Wut frisst Demokratie

Ein Jugendlicher zerschlägt seine Zimmereinrichtung

Ist das nur Wahnsinn, oder hat es Methode?

Als Donald Trump im Jahr 2016 vor seiner ersten Wahl als Präsident der USA mit schier unüberbietbarer Frechheit verkündete, dass er auch jemanden auf der 5th Avenue in New York erschießen könne, ohne seine Anhängerschaft zu verlieren, fragte man sich in Europa, was in diesem Land eigentlich los sei. Inzwischen gehört es auch in Europa zum Alltag, dass verurteilte Straftäter:innen Aussichten auf höchste Staatsämter haben: Hauptsache, sie treten mit maximaler Wut gegen das angeblich 'verrottete System' an, indem sie versprechen, seinen 'Sumpf' auszutrocknen, alle demokratischen Institutionen radikal um- oder besser gleich abzubauen und einen aggressiven Nationalismus zu verfolgen. Die Stoßrichtung lautet: Hauptsache, es kommt jemand an die Macht, der die gegenwärtige nationale und internationale Ordnung zerschlägt, egal, was danach kommt.

Die Zustimmungsraten zur modernen Demokratie scheinen weltweit im freien Fall zu sein. In allen großen demokratischen Staaten der Welt dominieren zunehmend Wutbürger:innen die politische Agenda, die keine punktuelle Kritik mehr an ihrem politischen und Wirtschaftssystem haben, sondern das System insgesamt ablehnen. Für sie ist dessen Zerstörung das oberste Ziel. Diese Einstellung basiert eher auf starken Gefühlen als auf Argumenten. Angeblich rationale, tatsächlich jedoch beliebige Begründungen der verbreiteten Frustration werden auf Nachfrage nachgereicht. Was eine solche fundamentale Wut motiviert und wie sie sich besänftigen ließe, ist bestenfalls ansatzweise erkennbar. Auch die internationale Ordnung ist in diesen Kreisen keinen Pfifferling mehr wert; im Gegenteil: Sie wird als die Wurzel allen Übels angesehen. Obendrein geht die grenzenlose Wut häufig mit einem starken Personenkult einher. Das 'Führerprinzip', schon Adolf Hitlers stärkste Marketingidee neben allem Geschimpfe auf den Versailler Vertrag, auf die Juden und wen auch immer, wird heute weltweit wieder zur leitenden politischen Motivation solcher Kreise. Autokratische Gewalttäter wie Vladimir Putin werden selbst im liberalen Westen von erstaunlich vielen Menschen bewundert, sogar vom gegenwärtigen Präsidenten der USA. Geht es noch verrückter?

Das sind ziemlich schlechte Aussichten für jene politische Idee namens Demokratie, die bei ihrer Geburt im Europa des späten 18. Jahrhunderts als das Nonplusultra des zivilisatorischen Fortschritts galt. Die Frage ist folglich, wie es soweit kommen konnte und was diejenigen, die sich nicht in der besagten negativen Ekstase befinden, gegen den aktuellen Trend tun können. Um diese Frage zumindest näherungsweise beantworten zu können, gilt es zunächst, einen fundamentalen Irrtum auszuräumen. Der lautet: Es gebe rationale Begründungen, z.B. die materielle Not der betreffenden Teile der demokratischen Weltbevölkerung. Folglich müsse man sie vor allem wirtschaftlich besser stellen, um ihren Hass auf die bestehende soziale Ordnung zu dämpfen. Das ist sowohl ein faktischer als auch ein psychologischer Irrtum. Tatsächlich geht es gerade den ärmeren Teilen der demokratischen Weltbevölkerung heute wirtschaftlich so gut wie noch nie zuvor. Es ist zwar richtig, dass die Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverteilung weltweit stark zugenommen hat. Unfassbar reiche Einzelpersonen, die obendrein verdächtig ins soziopathische Verhaltensspektrum hineinragen, schießen besonders in den USA wie Pilze aus dem Boden, während sich der Wohlstand der mittleren und unteren Einkommensschichten in den letzten 30 Jahren nur mäßig oder gar nicht entwickelt hat. Die Not der relativ Armen und absolut Ärmsten auch in den heute demokratischen Gesellschaften war aber früher eher noch größer, und nur die extremsten Kräfte schrien nach dem Abriss des gesamten Systems. Hinzu kommt, dass gerade in den USA die Crème der Superreichen selbst, wenn auch aus ganz anderen Gründen, am lautesten die Abschaffung der modernen, liberalen Gesellschaft fordert und damit verwirrenderweise zu den Lichtfiguren jener wurden, die 'das ganze System' am schärfsten verurteilen, das doch jene Charaktere erst hervorbrachte.

Die ernüchternde Wahrheit hinter dieser weltweiten Dynamik lautet: Es gib keine rationale Begründung für die besagte unendliche Wut. Sie ist fundamental irrational und deshalb auch nicht mit rationalen Mitteln zu mildern. Die Situation ähnelt der eines wohlgenährten Patienten im psychischen Ausnahmezustand, der seinen Arzt verprügelt, während der sich bemüht, ihm leckeres Essen einzuflößen, weil er meint, der Patient sei unterernährt. Fraglos gibt es sehr, sehr viele hungerleidende Menschen auf der Welt, die unsere, der Reicheren, Hilfe dringend bedürfen. Gerade sie gehören aber nicht zu den modernen Wutbürgern der reichen Länder. Und gerade diese Wutbürger:innen sind auch am wenigsten bereit, jenen zu helfen, die dieser Hilfe am stärksten bedürfen.

Das fundamentale Problem ist folglich, dass gerade wohlmeinende politische Strategien zur Besserung jenes allgemeinen Ausnahmezustandes (dieser Ausdruck wurde von dem faschistischen Völkerrechtler Carl Schmitt in den 1930er-Jahren zur Rechtfertigung des nationalsozialistischen Führerprinzips popularisiert) keine Chance auf Erfolg haben: Jeder ihrer wohlmeinenden, moderaten, oft geradezu servil daherkommenden Vorschläge werden ihnen von ihren radikalen Gegnern aus der Hand geschlagen werden. Den Wütenden, ob rechts oder links, ist nichts genug. Alles ist für sie grundsätzlich falsch, gar bösartig und gehört deshalb zertrampelt.

Die Ursache des Problems liegt in der Dynamik der westlichen Demokratieidee selbst. Sie setzt nämlich auf einem Individualismus auf, der im Laufe der Industrialisierung und schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg in drei Extrema mündete, die in ihrem Zusammenspiel ursächlich für die heutige Situation sind:

  • Jede Art politischer Herrschaft, und sei sie noch so demokratisch legitimiert, wird heute als Anmaßung, gar als systematischer Betrug am 'Volkswillen' usw. wahrgenommen und folglich bekämpft. Darunter schwelt ein nihilistischer Anarchismus, d.h. eine Ablehnung jeglicher politischen Herrschaft. Am lächerlichsten erscheinen aus dieser Perspektive gerade diejenigen Politker:innen, die sich am stärksten um ein Verständnis derjenigen bemühen, von denen sie gehasst werden.
  • Ein aggressiver Wille zum grenzenlosen Konsum, von den politisch herrschenden Kreisen verzweifelt zur Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums umgedeutet, um die wildgewordenen Geister wieder einzufangen, beugt sich keinerlei übergreifender Vernunft, beispielsweise aus ökologischen Gründen. Wer als Politiker:in heute in irgendeiner Weise Konsumverzicht fordert, hat sein Schicksal damit bereits besiegelt.
  • Die vor allem in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg überall verfolgte Idee des Wohlfahrtsstaates führte zu der staatlichen Bereitschaft, sich immer mehr zu verschulden, um ins Astronomische gestiegene Sozialleistungen finanzieren zu können. Wer heute als demokratisch gewählte Politiker:in glaubt, diese zum Bankrott führende Spirale umdrehen zu können, wird nicht lange im Amt bleiben und bekommt bald Morddrohungen. Die USA gingen einen anderen, im Endeffekt aber noch desaströseren Weg. Sie lehnten die staatlich finanzierte, nationale Wohlfahrt ab, versprachen stattdessen, durch eine aggressive internationale Handelspolitik das Wohlstandsversprechen auf Kosten der gesamten übrigen Weltbevölkerung einzulösen. Diese Strategie führte jedoch zu einer ebenfalls gigantisch steigenden Staatverschuldung, weil sich der resultierende Neoimperialismus nur mit extrem hohen Militärausgaben und ständigen Steuergeschenken an die Reichsten des eigenen Landes aufrechterhalten lässt.

Mit anderen Worten: Die demokratische Revolution des späten 18. Jahrhundert hat mittlerweile ihre eigenen Kinder gefressen, wohin man auch schaut. Diese Kinder sind, um es mit einem Anglizismus zu sagen, im Laufe der Zeit jedoch spoiled, d.h. verzogen worden, unwillig zur Wahrnehmung der Wirklichkeit, und verachten alle, die ihnen freundlich gesonnen sind und sie zu verstehen versuchen. Ihrer Irrationalität wird mit man rationalen Mitteln nicht begegnen können, insbesondere nicht mit Verständnis für ihre angeblich miserable wirtschaftliche Situation. Nur um hier einem groben Missverständnis vorzubeugen: Es steht außer Frage, dass viele Menschen auch in den heutigen Demokratien wirtschaftliche Not leiden. Das ist aber nicht der Grund des sich epidemisch ausbreitenden Hasses auf die Demokratie insgesamt. Nach wie vor gilt: Wer Not leidet, dem sollte geholfen werden. Dies trifft aber nicht das Problem, von dem hier die Rede ist. Es ist fundamentaler.

Das ist eine sehr schlimme Diagnose. Im psychiatrischen Alltag würde sie bedeuten: Anlegen der Zwangsjacke durch 'starke Männer', Injektion schwerer Beruhigungsmittel, gewaltsame Brechung des Willens der Aufbegehrenden. Gerade diese Mittel kommen zur kollektiven Krisenbewältigung in der Demokratie aber nicht in Betracht, vor allem aus ethischen Gründen, aber auch, weil die 'starken Männer' gerade diejenigen Politker:innen (keineswegs nur Männer) sind, die am stärksten als Abrissbirne aller bestehenden Ordnung auftreten. Wenn aber keine rationalen, mitfühlenden Mittel helfen, die Krise zu dämpfen, was hilft dann?

Ich fürchte: nichts. Solche Großphänomene sind durch rationale politische Maßnahmen nicht zu steuern. Es gehört zu den optimistischen Selbstüberschätzungen aller Anhänger:innen der demokratischen Idee, dass eine vernünftige Aushandlung des Gemeinwohls unter essenziell Gleichen (Habermas' Menschenbild und Gesellschaftsideal lässt grüßen) auf die Dauer zur gesellschaftlichen Verhaltensnorm werden würde. Diese Erwartung wird gerade sehr nachhaltig und sehr bitter enttäuscht. Und bislang ist keine Idee in Sicht, durch was man sie ersetzen könnte, ohne in die alte, vormoderne und oft enorm grausame Gewaltherrschaft zurückzufallen, die so lange auf der ganzen Welt herrschte.

Wie also könnte überhaupt eine Lösung aussehen? Nun, um in der psychiatrischen Metapher zu bleiben: ungefähr so, wie die Heilung eines Kranken ohne Ärzt:innen verlaufen würde, d.h. als Hoffnung auf Selbstheilung mit der Zeit. Das kann freilich böse enden, wenn die hier diagnostizierte kollektive 'Krankheit' in permanenten Krieg, Vernichtung der biologischen Lebensgrundlagen auf der Erde und ähnlich Furchtbares ausartet, oder vielleicht auch in einen weltweiten Sieg der Despotien. Das beste wird es also sein, den aktuellen, demokratischen Verfassungsstaat so gut wie möglich institutionell zu stützen in der Hoffnung. dass das Wutfieber rechtzeitig sinkt, bevor unter unseren Füßen die gesamte öffentliche Ordnung zusammenbricht und in ein großes, mit Sicherheit sehr unangenehmes und gewalttätiges Chaos mündet. Ernst Bloch setzte als christlicher Marxist auf das Prinzip Hoffnung, was schließlich dem Sozialismus zum Sieg verhelfen sollte. An den Sozialismus glaubt heute allerdings niemand mehr, wenn man sich die sozialen und wirtschaftlichen Realitäten des National- und Sowjetsozialismus anschaut. Auch der chinesische Weg unter Mao kostete zig Millionen Tote und hinterließ ein unendlich ärmeres Land als je zuvor in seiner Geschichte. Besserung setzte erst ein, als nach Maos Tod die schrittweise Öffnung zur bis dahin verhassten privaten Wirtschaft - weithin, aber falsch, pauschal als Kapitalismus verschrien - einsetzte.

Eine solche Empfehlung des Aussitzens der demokratischen Entgleisung des Wutbürgertums ist keine Durchhalteparole. Es ist die schlichte Hoffnung auf Besserung in einer Situation, in der keine andere rationale Handlungsalternative zur Verfügung steht. Und ganz in der Ferne, noch fast unsichtbar, winkt auch ein wirklicher politischer Hauptgewinn, nämlich die langsame Konkretisierung einer plausiblen, d.h. allgemein akzeptanzfähigen Idee, wie eine neue Gesellschaftsordnung aussehen könnte, die nicht mehr die Geburtsfehler der mittlerweile schon betagten, westlichen Demokratieidee hat, aber auch nicht in irgendeine Gewaltherrschaft zurückfällt. Es bedarf hierzu der weltweiten, intellektuell und emotional aufrichtigen Anstrengung aller, die dazu überhaupt fähig sind, einschließlich der inzwischen vielleicht geläuterter Wutbürger:innen. Es wäre eine zivilisatorische Großtat, wenn uns, der Menschheit, dies gelingt (ws).

Frühere Leitartikel

Ausnahmezustand

Es gibt wohl wenige Sätze in der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, die so wirkungsmächtig waren wie der erste Satz der Politischen Theologie von Carl Schmitt. Er lautet: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet." (Duncker & Humblot, München und Leipzig, 2. Aufl. 1934, S. 11). Dabei klingt dieser Satz zunächst einmal rätselhaft. Ausnahmezustand? Das war doch damals... 1933. Aber heute?

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Drei Fragen, grundsätzlich

Es gibt drei grundsätzliche Fragen, die symbolisch agierende Wesen gerne beantwortet hätten, die aber vermutlich auf absehbare Zeit nicht abschließend beantwortet werden können:

1. Wieso gibt es das alles: das Universum, die Erde, die menschliche Welt?
2. Wie verhält sich die Bestimmtheit der Welt (ihre Bedingtheit, Determination, Regeln) zur strukturellen Entwicklungsfreiheit der Dinge und der Menschen?
3. Hat die Welt einen immanenten Sinn (einen Zweck, ein Ziel, eine Bestimmung)?

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Gott, die Fremden und das Geld

Der Ökonom Jonathan Schulz und der Evolutionsbiologe Joseph Heinrich (beide an amerikanischen Universitäten, ferner weitere Koautoren) haben kürzlich in der renommierten Zeitrschrift Science (Nr. 6466 / Bd. 366 vom 08.11.2019) einen spektakuläres Untersuchungsergebnis veröffentlicht. Sie stellten sich die alte und immer wieder heftig diskutierte Frage, warum sich bestimmte Regionen der Welt institutionell und wirtschaftlich so viel stärker entwickelt haben als andere. Eine solche Untersuchung ist alles andere als theoretisch.

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Die Pascalsche Wette, dreiwertig

Die Pascalsche Wette ist bekannt geworden, weil sie angeblich beweist, dass es selbst bei unsicherer Tatsachenlage betr. die Existenz Gottes vorzuziehen sei, an Gott zu glauben: Man gewinne bei gleichem Einsatz mehr, als wenn man sich dem Unglauben ergebe. Leider sitzt der populäre Glaube an Pascals Gedankenspiel einem logischen Irrtum seines Urhebers auf, der natürlich schon längst bemerkt wurde. Fraglich ist allerdings, wie man den Fehler Pascals beheben kann. Der Beitrag zeigt, dass eine dreiwertige Aufmachung des logischen Kalküls ein überraschend klares und positives Ergebnis bringt.

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Meta-Hedonismus

Es gibt Grundfragen des sozialen Zusammenlebens von Menschen, die notorisch schwer zu beantworten sind. Überhaupt eine Antwort auf sie zu geben ist bereits schwierig, und unter den möglichen Antworten, sofern sie halbwegs plausibel sind, die bessere oder beste von den schlechteren zu unterscheiden, bleibt häufig dem subjektiven Belieben überlassen. Zwei solcher besonders schwierigen Fragen lauten:

  1. Was ist der Sinn eines bestimmten Kollektivs, z.B. einer Familie, eines Sportvereins oder einer ganzen Gesellschaft?
  2. Gibt es absolute Verhaltensmaßstäbe (Moral) für ein solches Kollektiv?

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Toleranz: Wie entsteht sie überhaupt?

Wenn wir heute von Toleranz sprechen und diese als Option zur Lösung dauerhafter, vor allem ideologischer Konflikte vorschlagen, so ist häufig nicht ganz klar, was für eine Einstellung oder Geisteshaltung damit überhaupt gemeint ist, bzw. wie man Toleranz produzieren kann. Wir haben es im schwächsten Falle der Toleranz lediglich mit einer Duldung Andersdenkender oder Andershandelnder zu tun, im stärksten oder besten Falle mit etwas, was man als 'Anerkennung' des Anderen bezeichnen kann.

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Affektschaum

Wenn Menschen etwas "einfach schön" oder "total hässlich" finden, ist das solange ihre für den Rest der Menschheit eine belanglose Privatsache, wie sie auf eine mögliche Nachfrage betreffend die Gründe einer solchen Bemerkung keine weiterführende Antwort geben können. Willkommen im bunten, häufig aufgeregten und manchmal nervigen Zirkus der reinen Geschmacksurteile.

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Moralischer Fortschritt

Es gibt wohl keine wichtigere Frage im weltweiten Nachdenken über die Zukunft menschlicher Gesellschaften als die Frage, ob über den technischen Fortschritt hinaus, der unstrittig ist, auch ein moralischer Fortschritt zu erreichen sei bzw. womöglich sogar notwendig mit dem technischen Fortschritt einhergehe.

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Philosophie?! Wozu das denn?

Jene Tätigkeit, die die Menschen vor allem der abendländischen Kultur als 'philosophieren' bezeichnen, wird seit über 2.000 Jahren mal feierlich, mal eher abfällig betrachtet. Was können wir heute überhaupt noch als Philosophie bezeichnen, und welchen persönlichen oder gesellschaftlichen Nutzen hat das Philosophieren jenseits akademischer Expertenwelten und ihrer Eitelkeiten wirklich?

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Das Undenkbare

Es überkommt uns in vielen Nuancen, Schattierungen und Gestalten. Mal ist es empörend, andermal einfach erstaunlich, dann wieder unfassbares Glück, manchmal auch ohne jedes Gefühl einfach nur unmöglich zu verstehen. Am Unheimlichsten ist das Undenkbare vielleicht dann, wenn es gar nicht schwer zu verstehen und der Bereich emotionaler Reaktionen längst überschritten ist: Es tritt etwas ein, das wir nie erwartet haben. Die Realisierung des äußerst Unwahrscheinlichen.

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