächten USA und Sowjetunion letztlich durch. Wie kommt es, dass ihr jüngst mit rasender Geschwindigkeit so viele Mitglieder abhanden kommen, dass wir womöglich sogar mit einer Machtübernahme der rasend Unvernünftigen rechnen müssen?

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Was ist ursprünglicher: Qualität oder Quantität?

Zu den nicht gerade dringendsten Fragen unserer Zeit gehören metaphysische Grundprobleme. Deren gibt es in allen Kulturen und Gesellschaften nicht wenige. Weil leider die meisten von ihnen trotz Jahrhunderte langer Behandlung immer noch nicht eindeutig beantwortet wird, verlieren viele Menschen schnell das Interesse daran. Ich wende mich hier nun an diejenigen Untentwegten, die sich bisher nicht haben abschrecken lassen. Es geht im Folgenden um etwas sehr Grundsätzliches. Die Frage lautet: Was ist ontologisch vorgängig, die Qualität oder die Quantität (von Dingen, Prozessen oder was auch immer)?

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Künstliche Unvernunft

Im aktuellen Heft des Economist (Heft vom 21.04.2018, S. 14 oder online hier) wird berichtet, dass die Techniker von IKEA unter großem Aufwand es geschafft haben, einen Roboter so zu programmieren, dass er einen IKEA-Stuhl zusammenbauen kann. Oh Mann! Er braucht dafür allerdings 20 Minuten und somit ein Mehrfaches der Zeit, die ein durchschnittlich begabter Mensch für die Aufgabe benötigt. Auch Tesla, so wird berichtet, schafft seine Produktionsversprechen nicht, weil Elon Musk sich mit der Automatisierbarkeit im Autobau immer wieder massiv verschätzt. Inzwischen gibt er es sogar öffentlich zu. Irgendetwas stimmt nicht mit der Künstlichen Intelligenz.

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Freiheitssehnsucht und Lebenssinn

Es dürfte für wenig Aufregung sorgen zu behaupten, auch wenn es nicht beweisbar ist, dass 'der Mensch' nach Freiheit strebt, und dass er aber auch nach Sinnhaftigkeit seines Daseins verlangt. Diese Auffassung entspringt aber keineswegs nur privaten Empfindsamkeiten. Im weitesten Sinne kann man wohl sagen, dass es in den modernen westlichen Gesellschaften geradezu das oberste Staatsziel ist (neben der materiellen Grundversorgung der Bevölkerung), genau dieses Streben nach Freiheit und Lebenssinn zu befriedigen.

An einer solchen Forderung ist gleichwohl so ziemlich jedes Wort fraglich. Steckt hinter dem Ausdruck 'der Mensch' nicht bereits eine ungeheure Anmaßung, so als ob irgend jemand wissen könne, was für alle einzelnen Menschen gleichermaßen gelte? Streben wirklich alle Menschen nach Freiheit? Und wenn sie das tun, nach welcher? Handelt es sich bei dem Begriff der Freiheit nicht womöglich eine Bedeutungswolke im Wittgenstein'schen Sinne, deren einzelne Felder oder Bereiche nur eine Familienähnlichkeit aufweisen, aber keinen gemeinsamen Bedeutungskern? Und was ist 'Sinn' mehr als eine weitere solche Bedeutungswolke, die kaum zu klarerer extensionaler und intensionaler Vorstellung von ihr zu bringen ist?

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Emergenz: Hoppla, was ist denn das?

Die Einsicht ist inzwischen unvermeidlich, dass die Welt sich entwickelt haben muss, und zwar nicht nur im Bereich des Lebendigen auf unserer heiß geliebten Erde, sondern auch das Universum insgesamt. Denn selbst seit dem Big Bang, also dem Urknall, bis zur Bildung der ersten Atomkerne vergingen in den Zeitbegriffen der modernen Physik bereits Millionen Jahre. Diese kosmische Fähigkeit zur Entwicklung mag uns fröhlich machen, denn immerhin legt sie nahe, dass wir zur Krone einer solchen Schöpfungspotenz gehören. Sie ist aber auch ein tiefes Rätsel, denn der alte Satz "Ex nihilo nihil fit", zu deutsch: "Aus Nichts entsteht nichts", lässt derlei eigentlich nicht zu. Wie kann es also sein, dass sich in einer Ursuppe plötzlich einzelne Elementarteilchen mit Eigenschaften bilden, die in der Ursuppe noch nicht vorhanden waren?

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Der seltsame Hype um die Künstliche Intelligenz

Seit Jahren nun schon steigt die Aufregung: Die Über-Maschinen kommen! Sie kommen aber nicht nur einfach so daher, das tun sie ja schon lange. Nein, sie drängeln sich mit algorithmisch hochfrisierten Elektronengehirnen in jeden Winkel unseres Lebens, schaffen es gar bis auf den Wohnzimmertisch und in die Nachttischlampe. "Igitt, wie schlimm!" schreien die einen, "Ihr seid meine Erlösung und die der ganzen Welt obendrein!" die anderen. Beide Auffassungen und die ganze emotionale Begleitmusik dazu sind einfach kindisch, meint Wolfgang Sohst.

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